12.03.2007 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Uraufführung eines Passionsspiels der besonderen im Regensburger Antoniussaal Jesus und die Hartz-IV-Empfänger

von Susanne WolkeProfil

Eine Talkshow im Jahr 2007. "Moral vor Kapital - gibt es das?", lautet das Thema. Prominentester Gast: Jesus. In Turnschuhen und Cargohosen sitzt er da und trägt Fakten vor: "Die Großkonzerne machen immer mehr Gewinne und bauen trotzdem immer mehr Arbeitsplätze ab", kritisiert er. Und: "Ohne Umdenken wird es langfristig keine Lösung geben." Die Forderung des Gottessohnes lautet daher: "Wir müssen anfangen, mit friedlichen Revolutionen weltweit Gerechtigkeit zu schaffen."

Leiden und Sterben

Jesus als Botschafter der Gerechtigkeit - eigentlich ist das nichts Ungewöhnliches. Ungewöhnlich sind hier nur Ort und Zeit: "Jesus im Jahre 2007" - genau so lautet auch der Titel des Schauspiels, das am Samstag im Regensburger Antoniussaal uraufgeführt wurde. Ein Passionsspiel ist das Stück, dem auch die obige Szene entstammt - aber ein ganz besonderes.

Die Grundhandlung ist zwar traditionell: Wie in anderen Passionsspielen geht es hier um das Leiden und Sterben Jesu. Dennoch unterscheidet sich das Stück gewaltig von seinen Vorläufern - zumindest bis zur Verurteilung Jesu. Denn ab da wird die Handlung auf traditionelle Weise und in historischen Kostümen gespielt.

Bis dahin aber ist alles anders: Jesus - dargestellt von Josef Andree - prangert Kapitalismus, Spaßgesellschaft, Gentechnik, Irakkrieg und Dritte-Welt-Elend an. Er heilt Koma-Patienten, hat Erbarmen mit Hartz-IV-Empfängern - und wird von seinen Gegnern als "Ökofuzzi" beschimpft. Kurzum: Das "Passionsspiel aus dem Regensburger Land" spielt in der Gegenwart und deutet an, dass Jesus auch heute viel zu tun hätte.

Genau das will Regisseur Willi Bohn zeigen: "Ich will den Leuten klar machen, dass das, was damals passiert ist, genauso gut heute sein kann", erklärt er. Der pensionierte Lehrer aus Steinsberg erhofft sich auf diese Weise eine neue Begegnung mit dem Thema.

Als "einen Tropfen auf dem heißen Stein", sieht der Regisseur das Stück. Als einen Beitrag zu den von Jesus geforderten friedlichen Revolutionen kann man es auch betrachten. Denn dieses Passionsspiel ist nicht nur die Nacherzählung einer altbekannten Geschichte. Ausbeutung, Moralverlust, Krieg - es wird wohl die meisten Zuschauer nicht unberührt gelassen haben, was da am Wochenende zur Sprache kam. Auch die Allgemeinheit blieb nicht ungeschoren: "Immer mehr Leute sehen die Notwendigkeit eines Umdenkens ein - aber nicht für sich, sondern für die anderen", sagte eine Darstellerin.

70-köpfige Laiengruppe

Bohn und seine mehr als 70-köpfige Laiengruppe überzeugten mit beachtenswertem schauspielerischen Können - in einer fulminanten Aufführung, in der es von Details nur so wimmelte: Als sich Jesus von Maria verabschiedete, lief im Hintergrund "Time to say good bye", und bei der Geißelungsszene drückte einer der Peiniger Jesus ein "Antennenzepter" in die Hand - "da kannst du deine Wünsche nach oben senden".

Das Passionsspiel "Jesus im Jahre 2007" ist durchwegs gelungen. Was die Dauer der Aufführung betraf, zeigte sich das Stück den Zuschauern gegenüber milde: Im Vergleich zu den mittelalterlichen Passionsspielen, die sich teils über mehrere Tage erstreckten, war das Regensburger Stück kurz: Es dauerte nur knappe fünf Stunden.

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