08.09.2017 - 20:33 Uhr
RegensburgSport

Aktualisiert mit PK – Heidenheim lässt zu viele Chancen liegen Kontermonster Jahn Regensburg liebt die Fremde

Lange muss der Gast aus Regensburg heilfroh sein, das 0:0 zu halten. Der FC Heidenheim reißt große Löcher in den Defensivverbund der Oberpfälzer – aber entweder stehen sich die Schwaben selbst im Weg oder SSV-Keeper Pentke hält famos. Die Strafe folgt in Hälfte 2: Marvin Knoll wiederholt sein Kunststück vom Spiel gegen Kiel und zirkelt einen Freistoß in den Winkel, 0:1 (68.). Nach dem Ausgleich aus Abseitsposition (86.) schlägt der Gast zurück: Der eingewechselte Joshua Mees (88.) und Marco Grüttner kontern den SSV zum 1:3 (94.).

Dreimal Freude an einem Abend: Der SSV Jahn hat gut Jubeln. Bild: Sascha Janne
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Der unfromme Wunsch bleibt Kolja Pusch verwehrt – der Ex-Regensburger muss nicht nur weiter auf sein erstes Zweitliga-Tor warten. Er muss die Niederlage seiner Kollegen auch noch von außen angucken. Man müsse sich jede Woche neu beweisen, begründet sein Trainer Frank Schmidt, warum er den Techniker auf die lange Bank schob: „Kolja Pusch hat eine gute Vorbereitung gespielt, aber ... .“

Achim Beierlorzer: „Es war etwas wild phasenweise“

„Das erwartet schwere Spiel“, scheut sich Jahn-Trainer Achim Beierlorzer nicht vor dieser Formel, „alle Spiele in dieser Liga sind auf Augenhöhe, beide Mannschaften hätten das Spiel auf ihre Seite ziehen können.“ Heidenheim habe genügend Chancen gehabt, auch der SSV. „Es war etwas wild phasenweise“, findet der Coach. „Heidenheim hat uns gut bespielen können.“ Das habe man in der Kabine besprochen und in der zweiten Hälfte abstellen können.

„Wir haben weniger Großchancen zugelassen und dann ist es halt so, dass ein sensationeller Freistoß das Spiel auf unsere Seite kippt.“ Das 1:1 habe Beierlorzer geärgert – dem sei ein klares Foul im Mittelfeld und eine Abseitsposition vorausgegangen. „Beide Mannschaften wollten den Dreier haben, ich bin total happy, dass es uns gelungen ist, diese drei Punkte hier einzufahren.“

Frank Schmidt: „Wir werden uns da rausarbeiten“

„Glückwunsch zum Sieg, Achim“, gratuliert FCH-Coach Frank Schmidt, „wir haben es leider heute verpasst, nach einer guten Anfangsphase in Führung zu gehen.“ Man habe eine Reihe guter Chancen liegen lassen: „Gleich die erste von Nico Dovedan, da geht der Ball an den Pfosten und dann an Pentkes Rücken.“ Was fehle? „Früh in Führung zu gehen.“ Natürlich sei durch das eigene große Offensiv-Invest auch der Gast zu Chancen gekommen: „Die größte sicher, als Matze Wittek ausrutscht, kann mal passieren – da haben wir Glück, dass wir da nicht das Tor bekommen.“

Insgesamt habe man klar die besseren Chancen gehabt. Nach dem ersten Ballverlust dabb aber die Standardsituation zum 0:1. Man habe sich zurückgekämpft, was nicht selbstverständlich sei in dieser Situation. Gleichwohl räumt Schmidt fair ein: „Es war ein Abseitstor, hätte nicht zählen dürfen.“ Ähnlich bewertet er die Situation vor dem 1:2, als ein Foul an Dominik Widemann nicht gepfiffen worden sei. „Das ändert nichts daran, dass wir das Tor nicht kriegen dürfen.“ Dass man nach ausgepackter Brechstange das 1:3 bekomme, sei nicht mehr relevant. „Wir werden uns da rausarbeiten.“

Löcher im Oberpfälzer Spielgewebe

Rund 300 Jahn-Fans unter den 11.500 Zuschauern in der Voith-Arena sehen einen couragierten Auftakt ihrer Truppe in Auswärts-Schwarz – SSV-Coach Achim Beierlorzer lässt sein Team im aggressiven 4-2-2-2-Modus anrennen, was den Schwaben zunächst nicht behagt. Allerdings stellt sich Schmidts Truppe rasch auf die Spielweise der Regensburger ein und findet die Löcher im Oberpfälzer Spielgewebe.

Etwa als Nikola Dovedan im Strafraum angespielt wird, an den kurzen Pfosten schießt und die Kugel fast von Keeper Pentkes Schattenseite ins Tor kullert (7.). Nach der folgenden Ecke wird‘s knifflig: Pentke muss doppelt parieren. Im Gegenzug nimmt Sargis Adamyan Tempo auf, sein Schuss wird zur Ecke geblockt (8.) – drei Jahn-Ecken verpuffen wie so oft ohne Wirkungstreffer (10.). Albion Vrenezi versucht‘s von der Strafraumkante, die Kugel rollt knapp vorbei (15.). Mal ein Freistoß von Sörensen, den Tormann Müller sicher pflückt (19.). Dovedan aus 25 Metern: deutlich drüber (21.).

Pentke macht die Beine dicht

Da rutscht der ballführende Verteidiger weg, Sargis Adamyan schnappt sich die Kugel, läuft von außen in den 16er, lupft über den Torwart auf die Latte und ins Toraus (23.). Freistoß Heidenheim, Schuss aus fünf Metern, Pentke pariert – aufatmen, bereits abgepfiffen, Abseits (25.). Adamyan steckt durch auf Grüttner, der im Abseits steht (28.). Geipls Zielsuche aus 20 Metern, Müller ohne Probleme (31.).

Ecke Heidenheim, Robert Glatzel frei im Fünfmeterraum mit dem Kopf knapp übers Gehäuse (33.). Was macht denn da Sörensen? Da kann er den Ball doch zum Abstoß blocken, ohne einen halben Bodycheck hinzulegen (33.). Nandzik flankt auf George – zu klein, um das Ding zu senken (34.). Starke läuft alleine auf den Jahn-Kasten zu, Penkte bleibt stur stehen, macht die Beine dicht (38.). Holla, Andi Geipl bringt die Jahn-Abwehr mit einer Serie von Fehlpässen in Verlegenheit, Bene Gimber verhindert Schlimmeres (40.). Dann darf Arne Feick Maß nehmen, Pentke unterschätzt etwas den Effet.

Jahn-Ultras wärmen sich an Pyro-Feuerchen

Während Jahn-Trainer Achim Beierlorzer über den zu losen Abwehrverband der Regensburger doziert, wärmen sich Jahn-Ultras an einem Pyro-Feuerchen. Im verdampfenden Rauch kommt das Spiel nur schwer in Gang. Schnatterer mit der ersten Hereingabe, Pentke sicher (51.). Knolls Schuss aus 25 Metern zur Ecke geblockt (59.) – aber auch Ecke Nummer 6 strotzt vor Harmlosigkeit.

Das Spiel jetzt fahrig und ungenau, viele Unterbrechungen stören den Spielfluss – erst hinkt Jann George zur Seitenlinie, dann prallt Wastl Nachreiner im Kopfball mit seinem Gegenspieler zusammen. Erste Großchance der Gastgeber in Hälfte 2: Glatzel setzt sich stark durch, kollektiver Aufschrei nach dem Schuss ans Außennetz (63.). Nervosität bei Regensburg: Nandzik köpft in die Mitte, dann verunglückt sein Scherenschlag – anschließend ein unbedrängter Befreiungsschlag ins Aus (64.).

Kunstleder in den Winkel

Und dann aus sehr dünner Luft: Marvin Knoll macht‘s schon wieder! Der Kunstschütze zirkelt das Kunstleder aus 25 Metern in den linken, oberen Winkel (70.). Das ist anständig: Achim Beierlorzer ändert nichts am Gegenpressing – bringt nur frische Kräfte: Joshua Mees für George, Jonas Nietfeld für Adamyan. FC-Gefahr jetzt fast nur bei Standards: Langer Freistoß auf Timo Behrmann, der das Ding um ein Mückenbein verpasst (73.). Klasse Einsatz von Nachreiner, der Schnatterer den Ball klaut, für George auflegt – der Schlenzer zischt deutlich vorbei (78.).

Die Chance zur Vorentscheidung: Grüttner umkurvt den Keeper, driftet etwas zu weit ab, Außenpfosten (82.). Was für eine Verkettung unglücklicher Umstände: Erst ein abgeprallter Distanzschuss, zweiter Versuch mit der vor die Füße gefallenen Kugel, Pentke pariert, alles steht still, der Keeper liegt flach, wie in Zeitlupe schiebt Widemann die Kugel ins Tor (86.) - Schiri Sven Waschitzki (Essen) übersieht die Abseitsposition. Atemstillstand: Fast die Wiederholung der Szene, die Kugel knallt von der Unterkante Latte ins Netz, diesmal abgepfiffen (87.).

Coolness in der Nachspielzeit

Die Revanche folgt auf den Fuß: Knallharte Balleroberung im Mittelfeld mit Tendenz zum Foul, Flanke von rechts außen, Joshua Mees hält seinen Fuß ran und die Kudern springt ins lange Toreck, 1:2 (88.). Respekt meine Herren, die Nachspielzeit spielt der SSV brillant zu Ende – in der neuen Rolle der Konter-Monster: Klasse Kombinationen mit perfektem Abschluss, Marco Grüttner krönt sein Laufpensum mit dem 1:3 (94.).

Kommende Woche kann der SSV Jahn (10./6 Punkte) mit dem ersten Zweitliga-Heimsieg am Sonntag, 17. September um 13.30 Uhr, endlich mal auch die Fans live vor Ort beglücken. „Das nächste wird nicht viel leichter“, unkt freilich Teamchef Achim Beierlorzer über die bevorstehende Begegnung mit Dynamo Dresden (11./ 5) und seinem temperamentvollen Anhang.

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