03.07.2017 - 20:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

"Tanz.Fabrik!" am Theater in Regensburg Digitalisierung auch im Tanz

Man sollte man Folgendes immer wieder in Erinnerung rufen: Zwar werden die Mitglieder einer Ballett-Compagnie für ihre hervorragenden tänzerischen Leistungen gefeiert. Aber das große Lob für die Kreativität und die Innovation einer Tanzproduktion bleibt meist dem Choreographen vorbehalten, der in vielen moderneren Werken auch noch Autor des Stoffes ist.

von Stefan RimekProfil

Umso interessanter ist es, wenn sich die Mitglieder einer Compagnie an einem Tanzabend nicht nur als Ausführende, sondern auch als Ballettkunst-Schaffende präsentieren. Dies geschieht am Theater Regensburg bereits seit der Spielzeit 2004/2005. Erfreulich ist aber auch, dass der aktuelle Tanzchef Yuki Mori diese Tradition fortführt. So kamen bereits in den ersten vier Spielzeiten unter Moris Leitung unter dem Titel "Tanz.Fabrik!" Choreographien der Ensemble-Mitglieder zur Uraufführung und auch in der aktuellen Spielzeit lebt diese Tradition fort, wie jetzt der mit "Tanz.Fabrik! fünf" betitelte Abend im Theater im Velodrom auf beeindruckende Art deutlich macht.

Sehr beachtenswert

In dieser neuesten Ausgabe präsentieren sechs Mitglieder der Compagnie sowie eine Gastchoreographin ihre eigenen Werke und erneut ist das Niveau des Gezeigten sehr beachtenswert. Ein wichtiges Thema spielt an diesem Abend die veränderte Wahrnehmung durch die Digitalisierung und die Virtualität von Social Media. So stehen beispielsweise in der mit dem Wortspiel "Disinfornnect" betitelten Choreographie von Louisa Poletti falsche Informationen und virtuelle Täuschungen im Mittelpunkt. Dazu integriert Poletti geschickt Elemente aus dem sogenannten Schwarzen Theater sowie innovative Schattenspiele und optisch täuschende Beleuchtungen in die gut durchdachten Bewegungsabläufe.

Auch in "What's On Your Mind?" von Tiana Lara Hogan geht es um die Auswirkungen von Social Media. Mit kreativen Figuren des modernen Ausdruckstanzes zeigt die Choreographin in diesem Pas de deux wie schwierig es ist, sich in der Realität heute noch nahe zu kommen und zu kommunizieren, wenn die virtuelle Welt das reale Leben zu ersetzen droht.

Ein Gegengewicht zu den Problemen der digitalisierten Welt bildet die Uraufführung der Choreographie "Match" der russischen Gastchoreographin Natalia Rodina. Auf amüsante Weise will sich hier jedes einzelne Mitglied der Compagnie in den Vordergrund stellen und produzieren.

Hohes Niveau

Aber auch die Tanzstücke "In Between" von Alessio Burani, Simone Elliott und Simonefrederick Scacchetti, die Choreographie "Bubble Society" von Tsung-Hsien Chen und "Sort Sol" von Simone Elliott zeigen Tanzkunst auf hohem Niveau. Und die Mitglieder des Ensembles setzen alle Werke mit viel Engagement und Fingerspitzengefühl um. Gewohnt experimentell und progressiv ist auch die Musik, welche die Beteiligten für diese Ausgabe der "Tanz.Fabrik!" gewählt haben. So reichen die Klänge von den "Chordettes" über René Aubry bis hin zu puren Geräuschen und totaler Stille.

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