18.07.2017 - 18:36 Uhr
RegensburgOberpfalz

Kommentar zu Regensburger Domspatzen: Kein echter Abschluss

von Frank Werner Kontakt Profil
Kommentar

Ein Kind zu verprügeln und zu demütigen, seine vermeintliche Macht gegenüber ihm auszuleben, gehört zu den menschlichen Abgründen. Ob Zuhause oder wo auch immer, das spielt keine Rolle. Wenn dies unter dem Deckmantel der Kirche geschieht, bekommt dies aber eine besonders perfide Note.

Es ist dem Bistum und vor allem Bischof Rudolf Voderholzer hoch anzurechnen, dass das skandalöse Treiben bei den Regensburger Domspatzen bis in die 90er Jahre endlich aufgearbeitet wurde. Hier wurde vorbildliche Arbeit geleistet. Für die Opfer ist das auch das Mindeste, was die Diözese tun konnte. Die rund 440 Seiten des Abschlussberichts helfen bei der Aufarbeitung. Einen echter Abschluss für die Betroffenen bedeutet es nicht. Ihre Wunden und ihre Scham bleiben.

Bemerkenswert ist die vorsichtige Distanz, auf die das Bistum zu Kardinal Gerhard Ludwig Müller geht. "Strategische, organisatorische und kommunikative" Schwächen werden dem früheren Regensburger Bischof im Bericht vorgeworfen. Kann man so formulieren. Man kann aber ebenso feststellen, dass Müller die Aufarbeitung nur auf massiven Druck hin angestoßen hat. Eine von den Medien aufgebauschte Sache sei dies, hatte er geätzt. Der geschasste Präfekt der Glaubenskongregation im Vatikan hat in der Geschichte eine unseelige Rolle gespielt. Mit einem Treffen mit Opfern oder ehrlichen Worten der Entschuldigung - wie es sein Nachfolger Voderholzer getan hat - hätte er zu einer Befriedung maßgeblich beitragen können. Sein Verhalten hat das Bistum tief gespalten - bis heute.

frank.werner[at]oberpfalzmedien[dot]de

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