20.11.2017 - 15:50 Uhr
RegensburgOberpfalz

Status Quo in Regensburg Das Ende einer Legende

Von Wolfgang Houschka

Francis Rossi (links) und sein Orchester, das sich Status Quo nennt: Der alte Glanz ist ab. Was einst als knallharter Rock 'n' Roll über die Rampe kam, ist nach dem Tod von Rick Parfitt eine Art Schlagerversion alter Hits. Bild: hou
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Regensburg . Status Quo war immer umstritten. Die einen sagten, das sei Rock in seiner perfektesten Form. Andere hielten dagegen: Mit drei hart geschrammten Akkorden auf den Fender-Gitarren eine Art Wirbelsturm auf die Ohren. Doch diskussionswürdig war es allemal. Dann starb mit Rick Parfitt einer der beiden Frontmänner. Jetzt gibt es nur noch Francis Rossi, der rastlos weiter um die Weltkugel zieht.

Wer aber sind die anderen? Fünf Gitarristen an der Front, dahinter zwei Sängerinnen, ein Schifferklavierspieler, ein Keyboarder, ein Drummer. Mittendrin Francis Rossi (68), der bei dieser "Acquostic Tour - It Rocks" tatsächlich ein Akkordeon duldet. Der einst von der ersten Sekunde an zündende Funke wird vor 1500 Zuhörern in der Donauarena erst ganz zum Schluss zu einem Feuer wie in alten Tagen. Doch selbst da brennt es nicht lichterloh.

Es gibt vieles, das man seit Jahrzehnten kennt. "Pictures Of Matchstick Man" und "Marguerita Time". Von Francis Rossis unverwechselbarer Stimme dominiert. Würde er nicht vor dem Mikrofon stehen, wären das drittklassige Coverversionen wie bei einer Landkirchweih. Früher standen die Fans sofort auf, wenn ihre Helden erschienen. Heute warten sie darauf, dass es im Konzertverlauf besser wird. Sie müssen sich lange gedulden für ihre teilweise 90 Euro kostenden Karten.

Status Quo war damals die britische Antwort auf Softrock und Gesäusel. Unschlagbar, als sie mit den Beach Boys "Fun, Fun, Fun" in Szene setzten. Songs, die hinaus katapultiert wurden in die Stadien und Arenen. Rossi läuft erstmals zu alter Form auf, wenn er "Down Down" macht. Dann ein Oldie-Stück, das sich als Single in den Musikboxen drehte: "Down The Dustpipe". Zaghaft stehen die ersten Fans auf.

Doch Status Quo in Reinkultur ist das nicht. Fast schon eine Version, die auch bei Sendungen des Florian Silbereisen als flotter Schlager durchginge. Erst ganz zum Schluss kommt jene Stimmung auf, die noch vor wenigen Jahren Gänsehaut erzeugte. Rossi und seine Truppe spielen "Whatever You Want" und dann John Fogertys "Rockin' All Over The World". Hymnen, die Musikgeschichte schrieben.

Doch Punktlandungen nehmen sich anders aus. Der Glanz ist ab. Es geht scheinbar nur noch darum, den Namen Status Quo krampfhaft am Leben zu erhalten. Dann geht dieses Orchester, das sich eines prominenten Markenstempels bedient. Doch die Band ist nur noch auf einen Namen reduziert: Francis Rossi. Bei Rick Parfitts Beerdigung hätte er auch die Legende einer famosen Rock-'n'-Roll-Band mit zu Grabe tragen und abtreten sollen.

Eine Anmerkung sei gestattet: Während Hunderte von Zuschauern in dieser Halle mit ihren Handys und Tablets fotografieren, wird der Pressefotograf von sogenannten Sicherheitskräften behindert und schikaniert. Auch das gehört nicht erst seit gestern zu den Üblichkeiten, denen sich Journalisten bei Konzerten ausgesetzt sehen.

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