Thomas Enzingers Inszenierung der Operette "Die Csárdásfürstin" am Theater Regensburg
Konventionell - und gerade deshalb gut

Es geht pompös zu in Thomas Enzingers Inszenierung von Kálmáns "Csárdásfürstin" im Regensburger Theater am Bismarckplatz. Bild: Theater
Kultur
Regensburg
30.10.2012
55
0
Im Jahre 1915, als der Komponist Emmerich Kálmán und seine Autoren Leo Stein und Béla Jenbach die Operette "Die Csárdásfürstin" vollendeten und das Stück noch im selben Jahr im November am Wiener Johann-Strauß-Theater zur Uraufführung kam, war der Humor noch ein anderer als heute.

Und wenngleich "Die Csárdásfürstin" im Gegensatz zu anderen Operetten aus dieser Zeit der untergehenden Monarchien - in welcher sie ja auch spielt - einige zeitlose Pointen aufweist, die auch in unseren Tagen noch nichts von ihrem Witz verloren haben, so ist eine Neuinszenierung des Stücks heute doch auch immer wieder eine Herausforderung an die Regie. Sie hat hier unter verschiedenen Gesichtspunkten eine Gratwanderung zu vollziehen oder muss sich für eine progressive Variante entscheiden, die dann nicht selten das Publikum polarisiert.

Eindrucksvolle Bilder

Am Theater Regensburg entschied sich Thomas Enzinger bei seiner aktuellen Inszenierung für eine konventionelle Richtung, die aber auch für heutige Ansprüche noch unterhaltsam wirkt. Enzinger erreicht dies, indem er dem Pomp dieser dekadenten Zeit plakativ huldigt und damit durchaus eindrucksvolle Bilder schafft.
So wird die Protagonistin Sylva Varescu mit einem Balkönchen, das eine rückwärtige Pfauenfedernimitation aufweist, von der Bühnendecke in die Szenerie abgelassen, und auch das Fürstenehepaar schwebt in überdimensionierten Gold-Bilderrahmen auf den Bühnenboden hernieder. Die Kostüme und das Bühnenbild des Ausstatters, der sich schlicht Toto nennt, sind in der Zeit der Handlung gehalten und komplettieren die pompösen Eindrücke ebenfalls hier und da auf plakative, aber dadurch auch passende Weise.

Auch die Bewegungsabläufe der Inszenierung wirken schlüssig, und so kann man Enzingers Regie durchaus Lob aussprechen. Die Choreographie von Julia Leidhold weist kreative Einfälle auf, die Idee eines Conférenciers, der auch kleinere Rollen wie die des General von Rohndorff übernimmt, hat ihren Reiz. Für die Freunde von progressiven oder gar experimentellen Operetteninszenierungen dürfte das Spektakel allerdings wenig interessant sein.

Von den Bühnenakteuren gebührt das größte Lob Cameron Becker, der einen köstlich überdrehten Boni gibt. Aber auch Seymur Karimov überzeugt in der Rolle des Feri von Kerekes auf ganzer Linie. Mark Adler gibt einen überzeugenden Edwin, Doris Dubiel und Adam Kruzel bilden ein amüsant dekadentes altes Fürstenpaar. Auch Anna Pisareva in der Rolle der Comtesse Stasi oder Theodora Varga in der Hauptrolle der Sylva Varescu trugen durch ihre Leistungen zum positiven Gesamteindruck des Premierenabends bei - wenngleich sich letztere nicht immer gegen das Orchester durchsetzen konnte und auch Pisareva hier und da etwas mehr Kraft in der Stimme nicht geschadet hätte.
Das Orchester unter der Leitung von Philip van Buren agierte an diesem Premierenabend geschlossen und auch mit gewissem Esprit. In Numern wie "Joi, Maman, Bruderherz" hätte man die typischen Acceleradi allerdings noch extremer und leidenschaftlicher setzen können, indem man langsamer anfängt und den Klangkörper dann wirklich zum Rasen bringt. Der intensive und anhaltende Applaus im gut besetzten Theater am Bismarckplatz war insgesamt berechtigt.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.