06.03.2018 - 18:10 Uhr
Regensburg

Jahresbilanz 2017 des Bund Naturschutzes Oberpfalz: BN beklagt Flächenfraß

Immer mehr Oberpfälzer setzen sich für die Umwelt ein. Der Bund Naturschutz (BN) freut sich über einen Zuwachs um fast 4 Prozent auf 17 000 Mitglieder. Das ist auch bitter nötig, um Übeln wie Flächenfraß, Insektensterben oder Luft- und Wasserverschmutzung entgegenzutreten.

Bund-Naturschutz-Aktivisten wie Richard Mergner (vorne Mitte) BN-Landesbeauftragter für Bayern, demonstrieren vor Beginn des politischen Spitzengesprächs zur Luftreinhaltung in Städten. Die Umweltzone in Regensburg etwa sei "völlig unzureichend". Bild: Andreas Gebert/dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil

"Der Einsatz für eine ökologische und soziale Energiewende, für eine Agrar- und Verkehrswende zählten 2017 zu den Arbeitsschwerpunkten", sagt BN-Landesbeauftragter Richard Mergner. "Immer mehr Stadtwerke unterstützen die dezentrale Bürgerenergiewende, der ökologische Landbau in Bayern boomt und der Widerstand gegen unsinnige Verkehrsprojekte wächst."

Apropos Verkehr: "Als völlig unzureichend" kritisiert Helmut Kangler von der BN-Ortsgruppe Regensburg die Umweltzone entlang der alten Stadtmauer: "Regensburg überschreitet im Jahresschnitt den Grenzwert von 40 µg/m³ für Stickoxide, obwohl nicht, wie es das Gesetz verlangt, an den Hotspots gemessen wird." Laut Verkehrszählung passieren die einzige Messstelle "Neues Rathaus" 12 000 Fahrzeuge, die Frankenstraße aber 40 000, die Schwabelweiser Brücke sogar 50 000 täglich.

"In der Oberpfalz werden wir uns auch 2018 für die dezentrale Energiewende und gegen die HGÜ-Trasse einsetzen", ergänzt Reinhard Scheuerlein, BN-Regionalreferent für die Oberpfalz: Große Sorgen machen sich die BN-Vertreter über den grassierenden Flächenverbrauch:

Landkreis Tirschenreuth: Der Widerstand gegen den geplanten Basaltabbau im Naturschutzgebiet Teichelberg hält an.

Stadt Weiden: Für das geplante Gewerbegebiet West IV will die Stadt 65 Hektar Wald roden - laut BN ein verheerender Kahlschlag mit landesweiter Bedeutung: "Wir glauben nicht, dass das die strukturschwache Stadt weiterbringt", kritisiert Mergner. Er appelliert aber auch an den designierten Ministerpräsidenten Söder, Förderprogramme für brachliegende Flächen aufzulegen, von denen es in Weiden genügend gäbe.

Die BN-Kreisgruppen feierten 2017 aber auch wichtige Erfolge:

Landkreis Amberg-Sulzbach: Zusammen mit der örtlichen Bürgerinitiative konnte die geplante Ortsumfahrung Kümmersbruck durch ein Bürgerbegehren gestoppt werden. Bei Freihung brachte der BN rund 19 Hektar Waldflächen in das Naturwaldreservat Rumpelmühle ein. In Ebermannsdorf setzte sich die dortige Ortsgruppe für die Erhaltung eines Wäldchens im Ortsbereich ein.

Landkreis Cham: Mit Unterstützung des BN-Biberberaters Horst Schwemmer erwarb die Kreisgruppe im Holderbachtal zusammenhängende Flächen, um die Landwirtschaft mit dem Biber zu versöhnen.

Landkreis Regensburg: Umweltministerin Ulrike Scharf zeichnete drei herausragende BN-Amphibienschützer mit dem Grünen Engel aus - Martha Glück aus Donaustauf, Hubert Ley aus Regenstauf und Hans Lengdobler aus Wenzenbach.

Landkreis Schwandorf: Der BN betreut die Hänge des Pfreimdtals bei Stein durch Ziegenbeweidung.

Landkreis Tirschenreuth: Beim geplanten Ausbau der B299 durch den Hessenreuther Wald erstritt der BN eine Faunabrücke für wandernde Tierarten. Zusammen mit einer Bürgerinitiative engagierte sich die BN-Kreisgruppe für den Erhalt des Falkensteinparks in Kemnath.

Grünes Band Oberpfalz: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verlieh den Deutschen Umweltpreis an Hubert Weiger und den BN-Artenschutzreferenten Kai Frobel für das vom BN initiierte Naturschutzprojekt "Grünes Band" - ein Band, auf dem der BN in der Oberpfalz rund 200 Kilometer entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs einen Biotopverbund entwickeln und naturnahen Tourismus fördern möchte.

BN wirbt für Biolandwirtschaft: Etwa 800 Betriebe in Bayern haben im Jahr 2017 auf "Bio" umgestellt, inzwischen 9 Prozent aller Betriebe. In der Oberpfalz sind es 1100.

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