20.02.2018 - 20:00 Uhr
Regensburg

Sergei Nakariakov und die Russische Kammerphilharmonie Sankt Petersburg bei den "Odeon ... Schwerelose Läufe und Triller leicht interpretiert

Mit welch packendem Enthusiasmus ein Kammerorchester zu Werke gehen kann, zeigt die Russische Kammerphilharmonie Sankt Petersburg unter Leitung von Juri Gilbo bei den Regensburger "Odeon-Concerten". Die Leidenschaft, mit welcher der Dirigent diesen Klangkörper führt, deutet sich bereits in der einleitend interpretierten Sinfonie Nr. 40 in g-Moll (KV 550) von Wolfgang Amadeus Mozart an. Mit großem Schwung, aber nicht überhastet, widmet sich das Orchester dem Kopfsatz mit dem markanten Hauptthema, das auch durch zahlreiche Pop-Bearbeitungen einen großen Bekanntheitsgrad erreicht.

Der russische Trompeter und Flügelhornist Sergei Nakariakov überzeugt bei seinem Konzert in Regensburg. Bild: Thierry Cohen
von Stefan RimekProfil

In der Durchführung des Kopfsatzes stellt Gilbo immer wieder schön das motivische Material des Hauptthemas heraus und trotz des flotten Tempos agiert der Klangkörper vorbildlich geschlossen. Im Menuett setzen die Ausführenden gelungen die Störrigkeit um, mit der hier Mozart den Tanzcharakter torpediert und damit den Satz zu einem vollwertigen Sinfoniesatz erhebt. Im Finale beeindrucken unter anderem die geschlossen exakt genommenen schnellen Läufe der Streicher.

Danach betritt mit dem russischen Trompeter und Flügelhornisten Sergei Nakariakov der Star des Abends im gut gefüllten Audimax der Regensburger Universität die Bühne. Sein Trompetenklang wird oft als beeindruckend schwerelos und ungepresst beschrieben, und in der Tat beweist er das auch in Haydns Konzert für Trompete und Orchester in Es-Dur.

Bis auf einen ganz kleinen Wackler in der Kadenz des ersten Satzes, setzt der Solist auch die schwer zu nehmenden Sechzehntelläufe spielerisch leicht um. Die Interpretation dieses Werks zeigt neben der Virtuosität des Solisten auch, dass sich Nakariakov kommunikativ in den Orchesterklang einbringen kann und sich an entscheidenden Stellen bescheiden zurücknimmt, was für seine künstlerische Reife spricht.

Mozarts Hornkonzert Nr. 4 in Es-Dur (KV 495) interpretiert Nakariakov mit dem Flügelhorn, was ihm auch deshalb leicht von der Hand geht, weil dieses etwas flexibler und leichter zu handhaben ist, als ein typisches Orchesterhorn. Klar und intonationsrein bis in die schnellen Läufe und Triller ist sein Spiel auch hier, was das Publikum zurecht mit großem Beifall honoriert.

Am Ende des Programms erklingt Felix Mendelssohn-Bartholdys vierte Sinfonie und hier zeigt Dirigent Juri Gilbo wie heißblütig er bei dieser auch als "Italienische" bezeichneten Komposition zu Werke gehen kann. Da ihm das Orchester in seiner Leidenschaft geschlossen und mit Ausdruck folgt, wird auch diese Interpretation zu einem echten Klangerlebnis. In den drei Zugaben vernimmt man dann noch irische und türkische Folkloreklänge sowie ein nur wenige Sekunden dauerndes Tutti-Crescendo, was abschließend für Amüsement sorgt.

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