05.01.2007 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Städtische Galerie "Leerer Beutel" stellt Grafiken und Gemälde von Josef Achmann aus Ein Regensburger Expressionist

von Susanne WolkeProfil

Paris, Berlin, Dresden: Die Zentren der großen Kunst lagen zu Beginn des 20. Jahrhunderts weit außerhalb der Oberpfalz. Unbemerkt blieben die modernen Strömungen hier aber nicht. Dafür sorgte zum Beispiel Josef Achmann.

Der Regensburger Maler und Grafiker brachte neue künstlerische Richtungen in die Donaustadt. Einen Einblick in sein Werk gibt derzeit die Städtische Galerie Regensburg "Leerer Beutel". Expressionismus, Kubismus und Neue Sachlichkeit sind die Schlagworte im Schaffen Josef Achmanns.

Unmittelbare Nähe

Eine Besonderheit der Ausstellung im "Leeren Beutel" ist der Tatsache zu verdanken, dass Achmann seine Bildmotive stets in unmittelbarer Nähe suchte: Neben Ansichten von Paris und München sind daher auch expressionistische und kubistische Darstellungen von Regensburg und der Oberpfalz zu sehen. Denn der 1885 in Regensburg geborene Künstler kehrte nach seiner Ausbildung in München und einem Aufenthalt in Paris stets wieder in seine Heimatstadt zurück.

"Am Eisernen Steg" lautet etwa der Titel eines Holzschnitts von 1910. In dramatischem Schwarz-Weiß-Kontrast neigen sich die Gebäude der Stadt bedrohlich über die einsamen Gestalten, die voneinander isoliert über die Brücke wandeln.

Der Holzschnitt war eine bevorzugte Technik im Schaffen Achmanns und gleichzeitig ein typisches Medium der deutschen Expressionisten. Achmanns Nähe zu dieser Kunstrichtung zeigt sich auch in den teils grellen Farben seiner Gemälde. Das "Selbstbildnis vor den Brücken von Regensburg" ist in leuchtendem Rot, Gelb und Grün gehalten.

Achmann brachte den Expressionismus nach Regensburg - nicht zuletzt auch durch eine eigene Zeitschrift: Unter dem Titel "Die Sichel" verkündete der Künstler die Abkehr der Kunst von der Tradition. Dass Achmann auch dem Kubismus gegenüber offen war, zeigen Darstellungen des Regensburger Hafens oder das Gemälde "Die Freunde" von 1919: In Anlehnung an Pablo Picasso lösen sich hier die Bildgegenstände in Flächen und Linien auf.

Neue Sachlichkeit

1920 heiratete Achmann die Schauspielerin Magda Lena von Perfall und zog nach München. Dort rückte sein Stil in die Nähe der Neuen Sachlichkeit. Soziale Kritik und politische Anklage wie bei Otto Dix oder George Grosz sind seinen Bildern aber fremd. Darstellungen wie die "Romantische Winterlandschaft" von 1936 verweisen lediglich auf eine gegenstandstreue Malerei.

Unter den Nationalsozialisten erhielt Achmann 1935 Ausstellungsverbot. Nach dem Zweiten Weltkrieg stellte sich der Erfolg nicht wieder ein. Josef Achmann starb am 25. Oktober 1958 in Schliersee.

Die Gemälde Josef Achmanns sind bis zum 14. Januar, die Grafiken bis zum 28. Januar in der Städtischen Galerie "Leerer Beutel" in Regensburg zu sehen. Öffnungszeiten Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr.

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