01.01.2018 - 20:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

"Traumfabrik" begeistert auch im 37. Tourneejahr Magische Momente der Unerklärbarkeit

Er hatte heuer seinen 70. Geburtstag und tritt nicht mehr ins Rampenlicht. Doch wenn die Träume greifbar werden, ist Rainer Pawelke noch immer mit dabei. Dann sitzt er am Regiepult. Drunten auf der Bühne des Regensburger Audimax hat sein Sohn Ingo das Kommando. Die "Traumfabrik" in ihrem 37. Tourneejahr.

Seit 37 Jahren füllt die Traumfabrik große Theater und Hallen mit ihrem einzigartigen Showtheater. Bild: Traumfabrik
von Autor HOUProfil

Heuer ohne Gastspiele in Amberg und Weiden. "Muss ja auch nicht immer sein", sagt Rainer Pawelke, der einst die Fußballclubs in Schwandorf und Burglengenfeld trainierte.

Ein Sportsmann, der 1980 etwas erfand, das sich bis heute nirgends einordnen lässt. Illusion im Kontrast zwischen Schatten und Licht, magische Momente der Unerklärbarkeit. Dazwischen Artistik und Feuerspiele auf abgedunkelter Rampe. Die "Traumfabrik" hat wieder, wie alljährlich zwischen den Jahren, zum schwer malochenden Schichtdienst angesetzt. Premiere in Regensburg, 10 000 Besucher seither. Am vorletzten Tag mit dem Datum 2017 gleich drei Vorstellungen nacheinander. Samt allem, was man von den Pawelke-Jüngern so kennt. Fluoreszierende Bänder zu Smetanas kolossalem Musikwerk "Die Moldau". Das Silberfolien-Gebirge und sein faszinierender Wandel zu brav dahintrabenden Straußenvögeln. Und die Wäscheleine, deren trocknende Textilien in der Finsternis zur tobenden Geisterparade ansetzen. Schon gesehenes paart sich mit Neuem.

"Fenfire" aus Österreich wirbelt mit lichterloh brennenden Stäben im Duett, Klopapierrollen werden zu weiß wabernden Endlosbändern quer durch das Audimax und ein Akrobatentrio mit Athleten aus Weißrussland, Norwegen und Brasilien zeigt sportliche Gelenkigkeit vom Sprungbrett aus. Sanfte Klänge und menschliche Intelligenz. Zusammengefügt in einem Programm, das Barrieren aufbaut zum Vorstellungsvermögen der Zuschauer. Man muss es nicht begreifen. Einfach nur zuschauen und die Seele baumeln lassen. Nach zweieinhalb Stunden hat der von Vater und Sohn Pawelke (samt dessen Schwester Nicole) servierte Traum ein Ende. Die Landung ist in dieser nüchternen Regensburger Betonburg namens Audimax fast schon schmerzhaft. Stehender Beifall zum Schluss für eine Truppe, die immer nur beim Finale aus der Anonymität tritt.

Die Männer und Frauen reisen weiter. Heuer nach Gersthofen, München, Landshut, Würzburg und Rosenheim. Droben am Regietisch sitzt Rainer Pawelke. Ein Prinzipal ohne Allüren. Er mag über Fußball reden und kommt auf Ferdinand Glaser aus Schwandorf zu sprechen. Auch der war ein Artist. Allerdings mit dem perfekten Gespür für die Lederkugel. Unvergesslich für Pawelke. Er hat wohl über die Jahrzehnte hinweg immer nur Künstler getroffen.

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