01.03.2018 - 21:08 Uhr
Regensburg

Kommentar zur Zulassung der Anklage gegen Regensburgs Oberbürgermeister Wolbergs Comeback nicht mehr ausgeschlossen

Ein Bürgermeister ist kraft Amtes ein Grenzgänger. So bilanziert Politikwissenschaftler Hans-Georg Wehling seine Forschung im kommunalpolitischen Kosmos. "Die Bevölkerung erwartet von ihm, dass er sperrige und oft weltfremde Gesetze, die man sich in Berlin oder München ausgedacht hat, an die tatsächlichen, lokalen Verhältnisse anpasst." Wer Gesetze zu biegen versteht, gilt als unbürokratisch und bürgernah.

Klare Worte von Joachim Wolbergs: "Ich möchte in jedem Punkt freigesprochen werden." Bild: Armin Weigel/dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Joachim Wolbergs ist ein Politiker dieses Typus'. Das erklärt die Beliebtheit, die der suspendierte Oberbürgermeister noch immer bei einem guten Teil der Regensburger für sich beanspruchen kann. Nicht von ungefähr triumphierte der Feingeist und Fußballfan mit über 70 Prozent über den CSU-Rivalen. Wolbergs, kein Liebling der SPD, zelebrierte eine Politik des offenen Rathauses.

Sein hemdsärmliger Stil war bis zum 18. Januar 2017, dem Tag seiner Festnahme, erfolgreich: Die Baubranche boomte, auch der soziale Wohnungsbau - und der sanierte SSV Jahn machte sich in der teueren Continental-Arena bezahlbar. Dann der Bruch des offenen Geheimnisses: Die CSU, die mit Hans Schaidinger und Christian Schlegl das Win-Win-System Tretzel-Jahn-Stadt etablierte, begann dies nach der Wahlniederlage in Frage zu stellen. Dass sich die Staatsanwaltschaft zunächst nur auf Wolbergs kaprizierte ist erstaunlich. Das Gericht hat diese Fokussierung korrigiert - Wolbergs Comeback ist nicht mehr ausgeschlossen.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp