Bistum Regensburg
Bischof klärt Verhältnis zu Donum Vitae

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer. Bild: Petra Hartl
Politik
Regensburg
04.02.2018
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Lange Zeit waren Mitglieder von Donum Vitae nicht gut angesehen im Bistum Regensburg. So durften die Domspatzen nicht singen, wenn die Schwangerenberatung im Spiel war. Nun bekräftigt Bischof Voderholzer sein Zugehen auf Donum Vitae.

(KNA/paa) Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer hat zur Debatte über den Umgang der katholischen Kirche mit dem Schwangerenberatungsverein Donum Vitae Stellung bezogen. In einer Erklärung bezifferte der Bischof mit Blick auf das gemeinsame Ziel des Lebensschutzes die Übereinstimmung zwischen der Kirche und Donum Vitae mit 90 Prozent, "auch wenn die Wege strittig bleiben". Dieses Fazit hatte Voderholzer bereits im Jahr 2014 nach einem kontroversen Podiumsgespräch beim Regensburger Katholikentag gezogen.

Auftritt abgesagt

Das war unter seinem Vorgänger, dem heutigen Kardinal Gerhard Ludwig Müller, nicht immer so. Im Jahr 2008 wurde den Domspatzen von der Kirchenführung ein Auftritt bei der damaligen Regensburger Bundestagsabgeordneten Maria Eichhorn (CSU) verboten. Das Vorstandsmitglied von Donum Vitae wollte mit dem berühmten Knabenchor im Schloss Altegloffsheim seinen 60. Geburtstag feiern. Statt um Geschenke bat sie um Spenden für die Schwangerenberatung. Für das Bistum eine Unding. Dabei war Eichorn damals auch Vorsitzende der Kulturstiftung Regensburger Domspatzen.

Nun erkennt Voderholzer an, dass auch die Beraterinnen von Donum Vitae Schwangere ermutigten, sich für ihr Kind zu entscheiden. Das müsse "unmissverständlich benannt und anerkannt werden", schreibt der Bischof. Die Kirche könne aber "ihre Unterschrift nicht unter einen Schein setzen, der den sich immer weiter verbreitenden Irrglauben begründet, dass Abtreibung irgendeinen Konflikt löste". Dies bleibe eine wesentliche Unterscheidung, "die eine grundsätzliche Zusammenarbeit der Kirche mit Donum Vitae unmöglich macht". Der Verein "ist und bleibt eine Vereinigung außerhalb der katholischen Kirche".

Beraterinnen willkommen

Donum-Vitae-Beraterinnen, die in den Dienst des Bistums Regensburg wechseln wollten, seien "als ausgewiesene Fachkräfte herzlich willkommen", schreibt Voderholzer. Das setze jedoch "zwingend voraus", dass sie sich von der Praxis bei Donum Vitae eindeutig distanzierten, "zu der die Ausstellung eines Scheins gehört, der eine straffreie Abtreibung lizensiert". Sie müssten sich "ohne Wenn und Aber" mit dem katholischen Beratungskonzept identifizieren und dies auch öffentlich vertreten können. Damit liegt Voderholzer auf der Linie, die die Kölner Bistumsleitung zu Beginn der Woche festgelegt hatte.

Darüber hinaus erneuerte der Regensburger Bischof einen früheren Vorschlag, dass die Kirche mit Donum Vitae im Sinne des gemeinsamen Ziels in zweierlei Hinsicht aktiv werden könnte. Beide könnten den Staat auffordern, die vom Gesetzgeber vorgegebene Evaluierung der derzeit gültigen Abtreibungsregelung durchzuführen. Zudem würde sich Voderholzer "von Herzen freuen", wenn Donum Vitae beim nächsten "Marsch für das Leben" am 22. September in Berlin mit dabei wäre.

Donum Vitae (Geschenk des Lebens) wurde im Jahr 1999 von prominenten Katholiken gegründet, nachdem die Kirche in Deutschland aus dem staatlichen System der Konfliktberatung ausgestiegen war. Die Mitarbeiter geben nach Schwangerschaftsberatungen einen Schein aus, der den Zugang zu einer straflosen Abtreibung eröffnet. Der damalige Papst Johannes Paul II. lehnte diesen Weg ab.

Vergangene Woche war bekannt geworden, dass der Münchener Kardinal Reinhard Marx einen Brief zu der Thematik an das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) geschrieben hat. Darin hält er fest, dass sich auch Donum Vitae für den Lebensschutz einsetze und Erfolge in der Konfliktberatung erziele. Beraterinnen der Organisation stehe die bislang untersagte Übernahme in kirchliche Beratungsstellen offen. Zugleich erinnerte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz daran, dass die bisherigen kirchlichen Vorschriften in dieser Frage weiter gültig seien.
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