19.08.2014 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Staatliche Bibliothek freut sich über die Entscheidung der Familie - Dokumente stehen für ... Sandra Parettis Nachlass kommt nach Regensburg

Am 4. Mai 1985 begrüßte der Weidener Kulturamtsleiter Bernhard M. Baron die Schweizer Schriftstellerin Sandra Parettti im Alten Rathaus anlässlich der 1. Weidener Literaturtage. Archivbild: Bonkoß
von Autor BNProfil

Der Nachlass der großen Dame der bundesdeutschen Unterhaltungsliteratur Sandra Paretti kommt in die Staatliche Bibliothek Regensburg. Er ist dort unter der Akzessions-Nummer G 14-633 in fünf großen Kartons für den interessierten Literaturwissenschaftler und ambitionierten Literaturfreund jederzeit einsehbar. Darunter befinden sich nicht nur ihre zahlreichen Werke ("Rose und Schwert", "Der Winter der ein Sommer war", "Der Wunschbaum", "Tara Calese"), sondern auch die gesamte Korrespondenz, die Sammlung ihres Bruders Karl "Carlos" Schneeberger und die gesamten Fotoalben.

Kindheit in Weiden

"Wir freuen uns sehr über die Entscheidung der Familie, uns die schriftliche Hinterlassenschaft Sandra Parettis anzuvertrauen", betonte deshalb auch der Regensburger Bibliotheksdirektor Bernhard Lübbers in seiner aktuellen Presse-Erklärung.

Zwar wurde Sandra Paretti als Irmgard Schneeberger am 5. Februar 1935 in Regensburg geboren, aber ihre Kindheits- und Jugenderinnerung gehen immer wieder an Weiden in der Oberpfalz zurück, da für Sandra Paretti Weiden und das Haus ihrer Großeltern (die Bauscher-Villa am Reiterweg) ein wichtiger Teil ihrer Kindheit und damit ihres Lebens waren. Paretti verbrachte ihre gesamte Kinder- und Jugendzeit in Weiden, war doch ihr Großvater der Bauscher-Direktor Carl Lang (1878-1959) - eine Persönlichkeit seiner Zeit in der damaligen Max-Reger-Stadt. Sandra Parettis Mutter, Maria Lang (1905-1979), war übrigens eine der ersten weiblichen Abiturientinnen in Weiden.

Die Schriftstellerin besuchte von 1944 bis 1945 in Weiden auch die Volksschule, Bruder Karl das "Humanistische Gymnasium" (heute: Augustinus-Gymnasium). Über ihre Mutter, Maria Lang, schreibt sie in ihrer Mutter-Hommage "Das Echo Deiner Stimme" (1980): "Und wie im Leben achtete sie darauf, die Tür hinter sich zu schließen." Die Metapher von der Tür als Lebensabschnitt hatte sich Sandra Paretti, die überhaupt in Bildern zu sprechen liebte, auch für ihr eigenes Leben zurechtgelegt: "Ich kann Türen zumachen, weil sich neue auftun. Wie meine Mutter kann ich Türen zumachen. Türen schließe ich ständig zu, es ist fast eine Manie."

Sandra Paretti war Ehrengast bei den 1. Weidener Literaturtagen "1945 - Wie war das eigentlich?" und bei den 4. Weidener Literaturtagen "Literatur von Frauen". Kein Wunder also, wenn sich nun im Nachlass auch die Unterlagen zu den Einladungen und Aufenthalten in Weiden befinden.

Besonders in ihrem Mutter-Roman "Das Echo Deiner Stimme" berichtet die Enkelin des Bauscher-Direktors Carl Lang vom Einmarsch der US-Army in Weiden und vom Geschehen auf der benachbarten Dostler-Mühle.

Unter dem Pseudonym hatte Dr. Irmgard Schneeberger (sie promovierte 1960 über "Das Kunstmärchen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts") ihre Romane veröffentlicht, die teilweise auch verfilmt wurden ("Der Winter, der ein Sommer war", "Der Wunschbaum", "Der rote Vogel"), auch war sie manchmal Mitautorin der ZDF-Serie "Das Traumschiff". Ihre Werke wurden in 25 Sprachen übersetzt und über 30 Millionen Mal verkauft.

Sterben in Schönheit

Am 12. März 1994 nahm sich die an Krebs erkrankte Schriftstellerin in Zürich das Leben. Sandra Paretti erfüllte sich damit, was sie 1988 in einem Interview mit Dietz-Rüdiger Moser in der Münchner Literaturzeitschrift "Literatur in Bayern" geäußert hatte: "Schreiberisch in Schönheit sterben."

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