06.08.2017 - 15:54 Uhr
RegensburgSport

Aktualisiert: Jahn Regensburgs nächste unglückliche Niederlage gegen Nürnberg Club verteidigt Tabellenführung

Die Zweitliga-Saison geht schon wieder gut los: Vom Lob kann sich kein Aufsteiger etwas kaufen. Nach der selbst verschuldeten 1:2-Schlappe in Bielefeld zieht Jahn Regensburg trotz eines leidenschaftlichen Fights auch gegen den 1. FC Nürnberg den Kürzeren. Kevin Möhwalds Direktabnahme in der 75. Minute zum 1:0 reicht einem Club, der sich in der zweiten Halbzeit kaum mehr Chancen erspielte.

von Jürgen Herda Kontakt Profil

Prächtige Stimmung in der mit gut 15.000 Zuschauern ausverkauften Arena: Nürnberg singt sich warm auf der Nordtribüne, dagegen klingt die Kulisse auf der Hans-Jakob-Tribüne noch recht schüchtern. Ingolstadts Co-Trainer Michael Henke schaut sich einstweilen schon mal auf der Haupttribüne um – in zwei Wochen das nächste Derby im Audi-Sportpark. Dazwischen noch das DFB-Pokal-Duell mit Darmstadt 98: ein Auftakt nach Maß.

Köllner: „Hut ab vor Jahn Regensburg"

„Ich denke“, sagt Club-Trainer Michael Köllner mit starker Oberpfälzer Einfärbung, „dass alle Zuschauer, die hier waren, ein sehr intensives Spiel gesehen haben.“ Eingetroffen sei, was man erwartet habe: „Ein zweikampfstarker, intensiver Gegner, der uns in die Zweikämpfe reinmanövrieren will.“ In der ersten Halbzeit habe das seine Mannschaft ganz gut gelöst. „Wir haben uns im eigenen Ballbesitz ganz gut bewegt, der Gegner hat wenig Möglichkeiten gehabt zuzupacken.“ Leider habe der Club es verpasst, unter anderem aus den sieben Ecken das Tor zu machen.

„Dann geht’s bei uns schon langsam los, wir könnten vielleicht in dem Spiel auch was verlieren, und dann kommt der Gegner natürlich noch, glaubt an seine Chance, was zu holen, und dann brauchst irgendwie so einen Punch, der das Spiel öffnet.“ Der sei zwar spät gekommen, trotzdem sei man zufrieden. „Nach zwei Spieltagen, zwei Siegen und 4:0 Toren, das kann sich sehen lassen.“ Jetzt wolle man im Pokal nachlegen, um gegen Union Berlin eine volle Hütte möglich zu machen. „Hut ab vor Jahn Regensburg, ich bin mir sicher, wenn sie so weiterarbeiten, wird Regensburg auch in der nächsten Saison Zweitliga-Fußball spielen.“ Das sei auch Ziel der Nürnberger.

Beierlorzer: „Auf des Messers Schneide“

„Es war klar“, sagt Achim Beierlorzer, „dass wir in die Zweikämpfe kommen wollen, dass wir aggressiv nach vorne verteidigen wollen, dass wir aus unseren Balleroberungen, die wir auch in der ersten Hälfte hatten, Profit daraus ziehen wollten.“ Das sei in der ersten Halbzeit nur teilweise gelungen: „Insofern mussten wir viel investieren, Laufarbeit gegen den Ball, haben aber kaum Torchancen zugelassen.“ Insgesamt sei er sehr zufrieden mit der Jahn-Defensive, die kaum etwas zugelassen habe. „In der zweiten Hälfte haben wir mehr aus diesen Umschaltsituationen gemacht, das Spiel war auf des Messers Schneide meines Erachtens.“

Gerade in der Phase, als sehr spät das 0:1 gefallen sei, habe man selbst Großchancen ausgelassen: „Wenn Joshua Mees bei dem zurückgelegten Ball – in einer noch besseren Position als Möwald – den Ball trifft, dann können wir in Führung gehen.“ Allein, das Momentum, das Matchglück sei momentan kein Jahn-Fan. „Das müssen wir noch mehr fordern, konzentrierter in diese Aktionen gehen.“ Mit der Präsentation seines Teams sei er sehr zufrieden. „Mehr Mut, mehr Selbstbewusstsein“, fordert Beierlorzer von seinen Jungs, „die noch zu viel Respekt vor der Zweiten Liga" zeigten. Dennoch, im Vergleich zu Kaiserslautern habe man Nürnbergs sehr stabile Abwehr ein ums andere Mal ins Schwimmen gebracht.

Nervöser Jahn-Beginn

Viel Engagement auf beiden Seiten, Tim Leibold mit dem ersten Versuch, Asger Sörensen wirft sich in den Schuss (3.). Sebastian Nachreiner bislang sehr aufmerksam, nah dran an Sebastian Kerk, der die drei Treffer der Nürnberger gegen Kaiserslautern vorbereitete. Erste Ecke für den Jahn, Pass von George – Mees‘ Kopfball geklärt (11.). Knoll zieht die Kugel auf den 11er, Adamyans Verlängerung zu ungenau. Zum ersten Mal muss der SSV-Keeper ernsthaft eingreifen, Nürnbergs Ballgewinn im Mittelfeld, steiler Ball, Pentke schneller als Mikael Ishak (12.).

Da will der Club den Elfer, Schiri Hams Osmers zeigt nach Nandziks Tackling gegen Rurik Gislason nur auf den Eckpunkt, Pentke pflückt die Kugel herunter. Zu viele leichte Ballverluste des SSV in dieser Phase. Kerk mit dem Abschluss, Pentke zur Stelle (16.). Nandzik mit der Flanke von links, nächste Ecke: Nichts Halbes und nichts Ganzes, dafür der schnelle Tempogegenstoß gerade noch so abgefangen von Knoll (19.). Das macht Adamyan nicht schlecht, Scherenschlag zwischen zwei Nürnbergern, Keeper Thorsten Kerschbaum im Glück (21.). Gleich danach Ballgewinn Nandzik, Querpass auf Grüttner, der fast allein vorm Keeper den Ball verdaddelt (22.).

Verbissene Partie

Ganz schön verbissen, kaum eine Aktion, ohne dass sich zwei Gegenspieler in den Mann verbeißen – auf beiden Seiten. Zwei Ecken für den Club ohne Folgen (27.). Jahn-Angriffe bleiben bislang oft im Ansatz stecken, George antizipiert die Kugel im Mittelfeld, der Pass in die Spitze zu ungenau (28.) – und noch ein schneller Versuch, Mees bleibt stehen. Nach Seitenwechsel versucht es Kerk aus spitzem Winkel, Netzstange (30.). Eckenserie der Nürnberger, der SSV bekommt den Ball nicht mehr weg – schade, Knolls Befreiungsschlag prallt Mees zu weit von der Brust (33.).

Nandzik erst mit dezentem Rempler erfolgreich, gibt den Ball aber gleich wieder ab, Pentke rettet zur Ecke: Rurik Gislason kommt frei zum Kopfball, knapp links daneben (37.). Regensburgs Angriffsversuche bleiben Stückwerk, kaum ist die Kugel mal am 16er, wird’s zu hastig, Geipl verstolpert (38.). Klasse Stellungsspiel Knoll, der den Pass in die Spitze abfängt, gleich selber marschiert, der Pass dann aber leider in des Gegners Beine (41.). Starke Aktion von George, der sich die Kugel holt, in den Strafraum marschiert, der Pass hat dann aber zu viel Effée (42.). Pünktlichst zur Pause.

Nervöser Wiederbeginn Nürnberg

Zwei Konteransätze ohne Abschluss, es fehlt die ordnende Hand. Unverhoffte Gelegenheit, weil Keeper Kirschbaum den Ball loslässt, der umstellte George bekommt’s nicht auf die Reihe. Ballgewinn Geipl, missglückter Pass im Fallen (47.). Weiter Ball auf den freien Nandzik, der geht Richtung 16er und macht das denkbar Falsche: Lätscherter Schuss daneben statt Pass zu Grüttner oder Mees (48.). Jetzt mal ein weiter Ball auf Gislason, Nandzik verschätzt sich, Gislason mit Direktabnahme ins Nichts (52.).

Da hat der Club den Konter fast schon verpennt, aber der Jahn bekommt bei dem langen Seitenwechsel kein Bein dazwischen, Leibold kann freigespielt am 16er abziehen, knapp rechts daneben (54.). Der Club wechselt den etwas unglücklich agierenden Gislason, auf seine Position rückt Edgar Salli (57.). Nürnberg übernimmt wieder klar die Regie, Ishak unterläuft die Flanke, wäre frei vor Pentke gewesen (58.). Dafür auf der anderen Seite die Mega-Chance für Mees, der freistehend den Ball im Strafraum serviert bekommt und ihn höchst unglücklich verstolpert (59.).

Langsam wird’s ein Spiel

Jetzt ist es schon eher ein Fußballspiel, gleich der Tempogegenstoß des Club, Flanke auf Salli, der kann den Kopfball nicht mehr kontrollieren (60.). Große Aufregung allenthalben: Erst fordern die Jahn-Fans den Handelfmeter, dann die Nürnberger und der Jahn-Konter endet im Abseits (61.). George wühlt sich durchs Mittelfeld, dabei lässt ihn Eduard Löwen über die Klinge springen, Gelb (66.) – der anschließende Freistoß suboptimal. Auch Ishak sieht Gelb, nachdem er Nachreiners Konter im Ansatz erstickt – diesmal starker Freistoß in die Spitze, Grüttner verfehlt knapp (67.).

Ja, klar, die Großchance für den SSV, George verpasst knapp und wälzt sich am Boden, dafür bekommt er den Elfer freilich nicht – dafür Nandzik Gelb, weil er sich die Kugel zu robust zurückholt (69.). Köllner bringt nochmal Verstärkung, den schnellen Cedric Teuchert für Ishak (72.). So, auch Beierlorzer sieht Handlungsbedarf, Bene Saller für Nachreiner, der wohl beim Foul was mitbekommen hat. Und da ist wieder die garantierte Pentke-Einlage: Abschlag in den Himmel, und das fast an der Mittellinie.

Mit Beierlorzers Schuhgröße wär's das 1:1

Das Tor fällt dann aber anders: Valentini geht rechts durch, Flanke auf Kevin Möwald, der aus 16 Metern abzieht, der Ball schlägt links unten ein, 0:1 (78.). Da wird’s Zeit, Jonas Nietfeld bekommt die Chance für den glücklosen Mees (80.). Seine erste Aktion, ein Kopfball, der zur Ecke geblockt wird. Und Markus Palionis soll jetzt mit der Birne das vollbringen, was dem aufopferungsvoll kämpfenden George versagt blieb. Der Club lauert auf Konter, der Jahn kann das bislang mit den letzten Körnern verhindern.

Nachdem ein Foul an Nandziks ungeahndet bleibt, grätscht Grüttner zu beherzt in Ball und Mann und sieht Gelb (86.). Sinnentleerter Freistoß Geipl, der querlegt, daraus fast der Konter, Pentke ist heraußen, schlägt aber unbedrängt ins Aus (90.). Im hektischen Schlussakkord schließt Nietfeld Adamyan am Fünfer an und beim allerletzten Pass fehlt eine Schuhspitze – oder wie sein Trainer Beierlorzer es ausdrückt: „Allein die letzte Szene, als Adamyan den Fuß nicht mehr ganz an den Ball bekommt, wenn er meine Schuhgröße hätte, wär’s das 1:1.“ Aber dann ist Schluss, der nächste unglückliche Nuller aus Regensburger Sicht.

Am kommenden Wochenende kann der SSV Jahn gegen Liga-Kollegen Darmstadt zumindest etwas für die Kasse tun: Am Samstag, 18.30 Uhr, im DFB-Pokal könnte sich Regensburg Selbstbewusstsein für das Derby in Ingolstadt holen.

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