"The Black Rider" im Velodrom
Dunkle Moritat grotesk-poppig erzählt

Wieder einmal überrascht das Theater in Regensburg mit einer sehenswerten Inszenierung. Auf dem Spielplan steht mit "The Black Rider" eine schwarze Ballade. Sie ist aus dem Stoff, der auch Carl Maria von Weber zu seiner Oper "Der Freischütz" inspiriert hat. Bild: Jochen Quast
Kultur
Regensburg
05.02.2018
638
1

Im Regensburger Velodrom gibt es bei der Premiere für das Musical "The Black Rider" von Tom Waits und William S. Burroughs als burlesker Zirkus-Western begeisterten Beifall. Während musikalisch alles Top läuft, hakt es beim Gesang an einigen Stellen der grellbunten Inszenierung. Sehenswert ist das Spektakel auf jeden Fall.

Es ist auch ohne Bier gegangen. In einem Facebook-Eintrag hat sich Schlagzeuger Gerwin Eisenhauer über den Regisseur lustig gemacht: "Wenn er meint, die Band klingt besser mit ein paar Bier, hat er seine Hausaufgaben gemacht". Bei der Premiere Musicals "The Black Rider" in Regensburg liefert der Ex-Weidener mit einer klasse Band auch nüchtern einen Superjob ab. Das Sextett unter Leitung des Keyboarders Bernd Meyer bringt die Schunkelmelodien und nostalgisch-schrägen Songs von Tom Waits zum Glänzen und das Publikum in begeisterte Wallung.

Hausaufgaben gemacht

Ihre Hausaufgaben bei diesem grellbunten Spektakel haben aber auch andere Beteiligte überaus ordentlich gemacht: Anja Jungheinrich mit einer großartigen Bühne. Kostümbildnerin Jessica Karge, die tief in die burleske Punk-Clowns-Space-Zirkus-Kiste gegriffen hat. Aber auch die Lichttechniker haben ganze Arbeit geleistet. Regisseur Jan Langenheim inszeniert die sinistre Moritat von Komponist Tom Waits, Autor William S. Burroughs und Robert Wilson als grotesk-poppige Mischung aus heruntergekommener Westernstadt, Zirkussetting und Comicwelt.

Als Grundlage dient dem berühmtem amerikanischen Dreigestirn die Schauergeschichte "Der Freischütz", die Carl Maria von Weber zu seiner gleichnamigen Oper inspirierte. Heute dient sie als süffige Unterhaltung quer durch alle Altersgruppen. Fürs Theater sind Stoffe wie "The Black Rider" wichtig, weil damit auch ein jüngeres Publikum angesprochen werden kann. Das gelingt ganz sicher mit der quietschbunten Regensburger Produktion, auch wenn sie nicht vollständig überzeugt. Ein heruntergekommenes, einstöckiges Holzhaus, durch einen Längsschnitt zweigeteilt, nimmt die Bühne ein. Darin finden sich Jahrmarktsbude, Wohnzimmer mit abschüssigem Boden, Blümchentapete und überdimensionierte Disteln. Die geschickt eingesetzten Lichtwechsel und atmosphärischen Stimmungen sind stimmig und gehen Hand in Hand mit dem beweglichen Bühnenbild, welches die düstere Botschaft "Live is a killer" als Graffiti auf der Fassade trägt.

Energiegeladener Auftakt

Ein wenig pennälerhaft wirkt manchmal die Choreographie. Mit heftig treibenden Electrosounds setzt diese schon ein, während das Publikum langsam Platz nimmt. Der energiegeladene Auftakt ist wohl als Signal an junge Leute gedacht, auch wenn die Clubmusik ganz und gar nicht zur Musik Tom Waits passt. Dessen Songs, vom melancholischen "November", dem heiter-bösen Eingangschor "The Black Rider" über Duette zwischen den Liebenden bis zum wild-verzweifelten Schrei von "Lucky Day" orientieren sich an Walzer, Blues, Skiffle und anderen Formen des Americana.

Vom engagiert spielenden Ensemble überzeugen vor allem die Frauen, Verena Maria Bauer als Käthchen mit heller Stimme und die umwerfende Andine Pfrepper. Auch Ruth Müller als Mutter Anne und der hinreißend Komödiant Gunnar Blume - gleich in mehreren Rollen - begeistern mit powervollem Spiel. Die Männer bleiben, bis auf den Förster Bertram als Vater von Käthchen (Oliver Jaksch) farblos.

Beim Bräutigam Wilhelm (Matthias Zera), der unglückliche Schütze der sich um Kopf und Kragen schießt, kommt eine solche Unsicherheit und Tölpelhaftigkeit zum Vorschein, dass irgendwann der Verdacht aufkeimt, das geht über die Figur hinaus und betrifft den überforderten Schauspieler selbst. Zudem trifft er beim Singen nicht den Ton, was bei Songs, bei denen viele Zuhörer die kratzige Reibeisenstimme des Komponisten Waits im Ohr haben, besonders schmerzlich wirkt.

___

Die nächsten Vorstellungen: Dienstag (6. Februar), Donnerstag (8. Februar) sowie Sonntag (11. Februar) bis Dienstag (13. Februar), jeweils 19.30 Uhr im Velodrom. Info: www.theater-regensburg.de
1 Kommentar
6
Alexandra Müller aus Regensburg | 05.02.2018 | 23:46  
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.