Weihnachten
Wider den Hass

Papst Franziskus betet während der Christmette im Petersdom. Bild: dpa
Politik
Regensburg
27.12.2016
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Krieg und Terrorangst trübten die Weihnachtsstimmung. Papst Franziskus wünschte der Welt deshalb Frieden. Die Deutschen mussten sich mancherorts an den Anblick bewaffneter Polizisten beim Weihnachtsgottesdienst gewöhnen.

Rom/Berlin. (dpa/KNA) Papst Franziskus hat in seiner Weihnachtsbotschaft die kriegsleidende Bevölkerung Syriens und die Terroropfer gewürdigt. "Es ist Zeit, dass die Waffen endgültig schweigen und die internationale Gemeinschaft sich aktiv dafür einsetzt, dass eine Lösung auf dem Verhandlungsweg gefunden und das zivile Zusammenleben in diesem Land wieder hergestellt wird", sagte das katholische Kirchenoberhaupt in seiner Ansprache im Vatikan am Sonntag. Grausame Terrorakte hätten Angst und Tod gesät.

Taschenkontrollen

In Gottesdiensten in Deutschland wurde die Terrorangst mancherorts durch bewaffnete Polizisten greifbar: Die Christmette im Kölner Dom stand wegen des Berliner Anschlags unter Polizeibewachung. Die Beamten kontrollierten erstmals Handtaschen, Rucksäcke und Tüten aller Gottesdienstbesucher. Polizisten mit Maschinenpistolen bewachten das Hauptportal der Kathedrale. Für andere Kirchen war mehr Polizeischutz hingegen kein Thema.

"Gerade in Zeiten der Verunsicherung und Trauer müssen unsere Kirchen offene Orte des Gebetes bleiben - an diesem Konzept halten wir fest", hatte der Sprecher des Erzbistums Freiburg im Vorfeld gesagt.

Der Papst erteilte am ersten Weihnachtstag den Segen "Urbi et Orbi" - der Stadt und dem Erdkreis. Auf dem Petersplatz versammelten sich rund 40 000 Gläubige. Millionen Menschen verfolgten die Zeremonie am Fernsehen, im Radio oder im Internet. Am ersten Weihnachtstag gab es in Rom das jährliche Mittagessen für rund 800 Hilfsbedürftige in der zentralen Kirche im auch bei Touristen beliebten Stadtteil Trastevere.

In Bethlehem im palästinensischen Westjordanland feierten Tausende Christen Weihnachten. Dort beklagte der lateinische Patriarch Pierbattista Pizzaballa zunehmendes Misstrauen und Unsicherheit der Menschen. "Wir fürchten den Fremden, der an unsere Tür klopft und an den Grenzen unserer Länder steht", sagte er in der Geburtskirche. Nach christlicher Überlieferung steht die Geburtskirche in Bethlehem an dem Ort, an dem Jesus zur Welt kam.

Die deutschen Bischöfe riefen nach dem Terroranschlag von Berlin in ihren Weihnachtsbotschaften dazu auf, nicht mit Hass und Misstrauen zu reagieren. "Denn dann hätten die Mächte des Bösen, die sich auch im menschenverachtenden Terrorismus zeigen, gewonnen", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, bei der Christmette im Münchener Liebfrauendom. In Regensburg betonte Bischof Rudolf Voderholzer, dass Hass und Terror kein Argument gegen Weihnachten seien. Vielmehr werde nun sichtbar, "wie notwendig wir Weihnachten brauchen". Die wichtigsten Dinge wie Gesundheit, Liebe, Zuneigung und auch den Frieden gebe es nur geschenkt. Die Gläubigen rief der Bischof auf, um das Geschenk des Friedens zu beten.

Mehr Gelassenheit

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, rief zu mehr Gelassenheit und Vertrauen auf. "Weihnachten lädt ein, sich nicht von der verbreiteten Nervosität und Gereiztheit anstecken zu lassen, sondern der Weihnachtsgeschichte zu vertrauen." Sehr emotional waren die Weihnachtsfeiern in Berlin: In der Gedächtniskirche gedachten Gläubige der Opfer des Anschlags nur wenige Meter entfernt. Vor zwölf Kerzen für die zwölf Toten rief die evangelische Generalsuperintendentin Ulrike Trautwein dazu auf, Hass nicht mit Hass zu vergelten.
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