26.02.2018 - 16:28 Uhr
Regensburg

"Vermögend"am Theater am Haidplatz Über Geld spricht man doch

Die Beziehung der Deutschen zu ihrem Geld und Reichtum ist kompliziert. Das Theater Regensburg hat fünf Lebenswege auf der Bühne nachgezeichnet.

Mit einer flotten Inszenierung, die dennoch Zeit für ihre Charaktere lässt (im Bild Stefan Schießleder) überzeugt "Vermögend" am Theater am Haidplatz in Regensburg. Bild: Martin Kaufhold
von Redaktion OnetzProfil

Fünf Menschen. Fünf Perspektiven. Fünfmal Reichtum. Fünfmal Glück? Das Theater Regensburg hat mit "Vermögend" eine Auftragsarbeit an die Autorin Gesine Schmidt auf die Bühne im Theater am Haidplatz gebracht. Fünf Schauspieler zeichnen in Monologen ihre Lebenswege nach und referieren über ihren Pfad zum persönlichen Wohlstand. Zwangsläufig kommen sie an den Punkt, an dem sie sich fragen müssen, was Geld für sie bedeutet. Und ob Glück überhaupt mit dem Vermögen einhergehen kann.

Der Clou von Regisseurin Mia Constantine: Die Schauspieler bieten zwar Monologe dar, agieren aber, als würden sie miteinander plaudern. Auch das Publikum wird des Öfteren angesprochen. "Über Geld spricht man nicht?" Sie tun es dennoch. Und versuchen sich in Aufrichtigkeit.

Fünfmal Vermögen

Jeder der fünf Charaktere kam auf unterschiedliche Art und Weise zum Vermögen. Der Banker (Michael Haake) seziert die durchkapitalisierte Geschäftswelt, der er lange angehört hat. Michael Heuberger stellt den klassischen Unternehmer aus den 70er Jahren dar, der sich alles hart erarbeiten musste. Silke Heise spielt eine Frau, die in jungen Jahren bereits 400 000 Mark geerbt hat und mit diesem Vermögen nicht klarkommt. Die Stifterin (Franziska Sörensen) schwärmt nur so von ihrem verstorbenen Vater, der das familieneigene Unternehmen aufgebaut habe. Der Unternehmersohn (Stefan Schießleder) sieht sich gerne losgelöst von allem. Die Regeln des Geldes und der Wirtschaft sollen für ihn nicht gelten.

Wie in einer guten Serie

Constantine schafft es, den Text von Gesine Schmidt so zu veranschaulichen, dass der Zuschauer immer mittendrin ist. Die Monologe wechseln sich blitzschnell ab. Das Publikum ist gezwungen, im Geschehen zu bleiben. Wie in einer guten Serie, wenn mehrere Handlungsstränge parallel laufen.

Die karge Hinterhof-Bühne dient dabei als heruntergekommener Backstage-Bereich der Wirtschaft. Die Akteure verpacken Kartons mit Spenden, trinken Wasser aus Plastikflaschen und erzählen ihre Geschichten. Der Zynismus wirkt.

Videoeinspielungen und Audio-Aufnahmen sorgen für Abwechslung. Die Inszenierung ist flott, lässt sich aber dennoch Zeit für ihre Charaktere. Man muss die einzelnen Personen nicht mögen, kann sie aber nach und nach verstehen. Sie haben eigene Ansichten, Vorstellungen vom Glück. Dennoch haben sie ihr Leben meist nur auf der einen Seite verbracht. Und auch die Reichen klagen ihr Leid, so wie es die Erbin ausdrückt: "Wenn man Geld hat, muss man sich immer für das rechtfertigen, was man nicht kauft."

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Weitere Informationen:

www.theater-regensburg.de

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