12.09.2008 - 00:00 Uhr
RegensburgOberpfalz

Weinbergschnecken als Teil des Konzepts: Der Weidener Künstler Tone Schmid stellt in der ... Wenn Weichtiere Harmonium spielen

Der Künstler und einer seiner winzigen Partner kurz vor dem Einsatz: Im Rahmen der Ausstellung "bebungen" in der Regensburger Sigismundkapelle sorgt Tone Schmid aus Weiden derzeit für einen ganz speziellen Sound. Er lässt Weinbergschnecken über ein Tischharmonium kriechen. Bild: Wolke
von Susanne WolkeProfil

Am Ende waren alle zufrieden: der Künstler, die Schnecken und die Behörden. Bei Letzteren bleibt dies wenigstens zu hoffen. Immerhin hat der Weidener Künstler Tone Schmid deren Richtlinien befolgt. Und die lauten: Eine Schnecke braucht ausreichend Platz. Auch, oder gerade wenn sie als Kunstwerk fungiert.

Im Speziellen gilt dies für die Gruppe von Weinbergschnecken, die derzeit in der Regensburger Sigismundkapelle musiziert. "Schnecken-Akkord" lautet der Titel der Installation, die Tone Schmid dort im Rahmen der Ausstellung "bebungen" zeigt. Zur Beruhigung aller Tierschützer: Die Schnecken müssen nicht Akkord arbeiten, sondern lediglich Akkorde erzeugen.

Töne im Kriechen

Und zwar auf einem Tischharmonium, das in ästhetisch ansprechendem Kontrast auf grasgrünem Rasen und einem knallroten Hocker steht. Wenn die Schnecken, die den Schaukasten jeweils in Fünfergruppen bevölkern, über das Instrument kriechen, erzeugen sie Töne. "Einen Tusch auf die Freiheit" könnte man die Arbeit auch nennen. Denn die "Akkordarbeit", die die Schnecken im Ausstellungsraum im Regensburger Thon-Dittmer-Palais leisten, hat ihnen gleichsam das Leben gerettet. Ursprünglich sollten die Tiere nämlich im Kochtopf landen. Tone Schmid hat die Schnecken von einer Zuchtfarm gekauft. Und da die Erhebung vom gemeinen Schlachtvieh zum temporären Kunstpartner in einem ordentlich geregelten Staat sogleich zu gehobenen Wohnansprüchen führt, ist im Bereich der Sigismundkapelle nun auch das "Asylantenheim" aufgestellt. So nennt zumindest Tone Schmid den geräumigen Kasten mit mehreren Geschossen und ausreichend Verpflegungsangebot, der den Schnecken nun in den Arbeitspausen als adäquate Unterkunft zur Verfügung steht. Ganz bewusst hat sich Schmid bei seinem Beitrag zum Jahresthema "bewegen!" der Sigismundkapelle für die Langsamkeit der Schnecken entschieden. Die gelassenen Zeitgenossen sind für ihn ein Vorbild für die wünschenswerte Reduzierung von Hektik und Schnelllebigkeit. Ähnliches gilt für die Performance "Eis-Trommel-Feuer", die der Künstler bei der Vernissage zum Besten gab. Aus einem langsam schmelzenden Eisblock lösten sich hier ehemals eingefrorene Murmeln und Perlen. Bei ihrem Aufprall auf die darunter montierten Trommeln sorgten sie für eine Perkussion der besonderen Art.

Besucher mit einbezogen

Nicht zuletzt können auch die Besucher der Ausstellung musikalische Geräusche erzeugen: mit der Assemblage "Orakel". Bringt man diese durch Berührung in Schwingung, setzen sich in einem Hohlraum unterschiedliche Klangobjekte aus Holz und Metall in Bewegung.

Die Ausstellung "bebungen - eine Installation" ist bis zum 27. September in der Sigismundkapelle im Regensburger Thon-Dittmer-Palais zu sehen. Öffnungszeiten sind Mittwoch und Freitag von 15 bis 18 Uhr, Donnerstag von 15 bis 19 Uhr, Samstag von 10 bis 12. 30 Uhr oder nach Vereinbarung (Telefon 0941/5071434).

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