Feier in Reinhausen
Stolz auf 125 Jahre SPD

Natascha Kohnen beim SPD-Parteitag im Juli 2016 in Amberg. Am Sonntag feiert sie in Reinhausen bei Regensburg mit Genossen 125 Jahre Bayern-SPD. Archivbild: Petra Hartl
Politik
Regensburg
18.08.2017
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Das Jahr 1892 gilt als Gründungsjahr der bayerischen SPD. Doch die Wurzeln der Sozialdemokratie sind auch im Freistaat viel älter. Bei der Jubiläumsfeier geht es aber nicht nur um die Vergangenheit.

So sehr die CSU auf Landesebene die Politik in Bayern seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges dominieren mag: Auch die SPD hat in den Geschichtsbüchern des Freistaats Spuren hinterlassen - und dies nicht nur als Oppositionspartei. Dabei kommt der auf diesem Sonntag festgelegte Termin für die große Jubiläumsfeier am Gründungsort Reinhausen, der heute zu Regensburg gehört, sogar einem gewissen Understatement gleich. Denn tatsächlich können die Sozialdemokraten in Bayern gar auf eine deutlich längere Geschichte zurückblicken: Sie reicht wie im übrigen Bundesgebiet in die unruhigen Jahre Mitte des 19. Jahrhunderts. Als sich 1892 der Landesverband gründete, stellte die bayerische SPD bereits drei Reichstagsabgeordnete.

Doch zurück in die Gegenwart: Obwohl die SPD nach Ende des Zweiten Weltkriegs mit Wilhelm Hoegner sogar einen der ersten Ministerpräsidenten stellte, wird die bayerische SPD außerhalb des Freistaats immer gerne als ewige Oppositionspartei wahrgenommen. Doch für Landeschefin Natascha Kohnen ist diese Einschätzung falsch: "Auf kommunaler Ebene regiert die SPD in vielen Städten und Gemeinden sehr erfolgreich. Hier ist bis heute die Machtachse der SPD in Bayern."

Politik der CSU beeinflusst

Dass es aufgrund der CSU-Dominanz im Landtag auch ein anderes Gesicht gibt, ist sich die SPD laut Kohnen dennoch bewusst. Mit ihrer Politik, ihren Anträgen, ihren Ideen und ihrem Einsatz habe die Sozialdemokratie auch die Politik der CSU immer wieder aus der Opposition heraus maßgeblich beeinflusst. "Ein aktuelles Beispiel ist die Rückkehr zum Abitur nach neun Jahren, welches die SPD schon lange gefordert hat", betonte Kohnen.

Interessanterweise genießt die bayerische SPD auch bei vielen Genossen in anderen Bundesländern eine besondere Wahrnehmung - nämlich die eines besonders linken Landesverbandes. "Auch hier ist die Sichtweise aber nicht richtig, wir sind viel mehr als das", sagt Kohnen und verweist auf die vielen Bürgermeister, die die SPD etwa in Städten wie München oder Nürnberg stellt.

Renate Schmidt beim Fest

Auch personell könne die SPD stolz auf ihre Geschichte zurückblicken, so Kohnen. Nicht nur in der jüngeren Vergangenheit mit dem ehemaligen Landeschef, Münchner Oberbürgermeister, Bundesminister und Kanzlerkandidaten Hans-Jochen Vogel, der aufgrund seiner schweren Erkrankung nicht zum Jubiläumsfest kommen kann, und der ehemaligen Bundesministerin und Landeschefin Renate Schmidt, die auf jeden Fall dabei sein wolle. "Mir fallen da auch gleich Kurt Eisner (ermordet im Jahr 1919, Anm. d. Redaktion) und der frühere Chef der Landtagsfraktion, Franz Maget, ein", sagt Kohnen. Eisner hatte 1918 nach dem Sturz des letzten bayerischen Königs Ludwig III. die bayerische Republik als Freistaat ausgerufen und wurde erster Ministerpräsident.

Und die Zukunft? Für Kohnen steht fest, dass sie mit der SPD irgendwann wieder in Bayern regieren will. Für Berlin hofft sie, dass die Bayern-SPD bald auch wieder ein bundespolitisches Schwergewicht stellt: "Ohne den Süden geht es gar nicht, diese Einsicht setzt sich auch in Berlin wieder durch."
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