Star-Violinist David Garrett und das Bergen Philharmonic Orchestra im Audimax Regensburg
Keine Chance für die üblichen Klischees

Kultur
Regensburg
18.03.2009
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Das Hemd bis zum Bauchnabel aufgeknöpft, die langen, blonden Haare trägt er offen, und in der rechten Hand hält er lässig Geige und Bogen. So wird David Garrett nicht selten in den Programmheften angepriesen und damit auch etwas zum Enfant terrible der Klassik hochstilisiert. Dass er diesem Klischee kaum entspricht, bewies auch sein Auftritt mit dem Bergen Philharmonic Orchestra im Rahmen der Regensburger "Odeon-Concerte".

Im schwarzen Anzug, die langen Haare streng zum Pferdeschwanz gebunden, spielte er das Violinkonzert Nr. 1 in g-Moll von Max Bruch. Dass er dabei keinerlei Starallüren an den Tag legte und bescheiden wirkte, paarte sich auch an diesem Abend mit seiner großen musikalischen Persönlichkeit, die nun wiederum zu Recht als eigenständig, kreativ und nicht alltäglich bezeichnet wird.

Große Klasse

Die große Klasse Garretts zeigte sich bereits in den ersten Klängen von Bruchs Komposition. Mit einem gut dosierten Vibrato prägte der Violinist einen fesselnd geschmeidigen Ton, mit dem er die kadenzartigen Thema-Umspielungen zu Beginn des ersten Satzes in Szene setzte. Vorbildlich exakt und zudem geschmeidig gelangen ihm auch die schwer zu nehmenden Doppelgriff-Folgen. Wunderschön innig zelebrierte Garrett dann geradezu die kantable Melodie des Adagios.
Als Zugaben präsentierte er zusammen mit dem Orchester ein eigenes kreatives Arrangement von Dvoráks berühmter "Humoreske", zeigte, wie kurios man die Melodie von "Mein Hut, der hat drei Ecken" variieren kann - inklusive eines Pizzicatos der linken Hand, während die rechte gleichzeitig streicht. Abschließend gab es noch ein paar Takte Bach für Solovioline, die ebenfalls beeindruckten.

Das Orchester unter der Leitung von Andrew Litton stand Garrett qualitativ in nichts nach. Während des gesamten Konzerts kommunizierte der Klangkörper konsequent mit dem Solisten. Schon zu Beginn des Abends, als das Orchester Edvard Griegs Suite zu "Peer Gynt" Nr. 1 op. 46 interpretierte, zeigte sich das hohe Niveau. Mit filigraner Sanftheit ging Litton das bekannte Thema der "Morgenstimmung" an. In "Aases Tod" faszinierte die Geschlossenheit, mit welcher die Streicher bis ins kaum mehr hörbare Pianissimo agierten. Synchrone Pizzicati, eine wirkungsvolle Auslotung der dynamischen Kontraste und die exakten Tutti-Schläge im Fortissimo am Ende hinterließen einen bestechenden Eindruck.

Furioses Finale

Selbiges gilt auch für die am Ende des Abends interpretierte Burleske "Petruschka" aus der Feder von Igor Strawinsky. Gestochen scharf waren die für Strawinsky so typischen Synkopen zu hören und auch die Solisten ließen an Ausdrucksstärke nichts vermissen. In den Zugaben begeisterte das Orchester im fast ausverkauften Audimax der Regensburger Universität mit Prokofjew und Grieg.
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