22.02.2017 - 16:40 Uhr
RegensburgOberpfalz

Kommentar zur Sperrung von Innenstädten für Dieselfahrzeuge: Diesel-Dobrindt und die Automobilindustrie

"Nachtijall, ick hör dir trapsen", hat unser alter Englischlehrer die Berliner Verballhornung aus des Knaben Wunderhorn zitiert, wenn mal wieder jemand absolut blank war. Der Spruch passt perfekt auf Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt.

Alles sauber? Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (Mitte, CSU), Herbert Diess (links), Vorstandsvorsitzender der Marke Volkswagen Pkw und Werkstattleiter Johannes Heckel schauen in Berlin in einer Volkswagenwerkstatt auf den Computer neben einem Volkswagen Amarok. Bild: dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Meisterleistung Maut: Die Quadratur des Kreises - deutsche Autofahrer zu entlasten, ohne andere Europäer zu diskriminieren und dabei noch Geld zu verdienen - bleibt eine Wahlkampf-Fata-Morgana.

Diesel-Dobrindt: Der im "Schwarzbuch Autolobby" von Greenpeace gelistete Minister hat sehenden Auges zugelassen, dass die Industrie schummelt und Millionen Bürger überteuerte Fake-Karren mit irreführenden Beinamen wie "Clean Diesel" und "Blue Efficiency" kauften - demnächst abzustellen vor den Toren einiger Städte.

Schad-Car: Sowohl Dieselautos der Schadstoffklasse Euro 5 als auch 6 überschreiten im Realbetrieb die Grenzwerte für Stickoxid um ein Vielfaches.

Regensburg, München, Stuttgart: Nur drei von 50 roten Punkten auf der Karte der Städte, deren Feinstaub- und Stickoxid-Ausstoß jenseits der Grenzwerte liegt. Verantwortlich dafür: die Abgase der Dieselfahrzeuge. Obwohl die EU ein Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland eingeleitet und dazu aufgefordert hat, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, ist kaum etwas geschehen.

"Dobrindt Alex, ick hör dir trapsen", wird es nach der Wahl hingegen bei der Automobilindustrie heißen: Kaum jemand wird sich wundern, wenn für den hilfreichen Minister in irgendeinem Aufsichtsrat oder Vorstand ein lukratives Plätzchen freigehalten würde.

juergen.herda[at]oberpfalzmedien[dot]de

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