Aktualisiert: Jahn-Trainer Beierlorzer findet das 1:2 im Aufsteiger-Duell schmeichelhaft
„Kiel in allen Belangen überlegen“

Am Investor hat es heute sicher nicht gelegen, dass der SSV Jahn dem Mitaufsteiger aus Kiel in allen Belangen unterlegen war. Bild: Herda
Sport
Regensburg
26.08.2017
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Kiel feiert den verdienten Auswärtssieg, Jahn Regensburg bleibt zu Hause punktlos. Bild: Sascha Janne
 
Ausnahme bisher: Eine Offensivaktion von Jahn Regensburg. Bild: Sascha Janne
Regensburg: Continental-Arena |

8600 Zuschauer sehen die zweite Heimniederlage im zweiten Zweitliga-Heimspiel: Im Gegensatz zur unglücklichen 0:1-Schlappe gegen Nürnberg ist das 2:1 für Holstein Kiel im Aufsteigerduell gegen Jahn Regensburg aber hochverdient. In der ersten Halbzeit führten die Gäste die Abwehr der Oberpfälzer vor. Und auch wenn die Nordlichter bei subtropischen Temperaturen in Hälfte 2 einen Gang zurückschalteten: Hätten Ducksch und Schindler ihre Hochkaräter verwertet, wäre das ein ganz bitterer Nachmittag für Regensburg geworden.

Zweite Bundesliga, zwei Siege in Folge, Kaiserwetter – und die Plätze unter der Pressetribüne gesperrt. Das mag am Gegner liegen, der wie der Jahn selbst noch nicht die Aura der großen Traditionsvereine ausstrahlt. Trotzdem, die Arena wurde für Zweitliga-Spiele gebaut, da würde man sich schon etwas mehr Oberpfälzer Zuspruch wünschen.

Anfang: „Gut, wenn du gewarnt wirst“

„Ich fand, dass wir richtig gut in die Partie reingekommen sind“, sagt Holstein-Coach Markus Anfang, „wir haben uns viele Torchancen herausgespielt, haben sehr konzentriert verteidigt.“ Ein Tor gab das andere. „Dann ist es irgendwie in der Luft gelegen, dass wir auch das dritte Tor machen, kriegen dann durch eine Standardsituation das 2:1.“ Kurz darauf noch einmal eine Chance für Regensburg. „Manchmal ist es ganz gut, wenn du gewarnt wirst.“

Seine Mannschaft sei dann in der zweiten Halbzeit raus, habe bis auf zwei Flanken recht vernünftig verteidigt. „Haben eine Vielzahl von Konterchancen gehabt und hätten da eigentlich den Sack zu machen müssen.“ Am Ende sei man froh, auch mit viel Leidenschaft und Kampf so ein Spiel mit einem Tor rüberzubringen und drei Punkte einzufahren. „Wir sind zufrieden, wissen aber, dass noch viel Arbeit vor uns liegt.“

Beierlorzer: „Dann wird's gang, ganz schwierig“

„Ich bin natürlich enttäuscht“, erklärt Achim Beierlorzer zerknirscht, „die Mannschaft ist enttäuscht, weil wir heute einfach nicht unser Niveau spielen konnten – wir waren in allen Belangen, vor allem in den unforced errors, unterlegen.“ Man habe es Kiel sehr einfach gemacht: „Genau das wollten wir eigentlich vermeiden.“ Man habe nicht übers Zentrum, sondern über die Flügel spielen wollen. „Wir haben so viele individuelle Fehler gemacht, dass wir verdient verloren haben.“

Man müsse daraus jetzt die Lehren ziehen, weiter arbeiten. „Auch wir müssen sehr demütig sein, weil sehr klar ist ein Fakt, wenn wir nicht unsere Leistung auf den Platz bringen, wenn jeder einzelne Spieler nicht an sein Leistungsniveau herangeht, dann wird’s ganz, ganz schwierig.“ Das 2:1 spiegle nicht den Spielverlauf wider. Kiel sei sehr kompakt aufgetreten, beim Jahn hätten nicht alle so dagegengehalten, wie man das erwarten dürfe: „Einige waren sogar überrascht, dass da mal eine Grätsche kommt.“

Kiel in Bayern-Rot

Die Gäste aus dem hohen Norden beginnen im gewohnten 4-1-4-1-System und setzen auf ihre schnellen Tempogegenstöße. Der Jahn erwartungsgemäß wieder mit Marvin Knoll. Ansonsten gab es bei aller Abwägung, welche Mannschaft die richtige ist gegen die Kontermacht aus Schleswig-Holstein, keinen Anlass zur Veränderung.

Gewöhnungsbedürftig: Die sonst so blauen Störche heute in Bayern-Rot – eine Verwirrungstaktik? Wir werden es gleich sehen … So geht das also, wenn’s Kiel schnell macht, Ball in die Spitze, Kingsley Schindler im Abseits (2.). Ähnlich auf der anderen Seite, weiter Ball auf Sargis Adamyan, der die Kugel im 16er nicht unter Kontrolle bekommt (3.). Erster Brandherd im Jahn-Strafraum, Angriff über links, Kopfball Schindler, Ducksch frei, Sörensen bekommt den Schienbeinschoner dazwischen, Ecke (8.).

Überflüssiger Rempler gegen Geipl, Freistoß 30 Meter fast zentral: Knolls Versuch einen Meter übers Kreuz (10.). Einwurf auf Adamyan, klasse Körpertäuschung, der letzte Pass kommt nicht mehr (12.). Blitzschnell Schindler über rechts, scharfer Pass, Knoll mit dem Rettungsversuch, knapp neben den linken Pfosten, Ecke (14.). Was es zu verhindern gegolten hätte: Der Jahn macht die Fehler im Aufbauspiel, Kiel spielt schnell in die Spitze, Ducksch allein vorm Kasten schiebt knapp links vorbei (15.).

Ducksch will den Elfer

Der nächste Schreckmoment, Pentke etwas zu spät dran, Ducksch fällt spektakulär, will den Elfer, Schiri Patrick Alt zeigt auf den … Abstoßpunkt (17.). Das hat sich angedeutet: Die Gäste immer einen Schritt schneller, Spielzug über rechts, Pass in die Mitte, wo Schindler völlig frei einköpfen kann, 0:1 (20.). Der Jahn bemüht um Gegenwehr, aber vor allem im Mittelfeld durch den Wind, viele leichte Fehlpässe. Trinkpause, vielleicht geht’s mit vollem Tank besser in der Augusthitze.

Naja, Verzweiflungsabschluss Jann George, Pressball, Zufallsecke – auf Keeper Kenneth Kronholm (27.). Kiel führt den SSV jetzt vor: Dominick Drexler läuft über links allen davon, geht an der Grundlinie, legt für den freien Ducksch auf, der aus fünf Metern frei einschieben kann, 0:2 (29.). Rien ne va plus: Nandzik mit Pass ins Aus (33.). Erster halbwegs guter Jahn-Abschluss von Grüttner aus 17 Metern, einen Meter rechts daneben (35.).

Knolls Sonntagsschuss macht Hoffnung

Nächste Granatenchance für Kiel: Stafette vorm Strafraum, Schindler über links, Ducksch direkt, Drexler am kurzen Pfosten, irgendwann hat Pentke die Kugel – nachdem zuvor Nachreiner in der gegnerischen Hälfte, wo er heute nichts verloren hat, den Fehlpass spielt (37.). Und schon wieder geht Schindler allein auf Pentke zu, der ein Desaster verhindert (40.).

Adamyan versucht dem Spiel mit einer Einzelleistung eine neue Wendung zu geben, holt immerhin den Freistoß aus 18 Metern fast zentral: Marvin Knoll mit dem Traumtor in den rechten Winkel sorgt überraschend für Hoffnung, 1:2 (42.). Aber schon eine Minute später muss Sörensen kurz vorm Strafraum die Notbremse ziehen und sieht Gelb. Aus dem Zufall geboren die nächste Jahn-Chance: Ein Querschläger landet bei Grüttner, der von der Strafraumkante abzieht, die Kugel streift einen halben Meter am linken Pfosten vorbei (45.). Pause: bitte nachdenken und in Hälfte 2 besser machen!

Leichter Aufwind für Rot-Weiß

Achim Beierlorzer musste auf den Abwehrschlamassel reagieren und tut das: Benedikt Gimber und Sebastian Stolze ersetzen die „unauffälligen“ Lais und Mees. Die Konter laufen deshalb auch weiter: Sörensen stoppt Schindler mit robustem Körpereinsatz (46.). Jetzt auch mal Verwirrung im Kieler Straffraum, aber Knoll kann die Kugel kein zweites Mal im Netz zappeln lassen (49.). Geipl rutscht mit gestrecktem Bein in Schindler, beide bleiben liegen, beide können weitermachen (50.).

Nach Flippern im Mittelfeld landet die Kugel wieder einmal beim omnipräsenten Ducksch, der allein vor Pentke knapp verzieht (52.). Das war mal mit aller Willenskraft gut gespielt: Nandzik erläuft die ungenaue Flanke links außen, bringt die Kugel scharf vor den Fünfer, wo Grüttner knapp verfehlt (54.). Knoll auf dem Weg zum Konter, taktisches Foul, nächste Gelbe gegen Alexander Mühling. Gimber rettet gerade noch vor Kingsley zur fünften Kieler Ecke – die Roten sind Regensburg einfach zu schnell (60.).

Kiel verpasst die Entscheidung

Vielleicht klappt’s wieder mit einem Standard, George wird 22 Meter vorm Kasten von den Beinen geholt … denkbar dankbare Ausführung in die Mauer. Auch Nandziks Tschipp in den Strafraum bleibt fruchtlos (63.). Andi Geipl versucht den Ball elegant von hinten rauszuzaubern, spielt aber Stolze in den Rücken, Lewerenz frei vorm Kasten, Oberkante Latte, allerdings abseits (70.). Der Jahn verdödelt seine wenigen Konterchancen: Jann George zu ungenau (73.).

Der muss jetzt Albion Vrenezi weichen – die ganz starken Momente fehlten der Regensburger 9 heute (76.). Dominik Schmidt macht Adamyan mit ungewollter Kunstfertigkeit Hoffnung, indem er seinen eigenen Keeper in Verlegenheit bringt. Aber der ausgepumpte Armenier bekommt vor Kronholm keinen Fuß mehr an den Ball (78.). Gimber verschätzt sich beim langen Ball auf Schindler, dessen Lupfer frei vor Pentke aufs Tordach (81.).

Chancenloser Jahn

Verwirrung, nachdem Nandzik unbedingt Zeit damit vertun muss, sich mit Drexler anzulegen – statt Schiedrichterball spielt der Jahn dann trotzdem weiter, Stolze flankt von rechts, Adamyan köpft knapp drüber (85.). Vrenezi kommt beim Zweikampf ins Schleudern, Schindler protestiert gestenreich, sieht Gelb – Nandziks Freistoßflanke reicht nicht mal zur Ecke (88.). Beim Tempogegenstoß muss Pentke einmal mehr bei Schindlers Alleingang die Füße zusammenklemmen (89.).

Der SSV bekommt einen Nachschlag von fünf Minuten – aber den nutzen noch eher die Gäste: Condé Amara umläuft Pentke, passt von der Grundlinie vors leere Tor, der Kollege rutscht weg (90.). Bitteres Resümee: Regensburg schafft es in der verbleibenden Zeit nicht einmal, den Ball halbwegs aussichtsreich in den Kieler Strafraum zu bugsieren. Das Ergebnis ist unterm Strich schmeichelhaft aus Oberpfälzer Sicht, die Gäste hätten den Jahn versenken können.
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