Kommentar zur Zulassung der Anklage gegen Regensburgs Oberbürgermeister
Wolbergs Comeback nicht mehr ausgeschlossen

Klare Worte von Joachim Wolbergs: "Ich möchte in jedem Punkt freigesprochen werden." Bild: Armin Weigel/dpa
Politik
Regensburg
01.03.2018
286
0

Ein Bürgermeister ist kraft Amtes ein Grenzgänger. So bilanziert Politikwissenschaftler Hans-Georg Wehling seine Forschung im kommunalpolitischen Kosmos. "Die Bevölkerung erwartet von ihm, dass er sperrige und oft weltfremde Gesetze, die man sich in Berlin oder München ausgedacht hat, an die tatsächlichen, lokalen Verhältnisse anpasst." Wer Gesetze zu biegen versteht, gilt als unbürokratisch und bürgernah.

Joachim Wolbergs ist ein Politiker dieses Typus'. Das erklärt die Beliebtheit, die der suspendierte Oberbürgermeister noch immer bei einem guten Teil der Regensburger für sich beanspruchen kann. Nicht von ungefähr triumphierte der Feingeist und Fußballfan mit über 70 Prozent über den CSU-Rivalen. Wolbergs, kein Liebling der SPD, zelebrierte eine Politik des offenen Rathauses.

Sein hemdsärmliger Stil war bis zum 18. Januar 2017, dem Tag seiner Festnahme, erfolgreich: Die Baubranche boomte, auch der soziale Wohnungsbau - und der sanierte SSV Jahn machte sich in der teueren Continental-Arena bezahlbar. Dann der Bruch des offenen Geheimnisses: Die CSU, die mit Hans Schaidinger und Christian Schlegl das Win-Win-System Tretzel-Jahn-Stadt etablierte, begann dies nach der Wahlniederlage in Frage zu stellen. Dass sich die Staatsanwaltschaft zunächst nur auf Wolbergs kaprizierte ist erstaunlich. Das Gericht hat diese Fokussierung korrigiert - Wolbergs Comeback ist nicht mehr ausgeschlossen.
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.