10.02.2018 - 13:51 Uhr
Regensburg

Aktualisiert mit PK: Duell der Rückrunden-Senkrechtstarter in Regensburg SSV Jahn marschiert auch gegen Heidenheim

Die einzige Gefahr derzeit: Dass sich die 8000 Zuschauer in der Continental-Arena eben nicht mehr die Augen reiben, wenn der SSV Jahn in der Zweiten Bundesliga marschiert als wär’s die Dritte – 2:0 gegen den 1. FC Heidenheim, gelungene Revanche nach dem bitteren Pokal-Aus zu Hause (2:5) und mittlerweile Platz 5 und nur noch drei Punkte Abstand auf Kiels dritten Platz.

Der Jahn-Jubel nimmt kein Ende: Die Regensburger erdrücken den Schützen zum 2:0, natürlich Marctooor Grüttner. Bild: Sascha Janne
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Es war nicht das beste Spiel, das die Regensburger in dieser Saison bei null Grad und tanzenden Schneeflocken auf den bleichen Rasen gezaubert haben. Sicher, die Einstellung wie gehabt, Einsatz 150 Prozent, im Zweifel laufen drei Rot-Weiße den gegnerischen Spieler an. Da hat kein Gegner etwas zu lachen. Was heute etwas gefehlt hat: die Genauigkeit im Zuspiel. Ansonsten hätte der SSV das Spiel, ab der 70. Minute nach Gelbrot gegen Kevin Kraus in Überzahl, früher entscheiden können, ja müssen.

Dennoch: Man muss gegen den FCH, der seinerseits nach Stotterstart eine beeindruckende Serie hinlegte, erst einmal so souverän den Dreier einfahren – vergangene Woche noch fertigten die Ost-Württemberger St. Pauli mit 3:1 ab. Der Blick nach vorne macht jedenfalls Mut: Nicht weil nur drei Punkte zum Relegationsplatz Richtung Bundesliga fehlen, sondern weil man den Luxus hat, sich darüber überhaupt Gedanken zu machen. Zum Relegationsplatz im Keller beträgt der Abstand mittlerweile elf Punkte.

Schmidt: „Der Musik hinterhergerannt“

„Glückwunsch an Achim und Regensburg“, gesteht FCH-Coach Frank Schmidt die Niederlage neidlos ein, „das war heute ein absolut verdienter Sieg. Wir sind heute von Anfang bis Ende der Musik hinterhergerannt.“ Man habe verteidigen wollen, habe es aber als Mannschaft nicht gut gemacht: „Regensburg hat schnell gespielt, war sehr leidenschaftlich, laufstark, damit hatten wir unsere Probleme.“ Am Ball habe man meistens die falsche Entscheidung getroffen: „In der ersten Halbzeit kann man von keiner einzigen richtigen Torchance sprechen von uns.“

Dennoch bitter, dass es wohl eine Abseits-Situation gewesen sei beim 1:0, die das Spiel verändert habe. „Aber wir sind gut beraten, heute auf uns selber zu schauen, weil wir zu wenig an der richtigen Stelle investiert haben.“ In der zweiten Halbzeit sei es kurz besser geworden: „Aber es war ein Strohfeuer.“ Nach der gelbroten Karte habe man Risiko gehen müssen: „Da hatte Regensburg viele Konterchancen, kann früher das 2:0 machen.“ So ein Ausrutscher-Tag sollte am besten gar nicht mehr passieren.

Beierlorzer: „Präsent und willig“

Jahn-Trainer Achim Beierlorzer hat’s ähnlich gesehen: „Eine Mannschaft, die von der ersten Minute an ihr Spiel durchgezogen hat, die Heidenheim den Spielaufbau extrem erschwert, aber auch die zweiten Bälle aufgesammelt hat.“ Präsent, willig, das Spiel zu gewinnen: „Ja, und dann wird man vielleicht auch belohnt mit so einer unglücklichen Situation, die aus Abseitsposition zum 1:0 führt.“ Man nehme den 2:0-Sieg wie gehabt: „Nämlich, dass wir keinen Deut davon abrücken, dass unser Saisonziel 40 Punkte und Klassenerhalt heißt.“

Dennoch: „Die Art und Weise, wie unsere Mannschaft derzeit unterwegs ist, erfreut mich von Spiel zu Spiel.“ Aber man dürfe auch keinen Deut weniger investieren: „Wir haben heute gegen den FC Heidenheim gespielt, eine der wuchtigsten und etabliertesten Mannschaften der Zweiten Liga und wir haben es ganz geschickt angestellt, möglichst wenig Ecken und möglichst wenig Freistöße zu erzeugen.“ Erst als in der zweiten Hälfte der quirlige Nikola Dovedan gekommen sei, der Freistöße gezogen habe, habe man einige Zeit gebraucht, das Spiel wieder in den Griff zu bekommen. „Ich hätt’s gern früher entschieden, dann wären wir auch ein wenig entspannter da draußen gewesen.“

Flotter Beginn der besten Rückrundenteams

Jahn Chef-Trainer Achim Beierlorzer muss den gesperrten Benedikt Gimber (5. gelbe Karte) ersetzen, für Ihn rückt Andreas Geipl in die Anfangsformation. Bei Heidenheim keine Veränderung.

Das Duell der Kapitäne und Goalgetter bei der Platzwahl: Marco Grüttner gegen Marc Schnatterer, sie könnten auch heute wieder den Unterschied ausmachen – in Heidenheim stachen die Regensburger, in Regensburg beim Pokal-Spiel die Gäste. Flotter Beginn des SSV mit direktem Spiel, Joshua Mees läuft an der Grundlinie Richtung kurzer Pfosten, abseits.

Bangen um Knoll

Die erste große Chance, Sargis Adamyan wühlt sich in den 16er gegen drei, Mees mit dem zweiten Ball in Keeper Kevin Müllers Hände (3.). Auf der anderen Seite ist Geipl nicht so präsent wie Gimber zuletzt, er kommt etwas spät, Platz für Heidenheim, die Flanke vor Pentke, Schnatterer noch dran, Abstoß (4.). Pentke muss den Ball ins Aus spielen, Marvin Knoll sitzt am Boden, hält sich das Knie – er kann offenbar weitermachen.

Nachdem sich der Jahn bis in den Strafraum geschoben hat, schlenzt Adamyan aus zehn Metern etwas unentschlossen neben den rechten Pfosten (11.). Verunglückter Konter, Adamayan sprintet los, zieht rüber zu Grüttner, der will sofort zurückgeben, dann ist die Kugel weg (14.). Marcel Hofrath kämpft sich den Ball zurück und bekommt links außen den Freistoß – Knoll steht bereit: Bene Saller schlägt an der Strafraumkante ein Luftloch (16.).

Janns fatale Ecke

Schnell gespielter Freistoß rechts außen auf Adamyan, guter Abschluss aus spitzem Winkel, Müller hält (21.). Nach vielen Ballgewinnen und –verlusten geht Norman Theuerkauf über links, weiter Ball nach rechts, Schnatteter direkt in den Himmel (26.). Komplizierte Ecke ins Glück: Jan George tippt den Ball für Knoll an, Ecke in die Mitte, gefährlicher Schuss von Lais von der Kante, ein Bein dazwischen, George hat sich nach innen geschlichen und hebt die Kugel abseitsverdächtig ins Netz, 1:0 (35.).

Nächster Standard nach Foul links außen für den Jahn: Hofraths Schüsschen in den Strafraum zu zögerlich. Konter über Adamyan, der schlägt einen Haken im Strafraum, zieht ab, Außennetz (38.). Auf der anderen Seite kleines Va-banque-Spielchen Pentke mit Kopf, Ball zurück bei Schnatterer, der lässt sich die Kugel vom Fuß nehmen. Dann Ecken-Parade vor Müllers-Kasten: Georges Geschenk für den Keeper (40.). Den Rest der Halbzeit schaukelt Regensburg ohne Probleme in die Kabine.

Heidenheim nach der Pause aktiver

Hofrath mit dem ersten Abschluss der zweiten Halbzeit: Sein Direktschuss landet gut zwei Meter links neben dem FCH-Kasten (46.). Der Jahn drückt: Hofraths Ball auf Adamyan, Drehschuss gerade noch abgeblockt (47.). Nachreiner schenkt den Ball im Mittelfeld ab, schnell weiter auf Schnatterer, der kurvt nach innen, Pentke hat im Nachfassen den abgefälschten Ball. Schon wieder Heidenheim, Titsch-Rivero zieht ab, Pentke klatscht zur Ecke ab (52.). Und nach einem langen Ball von Theuerkauf muss Pentke mit dem Fuß abwehren (54.).

Gelb für Kevin Kraus, nach seinem massiven Block gegen Grüttner an der Mittellinie (56.). Konter über George, Ball auf Mees, der versucht sich den Ball im Strafraum zurecht zu legen, in Rückenlage, aber immerhin Ecke: Die kurze Variante versandet (59.). Die linke Regensburger Seite ist völlig verwaist, Ecke Heidenheim: George drischt weg. Frank Schmidt wird ungeduldig, bringt Mittelstürmer Robert Glatzel für John Verhoek (63.). Konter über Adamyan, der legt ab auf George, der trifft die Kugel nicht richtig (64.).

Laisens Fallrückzieher hätt's verdient

Freistoß Heidenheim 25 Meter fast zentral: Schuss in die Mauer, der Abpraller irrt durch den Strafraum, zweiter Ball hoch auf die lange Ecke, Pentke behindert, Freistoß Regensburg (66.). George wühlt sich rechts durch, Einwurf, der Ball kommt auf Lais, Fallrückzieher, knapp neben den linken Pfosten (68.). Pech für Innenverteidiger Kraus: Gelbrot nachdem er im Fallen Geipl irgendwie halten will. Guter Freistoß auf Adamyan, per Kopf einen Meter neben den rechten Pfosten (70.). Erneuter Konteransatz, Grüttner verzögert, weiter zu Mees, der kann nichts Rechtes damit anfangen, Geipl zieht ab, ein paar Zentimeter vorbei (72.).

Auf der anderen Seite sieht der Schütze Gelb, Freistoß Heidenheim, Schnatterer ins Niemandsland (73.). Guter Konteransatz, Grüttner legt für Hofrath ab, der verzettelt sich – und ein paar Momente später spielt er einen unbedrängten Fehlpass. Der zuletzt starke Linksverteidiger würde sich mal für einen Wechsel anbieten. Stattdessen kommt beim Jahn Asger Sörensen für Geipl (77.). Riesenchance: George spurtet durch, überlegter Pass auf Grüttner Richtung Fünfer, halb Schuss, halb Flanke vors leere Tor, der Ball verhungert (81.).

Grüttner hat das letzte Wort

Starke Kombination, Mees ist durch, Grüttner verpasst um Millimeter vorm leeren Tor (82.) – Stolze löst den heute etwas unglücklich agierenden Mees ab, der sich zu oft im Pulk festrannte. Nächster Konter, Hofrath legt rechts auf George ab, Müller fängt die Flanke ab (84.). Langer Freistoß Schnatterer, Timo Beermann mit dem Kopf, Pentke unten (85.). Das gibt’s doch nicht: Der gefühlt zehnte Konter, Adamyan und Grüttner wollen zusammen den Ball ins Tor tragen, und Müller ist der lachende Dritte (86.).

Erst wird das Foul an Hofrath am 16er nicht gepfiffen, dann holt sich der Jahn die Kugel zurück, Starke zieht an, Müller dreht die Kugel um den Pfosten – und vor der Ecke kommt Markus „Eiche“ Palionis für George (88.). Und da ist es ja endlich: Sebastian Stolze zieht den zweiten Ball scharf nach innen, Grüttner ist ganz weit hinten der letzte Mann und schiebt zum 2:0 ein (90.).

Pokalschlappe als Wendepunkt

Jahn-Trainer Achim Beierlorzer sieht im Rückblick die bittere 2:5-Pokalschlappe gegen den FCH als Wendepunkt: „Wir haben uns damals zusammengesetzt und haben gesagt, wir müssen noch mehr investieren, unser Spiel durchziehen, unsere Fehler abstellen.“ Eine Verbesserung seitdem: „Die Bedeutung von Sebastian Nachreiner, in Zusammenarbeit mit Marvin Knoll, ist einfach sensationell.“

Momentan seien die Spieler bereit, den nächsten Schritt zu gehen, die Grenzen zu verschieben. „Als Gesamtsystem funktionieren wir im Moment sehr gut.“ Dresden werde wieder ein komplett anderes Spiel. „Das Schöne für uns ist, dass wir unser Spielsystem bisher nicht ändern mussten.“

Was sagt das eigentlich über die Zweite Bundesliga aus? Die drei Aufsteiger reihen sich friedlich schiedlich ab Platz 3 (Kiel), 4 (Duisburg) und 5 auf. Der SSV Jahn (5./33 Punkte) marschiert weiter und ist gespannt, ob am kommenden Sonntag, 13.30 Uhr, Angstgegner Dynamo Dresden (12./26) in der Lage ist, die Regensburger zu stoppen.

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