04.03.2018 - 14:31 Uhr
Regensburg

Aktualisiert mit PK: Jahn Regensburg beim 1:2 in Braunschweig zu unkonzentriert Eintracht schleppt sich über die Ziellinie

Zum Schluss wurde es doch wieder spannend: Ein fragwürdiger Elfer bringt den SSV Jahn nach einem insgesamt schwachen Auftritt zurück ins Spiel: Marvin Knoll nagelt das Ding zum 1:2 (85.) in die Maschen. Aber Eintracht Braunschweig schleppt sich gerade noch so über die Ziellinie.

Chaotische Szenen: Braunschweigs Christoffer Nyman (rechts), Domi Kumbela (3. von rechts), Regensburgs Alexander Nandzik (links), Benedikt Gimber (2. von links) und Marvin Knoll (knieend) rangeln um den Ball. Bild: Peter Steffen/dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Am fehlenden Stammkeeper Philipp Pentke hat es nicht gelegen: In einem hektischen Spiel geht Eintracht Braunschweig durch Christoffer Nyman mit 1:0 (36.) in Führung, einfach weil die Gastgeber eine von bis dahin zwei Chancen verwerten. Der SSV Jahn kann seinen Aufwand, den er wie immer betreibt, kaum in Chancen ummünzen – zu ungenau sind die Aktionen.

Anstatt des erhofften Sturmlaufs nach der Pause, wie man das noch gegen Düsseldorf gesehen hat, verschläft der SSV Jahn die ersten 20 Minuten der zweiten Hälfte, produziert Ballverluste am laufenden Band – symptomatisch das schläfrige Zuspiel Benedikt Sallers am gegnerischen Strafraum, das auch Andi Geipl verpennt. Aus dem Konter resultiert das 2:0 (61.) der Braunschweiger durch Jan Hochscheidt, der nach erneuter Parade von André Weis abstaubt.

Beierlorzer: „Eines der hässlichsten Spiele“

„Gratulation zum verdienten 2:1-Erfolg“, schickt Jahn-Trainer Achim Beierlorzer bei der PK die Höflichkeiten voraus, „dann muss ich allerdings schon auch sagen, dass es in der ersten Halbzeit eines der hässlichsten Spiele war, die ich gesehen habe in dieser Zweitliga-Saison.“ Die Platzbedingungen seien nicht gerade optimal gewesen, fast immer sei der weite Pass gesucht worden – begleitet von nickligen Zweikämpfen in der Luft mit Ellbogeneinsatz, Spielfluss Fehlanzeige: „Meine Mannschaft hat sich leider darauf eingelassen.“

Das sei natürlich nicht seine Strategie gewesen: „Wie wollten kombinieren, aus Balleroberungen diagonal verlagern, wollten über unsere Sechser flach nach vorne spielen und unsere Geschwindigkeit über die Außen in Szene setzen.“ In der zweiten Hälfte habe man es zumindest versucht, aber so fehlerhaft, dass das Spiel nicht schöner geworden sei: „Es waren heute so viele Spieler unserer Mannschaft unter ihrem Niveau.“ Auch bei den Toren habe man sich ungeschickt verhalten, die Kette nicht gehalten: „Bei Tor 2 haben wir uns zum gegnerischen Strafraum kombiniert und spielen dann einen gnadenlosen Fehlpass in die Füße des Gegners, Konter, Tor.“

Lieberknecht: „Jahn mit dessen Mitteln geschlagen“

„So wie man Zweitliga kennt“, versucht Eintracht-Coach Torsten Lieberknecht eine Bilanz, „umkämpft – unser Credo war heute, dass wir den Gegner mit seinen eigenen Mitteln schlagen und das ging die meiste Zeit auf.“ Wichtig dabei: „Dass wir in der zweiten Halbzeit den Gegner mit bewusst vielen tiefen Läufen in Bedrängnis bringen.“ Allerdings sei es nicht gelungen, dann mit einem 3:0 auch den Deckel draufzumachen. „Wir haben den Elfmeter bekommen, und wer Regensburg die letzten Wochen gesehen hat, weiß dann auch um die Stärke, Spiele zu drehen.“ Deshalb sei es wichtig gewesen, sich da dagegenzustemmen.

„Wenn ich einen Spieler loben darf, Mirko Boland hat nach langer Zeit sein erstes Spiel wieder gemacht, Max Sauer das erste Spiel wieder gemacht, die das mehr als ordentlich gemacht haben – aber absolut wichtig war heute Philipp Hofmann, wie er in der zweiten Halbzeit die Bälle festgemacht, verlängert hat – und welche Laufarbeit er auf den Platz gebracht hat.“ Er sei froh über die drei Punkte gegen einen starken Gegner, der zurecht so viele Punkte auf dem Konto habe. „Der die zweite Liga rockt.“

Jahn reißt das Spiel an sich

Papa Pentke, seit Freitag Vater einer Tochter, fehlt. Jahn-Trainer Achim Beierlorzer hat dem Helden von München frei gegeben und setzt auf André Weis zwischen den Pfosten. Auch Jann George ist nicht mit von der Partie. Dafür läuft Sebastian Stolze in der Offensive auf.

Noch vor Ablauf der ersten Spielminute hält Kapitän Marco Grüttner zum ersten Mal aus 18 Metern volley drauf, in die zweite Etage. Braunschweig versucht es mit langen Bällen auf den schnellen Suleiman Abdullahi, Saller kann ihn nur mit einem Foul bremsen – der Freistoß wird wegen allgemeinen Gedrängels im Strafraum zurückgepfiffen (3.).

Weis mit starkem Reflex

Balleroberung Grüttner links außen, gefährlicher Pass, gerade noch geklärt (4.). Die Mannschaften egalisieren sich gegenseitig, der Jahn hat etwas mehr Drang Richtung Tor, ohne bislang gefährliche Torraumszenen herausspielen zu können. Sargis Adamyan setzt sich an der Grundlinie durch, wird dabei behindert, bekommt den Freistoß: Knolls flache Hereingabe führt zu einem Billard-Ping-Pong, bei der zuletzt ein Jahn-Spieler die Kugel unfreiwillig entschärft (20.).

Erste Chance Braunschweig, schon im Mittelfeld kümmert sich keiner um den hohen Ball, in die Gasse gespielt, Alex Nandzik und Wastl Nachreiner laufen hinterher. Dominick Kumbela legt für Christoffer Nyman ab. André Weis pariert mit Boxerreflex den Schuss aus 11 Metern (26.). Die Atmosphäre ist aufgeheizt, Torsten Lieberknecht diskutiert jede Szene in Memoriam der drei Roten Karten, die sein Team in Regensburg kassierte – und tobt entsprechend bei der nächsten Gelben gegen Braunschweigs Abdullahi, der sein Knie in Nachreiners Gesicht hält (27.).

Nyman macht sich bezahlt

Eintrachts Kapitän Ken Reichel ist so nervös, dass er weit und breit unbedrängt zur Ecke klärt – Andi Geipls Hereingabe harmlos (30.). Schnell ausgeführter Freistoß auf Grüttner, Reichel zu spät, Grüttner hält drauf, Jasmin Fejzic faustet zur Ecke (32.). Auf der anderen Seite läuft der Konter über rechts, die Situation scheint schon geklärt, als Saller die Kugel am Elferpunkt abfängt, der zweite Ball kommt auf Nyman, der aus kurzer Distanz einnetzt, 1:0 (36.).

Stolze marschiert im Mittelfeld, Flanke auf Adamyan der nicht mehr rankommt (40.). Aber auch die Eintracht verpasst eine deutlichere Führung, weil die Gelb-Blauen in Überzahl im Jahn-Strafraum den Ball im Viereck spielen – allerdings sieht das nach Doppel-Abseits aus (42.). Nandzik setzt sich links außen durch, Stolze holt die Flanke runter, aber in die falsche Richtung ins Toraus – Pause.

Riesenparade nach Riesenbock

Riesenbock von Nachreiner, der Abdullahi unbedrängt in den 16er lässt, Riesenparade von Weis – und die erste Braunschweiger Ecke kann Nietfeld gerade noch von der Linie kratzen (49.). In der ungewohnten Schwächephase der Regensburger schickt Jahn-Trainer Beierlorzer Marc Lais für Gimber ins Getümmel (55.). Ecke Knoll auf die kurze Ecke, Adamyan schlenzt die Kugel an zwei Gelben vorbei, Ecke – Nandzik aus der zweiten Reihe, wieder Fejzic zur Stelle (56.).

Auf der anderen Seite kommt nach Hochscheidts weitem Freistoß der eingewechselte Philipp Hofmann aus 11 Metern zum Schuss, trifft die Kugel aber nicht richtig (58.). Das 0:2 fällt eigentlich bereits in der Braunschweiger Hälfte: ein unglaublich schlampiges Zuspiel im von Saller kurz vorm Eintracht-Strafraum, dem dann auch noch Geipl verpeilt hinterher stolpert – der Gegenzug über Abdullahi, den der Jahn freundlich begleitet, Weis noch einmal mit exzellenter Parade gegen Hofmanns Kopfball, aber Hochscheidt staubt ab (61.). Beierlorzer schickt für Saller Vrenezi aufs Feld.

Überraschender Pfiff

Der Jahn bemüht sich, aber es fehlt an Genauigkeit – aussichtsreicher Konter über Adamyan und Vrenezi, aber im Doppelpass schickt Adamyan Vrenezi ins Abseits, anstatt den freistehenden Grüttner Mitte rechts zu bedienen (73.). Beierlorzer versucht’s mit der letzten Offensivkraft: Für den eben gelb-verwarnten Stolze kommt Hamadi Al Ghaddioui (80.).

Der Jahn spielt sich über Al Ghaddioui schön hinten raus, Nietfeld bekommt den Ball nicht mehr unter Kontrolle – erneuter Anlauf über rechts, dann der überraschende Pfiff, als Al Ghaddioui leicht am Fuß touchiert zu Boden geht: Knoll knallt den Elfer hoch in die Maschen. Lieberknecht außer sich, wie schon das ganze Spiel über. Chaotische Szenen, Braunschweigs Hofmann spielt bei abseits einfach weiter, sieht Gelb.

Turbulente Schlussphase, Regensburgs achte Ecke, Abdullahi wälzt sich seit zwei Minuten, mag nicht mehr aufstehen, darf jetzt vom Feld. Und die Eintracht schleppt sich über die Ziellinie.

Am kommenden Sonntag,13.30 Uhr, muss sich der SSV Jahn (6./36 Punkte) wieder darauf konzentrieren, gegen den SV Sandhausen (5./36) die fehlenden Punkte zum Klassenerhalt einzufahren – nicht dass der Kraftakt gegen Düsseldorf einen ähnlichen Effekt erzeugt wie der 2:0 Heimsieg gegen den 1. FC Nürnberg beim vorletzten Zweitliga-Abenteuer, als es nicht gelang, in einem halben Dutzend Spielen die fehlenden drei Punkte zusammenzukratzen.

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