Prävention durch Pädagogik
Rezepte gegen Rassismus

"AfD und Pegida versuchen hier, den Takt vorzugeben." Zitat: Florian Ritter, SPD
Politik
Regensburg
19.03.2017
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"Die beste Prävention ist die Pädagogik." Zitat: Günter Kohl, Berufsschullehrer in Schwandorf

Spätestens mit US-Präsident Donald Trump hat sich der Ton in der internationalen Politik verschärft. Aber auch in Deutschland finden fremdenfeindliche Parolen Gehör. Die SPD-Landtagsfraktion suchte bei einer Veranstaltung in Regensburg nach Wegen, um da dagegen zu halten.

Wie kam es zum Erfolg der AfD - der gerade wieder am Abflauen scheint? Die Partei begeistert vor allem Nichtwähler, die sich eigentlich aus dem demokratischen Leben zurückgezogen hatten, sagte Florian Ritter, Sprecher für die Bekämpfung des Rechtsextremismus der SPD-Landtagsfraktion. Er war am Donnerstag auf Einladung der Landtagsabgeordneten Margit Wild (SPD) als Redner ins Regensburger Gewerkschaftshaus gekommen.

Neoliberale mit Parolen


Mit den konkreten Forderungen der AfD hätten sich die Anhänger selten wirklich auseinandergesetzt. Das hätte wohl auch zu Enttäuschungen geführt, denn die AfD sei im Kern eine neoliberale Partei, die das Arbeitsrecht und den Sozialstaat schleifen wolle. Mit einfachen Parolen gelinge es ihr dennoch, Wähler hinter sich zu scharen.

Dafür habe die Partei die sozialen Netzwerke als Massenmedien missbraucht. Das Internet dient Hetzern als Sprachrohr. "AfD und Pegida versuchen hier, den Takt vorzugeben und haben das auch über einen längeren Zeitraum geschafft." Der Diskurs habe sich dadurch radikalisiert. Nicht geholfen habe der Versuch der konservativen Parteien, allen voran der CSU, den Ton ebenfalls zu verschärfen, meinte Ritter. "Das ist in die Hose gegangen, die AfD- und Pegida-Anhänger haben nur noch zugenommen."

Wie soll man dann auf rechte Hetze reagieren? "Mit konsequenter Gegenrede", im Internet genauso wie im "echten" Leben, sagte Ritter. Selbstbewusste Demokraten müssten solche Parolen mit sachlichen Argumenten entlarven. Den einen Hetzer auf Facebook könne man damit zwar eher nicht erreichen - "aber vielleicht die 50 Nutzer, die gerade mitlesen".

Ritter bedauert, dass durch die Internationalisierung der Technik die Möglichkeiten, Hass-Postings löschen zu lassen, beschränkt seien. Auch seien etliche Aussagen durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Er selbst habe rechte Facebook-Einträge zu Flüchtlingen ("Knallt die Schweine einfach ab und dann ist Ruhe") angezeigt - ohne Erfolg.

Ein Weg ist es, bei der Jugend anzusetzen. Günter Kohl ist Lehrer an der Schwandorfer Berufsschule und zugleich Regionalbeauftragter für Demokratie und Toleranz an der Staatlichen Schulberatungsstelle Oberpfalz. Er hatte den jungen Neonazi unterrichtet, der 1988 den Brandanschlag in Schwandorf beging, bei dem drei Türken und ein Deutscher ums Leben kamen. "Wir hatten ihn vorher als Spinner abgetan, das war ein Fehler", sagt Kohl heute.

Kindern Haltung vermitteln


Er hat zahllose regionale und internationale Schulprojekte gegen Rechtsextremismus angestoßen und sagt: "Die beste Prävention ist die Pädagogik." Lehrer würden teils mehr Zeit mit ihren Schülern verbringen als die Eltern. Ihre wichtigste Aufgabe bestehe fächerübergreifend darin, die jungen Leute dazu zu bringen, eine Haltung zu entwickeln. Dazu brauche es ein offenes Klima und ein Mitspracherecht der Schüler.

"Schulen mit gutem Sozialklima sind weniger anfällig für Radikalismus und Rassismus", betonte Kohl. Auch die Sprachsensibilität müsse gefördert werden. Ein Wort wie "Asylantenflut" etwa sei schwierig, weil es Ängste erzeugt. Darüber spreche er mit seinen Schülern. Am meisten werden Studien zufolge nicht die jungen Leute, sondern Männer zwischen 40 und 60 Jahren von der AfD angesprochen, gab Florian Ritter zu bedenken. "Wir müssen überlegen, wie wir an diese Gruppe noch besser herankommen."

AfD und Pegida versuchen hier, den Takt vorzugeben.Florian Ritter, SPD


Die beste Prävention ist die Pädagogik.Günter Kohl, Berufsschullehrer in Schwandorf
2 Kommentare
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Joachim Datko aus Regensburg | 19.03.2017 | 22:59  
Alexander Unger aus Amberg in der Oberpfalz | 20.03.2017 | 12:06  
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