29.06.2017 - 16:36 Uhr
RegensburgOberpfalz

Verwaltungsgericht Regensburg zeigt Zeichnungen eines gebürtigen Moosbachers Gezeichnete Schrift, geschriebenes Bild

Borges' "Bibliothek von Babel", dieses phantastische Werk des Un(er)fassbaren, kommt in der Ausstellung "inGang" von Manfred Bock in verschiedener Weise vor. Als Wörter, Buchstaben, Sätzen und Sentenzen hauptsächlich, als literarische Referenz in seinem Scribble-Buch.

Noch bis 4. August sind in Regensburg Tuschfeder-Zeichnungen von Manfred Bock zu sehen. Repro: Scheiner
von Autor MSRProfil

Und in der Rede des Zeitgeschichtlers Dr. Christoph Boyer, der die Eröffnung der Ausstellung im Flur - im Gang - des Regensburger Verwaltungsgerichtes mit klugen Ausführungen begleitet hat. Eröffnet wurde sie vom Präsidenten des Gerichts, Alfons Mages, musikalisch umrahmt von Daniel Wildner an der Gitarre und der Saxofonistin Claudia Kröger.

Zunächst scheinen die Arbeiten des bei Passau lebenden Nordoberpfälzers, ein gebürtiger Moosbacher, nichts besonderes zu versprechen. Kleinere Zeichnungen, Tintenstrahl-Ausdrucke, ein paar Aquarelle, mit der Tuschfeder weitergeführt, ein älteres Werk in einer Mischtechnik auf Tempera-Basis - "VorStadt". Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Zyklus "schreibRaum", einer Reihe abstrakt-geometrischer Zeichnungen, die mit Tusche und Feder "geschrieben" sind.

Spiegelverkehrt, geradlinig

Tatsächlich findet sich in den Schraffuren und Kritzeleien, die sich zu Schächten, Zacken, Innenräumen und Schloten formen, kein Strich, kein Punkt, keine Linie. Struktur und Bildmotiv bilden sich aus Sätzen, literarischen Texten verschiedener Provenienz, die Bock mal mit der linken, mal der rechten Hand, spiegelverkehrt oder gradlinig aufs Papier gebracht hat. So lange, bis sich daraus ein Bild entwickelt hat.

Auch wenn er vereinzelt noch bruchstückhaft in seiner Aussage, seiner Bedeutung erkennbar ist, nach und nach verliert der Text auf diese Weise seine Bedeutung. Er wandelt sich, verformt sich und gewinnt unerwartet eine neue Bedeutung hinzu. Die ursprünglichen Texte dienen dem manipulierenden Künstler lediglich als "Impulsgeber und Motor des Zeichnens", wie er in einem kleinen, selbst zusammengestellten Heftchen verrät.

Der programmatische Titel "inGang" hat sich aber nicht nur durch die Raumsituation ergeben, die Bock zusätzlich mit dem leicht ironischen Hinweis "zwischen 5 Zimmern" illustriert. Von einem schweren Motorradunfall vor wenigen Jahren hat der 65-Jährige eine Querschnittslähmung und Behinderungen seiner Hände davon getragen. Dennoch hat er so früh wie möglich wieder Tuschfeder und Zeichenstift aufgenommen und seine existenziell neue Situation in einer Fülle schmerz- und schreckerfüllter Zeichnungen in einem Skizzenbuch verarbeitet.

In diesen Blättern voller bedrohlicher Szenarien kommt die Nähe des Künstlers zum Meister des Grauens, Alfred Kubin, weit stärker zum Ausdruck, als in anderen Arbeiten. "In Gang bleiben", erläutert der wieder erstarkte Kunstschaffende seinen Antrieb, "ist für mich das Entscheidende nicht nur wegen der Querschnittlähmung, sonder auch in der Kunst und wahrscheinlich im Leben schlechthin." Die Präsentation älterer Bilder, die lange vor dem Unfall und solchen, die danach entstanden sind, im Verwaltungsgericht ist seine erste Nach-Ausstellung.

Packend, herausfordernd

Formal sehr unterschiedlich, bildet die Schrift, die sich auch in handwerklich bemerkenswerten älteren, stilistisch aber etwas altertümlich wirkenden Werken findet, das verbindende Element. Emotional packender und intellektuell herausfordernder sind die neueren Zeichnungen und Grafiken. Sie sind einen "Hin-Gang" wert.

Die Ausstellung von Manfred Bock "InGang" ist noch bis Freitag, 4. August, im Verwaltungsgericht Regensburg (Haidplatz 1) zu sehen. Geöffnet ist immer Montag bis Donnerstag von 8 bis 16 Uhr sowie Freitag von 8 bis 14 Uhr.

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp