17.02.2007 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Schauspiel-Projekt von Hofer, Müller und Dubiel im Regensburger Turmtheater uraufgeführt Annäherung an das Phänomen "Heimat"

von Susanne WolkeProfil

"Vergesse nie die Heimat, wo deine Wiege stand", heißt es. Denn: "Du findest in der Ferne kein zweites Heimatland." Ist das wirklich so? Die drei Regensburger Schauspieler Martin Hofer, Heinz Müller und Doris Dubiel sind sich da nicht so sicher. "Es gibt Menschen, die kehren aus der Fremde in ihre ursprüngliche Heimat zurück und fühlen sich dort völlig fremd", haben sie beobachtet. "Man kann also durchaus auch heimatlos zu Hause werden."

Nachdenkliche Folge

In einem gemeinsamen Projekt haben sich die drei Schauspieler folgende Frage gestellt: Heimat - was ist das eigentlich? Herausgekommen ist eine mitreißende, witzige und oft auch nachdenkliche Folge aus Sketchen. "Heimat" lautet der schlichte Titel des Stückes, das am Donnerstag im Regensburger Turmtheater uraufgeführt wurde.

Ein Feuerwerk aus Zitaten, Liedern, Anspielungen und gängigen Vorurteilen ist es, was die drei dem Publikum präsentieren. Da grünt der deutsche Wald, und im schönsten Wiesengrunde steht der Heimat Haus. Goethes Iphigenie darbt weitab von Heimat und Familie im fernen Tauris, Heino darf singend von seiner Wiederkehr in die Heimat träumen, und Rilkes "Panther" starrt auf die Gitter eines Käfigs, der nicht sein Zuhause ist.

Als "ernste, anrührende, kabarettistische, traurige, witzige, balladöse und auch wütende Annäherung an das Thema Heimat" bezeichnen die drei Schauspieler ihr Stück. Dabei sprechen sie auch Vorurteile gegenüber der Fremde und deren Bewohnern an. "Wenn wir auch die Heimat nicht lieben können - die Fremde können wir trotzdem hassen", zitiert Heinz Müller.

Rahmenhandlung des Stückes ist eine heruntergekommene Bahnhofswirtschaft im ostdeutschen Städtchen Großkorbetha. Zwei Schweizer kehren dort bei der Wirtin Jenny ein - und schon beginnt ein Konflikt aufgrund der unterschiedlichen Herkunft. Ob sie denn in ihrem Kaff nicht Heimweh nach den Bergen habe, fragen die selbstgefälligen Herren die einfache Frau, die Mühe hat, den Dialekt der Besucher zu verstehen. Und ob es sich denn bei der Musikbox, die ständig kaputt ist, um eine russische handle.

Dies muss wohl so sein. Denn bei deutschen Geräten passiert so etwas ja nicht! Auch in der als Sketch eingeblendeten Kochsendung "Meine Heimat isst" spielen Hofer, Müller und Dubiel genüsslich mit ausländischen Stereotypen. Denn der temperamentvolle Italiener kocht natürlich Spaghetti Bolognese - alla mama. Und obwohl er vor Sehnsucht nach seiner geliebten Mutter immer wieder in Tränen ausbricht, vergisst er nicht zu bemerken, dass "die Deutschen" beim Kochen ja so allerhand falsch machen.

Der Spaß an der Sache war den drei Schauspielern am Donnerstag anzumerken. Hofer, Müller und Dubiel gingen völlig in den Rollen auf und übertrugen ihre gute Laune auf das Publikum. Eine eindeutige Antwort auf die Frage, was genau die viel zitierte "Heimat" denn nun sei, liefert ihr Stück aber nicht.

Bürger und Prominente

Das überlässt es Regensburger Bürgern und Prominenten, die auf einem Fernsehmonitor eingeblendet werden. "Meine Heimat ist die Erde", sagt etwa ein junger Italiener. "Deutschland, Frankreich, Italien - das sind doch nur Worte." Bischof Gerhard Ludwig Müller dagegen fühlt sich dort zu Hause, "wo Menschen nach Gott fragen". "Ob man eine zweite Heimat finden kann, lässt sich nicht sagen", meint Oberbürgermeister Hans Schaidinger. Wie dem auch sei. Das Schauspiel-Projekt "Heimat" ist unbedingt empfehlenswert.

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