07.04.2017 - 21:37 Uhr
RegensburgSport

1. FC Magdeburg will gegen Regensburg Platz 2 zementieren Kann der Jahn die Eulenspiegel-Städter foppen?

Es war ein robustes Mandat, mit der der 1. FC Magdeburg im Hinspiel den einen Punkt aus Regensburg entführte. Bei der Punktspielpremiere war es für beide Mannschaften nach zuvor zwei Niederlagen eine Wende zum Besseren. Am Sonntag, 14 Uhr, will der frühere Europapokalsieger den einen Punkt Vorsprung auf Kiel (3./50) und das Vier-Punkte-Polster auf den SSV Jahn (6./47) verteidigen.

Viele Emotionen beim Hinspiel: Robustes Mandat nach Magdeburger Stadtrecht. Bild: Herda
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Irgendwie lässt sich die Frage nach dem Unwahrscheinlichkeitsdrive in jede Pressekonferenz mogeln: „Was würden Sie sagen, wenn ein Spieler allzu laut über den möglichen Aufstieg reden würde?“, versucht ein Kollege den ungerührten Jahn-Trainer aus der Reserve zu locken. Der bleibt kurz stumm, überlegt offenbar, ob die Frage fiktiv ist oder einen realen Hintergrund haben könnte und sagt dann trocken. „Das tut ja keiner, oder?“

Die Zahlen zwängen ja zur Nüchternheit: „Wir gehören nicht zu den Mannschaften mit den wenigsten Gegentoren.“ 48 zu 41 haben die Regensburger auf dem Konto. Denn man wisse ja, was Meisterschaften entscheide ... Zur Kategorie der Abwehrmeister aber gehören die Sachsen-Anhaltiner mit einem Torverhältnis von 43:28.

Klar ist aber auch: Sieben Spieltage vor dem Saisonfinish ist die Tabellenlage in der traditionell engen Dritten Liga wieder einmal denkbar unklar: Selbst der FC Zwickau (8./46), lange Zeit abgeschlagen am Tabellenende, hat nach einer furiosen Rückrunde Tuchfühlung zum Relegationsplatz. Deshalb ist zwar richtig: Vom Aufstieg zu schwadronieren, ist sinnlose Zeitverschwendung. Aber: Nicht alles zu versuchen, um im letzten Moment doch noch in den Relegationsplatz 3 mit Chance auf die Zweit-Liga-TV-Millionen oder Platz 4 mit Aussicht auf 200 DFB-Pokal-Riesen zu grätschen, wäre fahrlässig. Mr. 100-prozentig Herrlich muss man das freilich nicht sagen.

Welche Botschaften also könnten die Jahn-Fans – die wie beim Zehn-Mann-Fight bei Spitzenreiter Duisburg und der k.o.-Phase gegen Schlusslicht Mainz auch in Magdeburg hoffentlich elf Regensburger über 90 plus x Minuten tragen werden – auf der LED-Bande in der MDCC-Arena Magdeburg ihren Jungs mitteilen? Der örtliche Kabelnetzbetreiber der Landeshauptstadt appelliert im Rahmen der „Große Worte“-Kampagne an die Fans, originelle Botschaften am Spielfeldrand zu präsentieren (maximal 65 Zeichen, per E-Mail mit dem Betreff „Große Worte“ an marketing[at]mdcc[dot]de): „Magedburg ist herrlich, Regensburg am Herrlichsten“ vielleicht?

Härtel: „Ausfälle keine Ausrede“

Nicht zur Herrlichkeit beider Mannschaften trägt das jeweilige Lazarett bei: Zu Magedburgs Langzeitverletzten Cichos, Hainault und Sprenger zählen nun auch Richard Weil, Elie Laprevotte und Florian Kath. Zudem muss FC-Trainer Jens Härtel auf den gelbgesperrten Tarek Chahed verzichten. Ausreden lässt Härtel aber nicht gelten: „Wir haben ja bewusst einen großen Kader für solche Situationen“, sagt er augenzwinzernd, „Spieler, die vorher unzufrieden waren, bekommen jetzt ihre Chance.“ Wer aber gegen Regensburg aufläuft, bleibt bis zum Anpfiff sein Geheimnis: Nicht einmal Toptorjäger Christian Beck hat seinen Startelfplatz sicher.

„Trotz der vielen Ausfälle, die sie haben“, kommentiert Härtel nach der eigenen auch die Verletzten-Misere bei Jahn Regensburg, „haben sie eine gute Mannschaft auf dem Platz, das hat man erst wieder gesehen.“ Dabei hebt der 45-jährige Sachse die torgefährlichen Außen Erik Thommy und Jann George sowie den gelernten Mittelfeldspieler Marvin Knoll hervor, der seine Sache als ungelernte Verteidigungssäule gut mache. „Insgesamt ein sehr unangenehmes Spiel für uns, weil das auch eine Mannschaft ist, die sehr früh anläuft, die hoch verteidigt – es wird ein sehr intensives Spiel, bei dem es darauf ankommt, in den entscheidenden Momenten da zu sein.“

Herrlich: „Harter Kampf“

„Magdeburg hat sich Schritt für Schritt in der Vorrunde nach vorne gearbeitet“, porträtiert Jahn-Coach Heiko Herrlich den Gegner, „hat sich da vorne gehalten, hatte zwar ein paar kleine Aussetzer zu Beginn der Rückrunde, gegen Mainz zu Hause verloren, aber ist sonst stabil vorne drin geblieben.“ Die Vorzeichen erinnern deshalb ein wenig an das Duell bei Tabellenführer MSV Duisburg: „Sehr gute Defensive, sehr wenige Gegentore bekommen“, stenografiert der Trainer die Kennziffern.

„Das wird ein harter Kampf“, macht er sich und den Seinen nichts vor, „trotzdem wollen wir da hinfahren und was mitnehmen. Uns ist auch schon die eine oder andere Überraschung auswärts gelungen, und mit dem Optimismus fahren wir auch nach Magdeburg.“ Herrlich wolle dort nicht unbedingt defensiver auftreten als gewohnt, aber sich sehr gut überlegen, wie dieser Gegner am besten zu bespielen sei, wo sich am ehesten Räume auftun könnten. „Deshalb ist es wichtig, dass wir von außen kommen und viele Bälle ins Zentrum bringen.“

„Ein kraftintensives Spiel, wir haben es nicht geschafft, den Deckel rechtzeitig draufzumachen“, erinnert Herrlich nochmal an das eigentlich zu knappe 2:1 vom Dienstag gegen Schlusslicht Mainz II. „Eigentlich bin ich ja ein Verfechter von ,der Funke muss von uns auf die Tribüne überspringen‘ – ab der 60. Minute, als die Kräfte nachließen, waren es aber unsere Fans, von denen der Funke übersprang“, freut sich der Trainer über die Unterstützung der Zuschauer, „von oben nach unten und von unten dann wieder aufs ganze Stadion.“

George und Nachreiner können’s packen

Die gute Nachricht: Trotz der englischen Plackerei seien keine neuen Verletzten dazu gekommen – Trainer Heiko Herrlich kann auf das geschmolzene Spielerbudget zurückgreifen. „Jann George ist gefoult worden in der einen Situation, wo der Gegner die gelbe Karte bekommt, in der Marcel Hofrath die Rote bekam, obwohl er den Ball trifft – das bereitet ihm noch Probleme.“ Es sei zwar schmerzhaft, „aber alle Bänder stehen und sind stabil“, deshalb gehe er davon aus, dass die 9 spielen könne.

Sebastian Nachreiner sei wieder im Mannschaftstraining: „Auch da bin ich optimistisch, dass er bis Sonntag einsatzfähig ist.“ Marvin Knoll im Mittelfeld sei eine mögliche Variante, aber auch eine Dreierkette denkbar.

Auf was man sich verlassen kann: Dass der MDR seine mitteldeutschen Vereine nicht im Stich lässt. Deshalb können auch Regensburger, denen die Anreise zu weit ist, die Partie ab 14 Uhr sowohl in der TV-Übertragung als auch im Livestream verfolgen.

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