Aktualisiert mit PK: Regenburg behält im Schneegestöber am Böllenfalltor den Durchblick
SSV Jahn marschiert auch in Darmstadt weiter

Marc Grüttner nicht zu stoppen: Mit seinem fünften Treffer schießt der Schwaben-Jeti Regensburg auf Platz 7. Bild: Sascha Janne
Sport
Regensburg
03.12.2017
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Marc Grüttners Schuhspitze verlängert Marvin Knolls Freistoßflanke über die Linie. Bild: Sascha Janne
 
Getümmel im Schneegestöber. Bild: Sascha Janne
Darmstadt: Merck-Stadion am Böllenfalltor |

Der SSV Jahn marschiert weiter: Mit einem verdienten 1:0-Auswärtssieg beim SV Darmstadt 98 arbeitet sich Regensburg auf Platz 7 vor. Bemerkenswert: Die Oberpfälzer behalten auch im hessischen Schneegestöber meistens die Übersicht, kombinieren sogar noch im Tiefschnee am Böllenfalltor, während Thorsten Frings Bundesliga-Absteiger mit Kick and Rush kaum für Gefahr sorgen kann.

 „Die Situation annehmen“, fordert SSV-Trainer Beierlorzer von seinen Jungs im hessischen Schneegestöber. Regensburg ist sofort präsent, hat zwei Großchancen in den ersten fünf Minuten. Danach verhindern Zustände wie auf der Eisbahn einen koordinierten Spielaufbau. Zumeist resultieren nur aus Zufällen Torchancen – die beste davon hat Marco Grüttner, der sich allein vor Keeper Daniel Heuer-Fernandes die Kugel einen Hauch zu weit vorlegt, weshalb der noch zur Ecke abwehren kann (33.).

Ein nicht gegebener Treffer nach einer Ecke (29.)  – Lais, der nichts ins Geschehen eingreifen kann, hatte etwas geschoben – und ein zurückgepfiffenes Solo von Bene Saller (73.)  hätten die Weichen bereits früher auf einen Jahn-Sieg stellen können. Letztlich aber reicht Marco Grüttners Schuhspitze, mit der Regensburgs erfolgreichster Stürmer eine Freistoßflanke von Marvin Knoll zum 1:0 ins Tor verlängert (52.).

Beierlorzer: „Wir sind richtig in der Spur“

„Es waren schwierige Verhältnisse“, beginnt Jahn-Coach Achim Beierlorzer die PK als Wetteranalytiker, „schneebedeckte Verhältnisse, von daher ging’s heute auch darum, welche Mannschaft nimmt dieses Spiel am besten an – dieses Spiel liegt uns eher, zweite Bälle zu gewinnen, schnell nach vorne zu spielen, das haben wir von Anfang an gut hingekriegt.“ Beierlorzer erinnert an drei große Chancen in Hälfte 1. „Das eine Tor, das uns aberkannt wurde, muss ich mir auch nochmal anschauen.“

Seine Mannschaft habe auch in der zweiten Halbzeit richtig gut weitergespielt. „Natürlich ist es schwer, in Darmstadt zu bestehen, wir haben aber gesagt, wir geben 100 Prozent und wurden belohnt durch einen Freistoß auf den zweiten Pfosten.“ Das sei so auch geplant gewesen: „Das ist das, womit man Darmstadt knacken kann.“ Insgesamt habe man einen verdienten Sieg eingefahren. „Wir sind richtig in der Spur.“

Frings: „Regensburg war einfach giftiger“

„Wir sind natürlich sehr enttäuscht“, sagt Lilien-Trainer Thorsten Frings, „wir haben das Spiel nicht so angenommen – Regensburg war einfach giftiger.“ Gerade bei solchen Bodenverhältnissen habe das der Gast besser gemacht. „Vor dem Spiel habe ich den Jungs gesagt, dass ich mir ganz sicher bin, dass eine Standardsituation das Spiel entscheiden wird – so ist es dann auch gekommen.“ Man habe in dieser Situation wieder einmal geschlafen.

„Wir haben dann trotzdem nochmal versucht, nach vorne was zu machen, wurden aber auch nie so richtig gefährlich.“ Es sei unheimlich schwer gewesen, gezielte Bälle zu spielen – so sei alles ein Stück weit auf Zufall aufgebaut. „Trotzdem kann man in den letzten Minuten etwas mehr erwarten, dass sie das Spiel umbiegen wollen.“ Die Enttäuschung sei groß: „Wieder ein Heimspiel verloren, wir wollten eine Reaktion zeigen, wollten an die zweite Halbzeit in Berlin anknüpfen.“ Das sei nicht gelungen. „Von daher haben wir verdient verloren.“

Gimber ersetzt Geipl

Nach der 10-Punkte-Serie in vier Spielen ist heute wegen des verletzten Andreas Geipl (Innenbandanriss) eine Veränderung für Jahn-Trainer Achim Beierlorzer unausweichlich: Vor Philipp Pentke verteidigen Alexander Nandzik, Marvin Knoll, Sebastian Nachreiner und Benedikt Saller. Benedikt Gimber besetzt mit Marc Lais die Doppel-6. Jonas Nietfeld, Sebastian Stolze und Sargis Adamyan machen sich auf die Suche nach der Lücke und Kapitän Marco Grüttner.

Der SV Darmstadt 98 will heute unbedingt zwei Korrekturen in die Tat umsetzen: Da sang- und klanglose Ausscheiden im DFB-Pokal in Regensburg und das Ende der Sieglosserie seit dem siebten Spieltag. Trainer Thorsten Frings fordert von seinen Stars um Hamit Altintop und dem Ex-Regensburger Wilson Kamavuaka einen Heimsieg.

Was für ein Auftakt, der SSV spielt sich über links in den Strafraum, Sargis Adamyan legt  nach innen, Grüttner aus fünf Metern, in letzter Sekunde rutscht eine Lilie, in den Drehschuss, Ecke (2.). Der nächste Tempogegenstoß, Ballgewinn Grüttner, zwei Abspielmöglichkeiten, der Kapitän entscheidet sich für die steile Variante, Adamyan schießt aus spitzem Winkel drüber (3.).

Ball im Netz, abgepfiffen

Erste gefährliche Aktion der Hausherren, Flanke von rechts, Roman Bezjak drischt drauf, Nachreiner steht im Weg (9.). Weiter Ball auf Adamyan, er muss noch einen Blauen umspielen, das hält auf, sonst hätte er freie Bahn aufs Tor gehabt, die Flanke wird geblockt (13.). Zum ersten Mal muss Pentke Kopf und Kragen riskieren, mit einer Hand fängt er die Kugel vor dem heranstürmenden Terrence Boyd ab (21.).

Das wär’s gewesen: Nach der Ecke ist der Ball plötzlich im Tor – abgepfiffen, weil Marc Lais zuvor seinen Gegenspieler wegschiebt (27.). Dann taucht Grüttner allein vor Keeper Daniel Heuer Fernandes auf, den Ball legt er sich um Zentimeter zu weit vor, Ecke (33.). Das Gerutsche am Schneeplatz birgt Risiken für die Gesundheit der Spieler: Erst erwischt es Knoll, der kann weiterspielen. Dann aber wälzt sich Adamyan mit verdrehtem Knie – sieht nicht gut aus, Jann George muss noch vor der Pause rein (44.).

Und wieder ein Grüttner

Wieder erwischt Regensburg den besseren Start: Nietfeld mit links aus elf Metern, Heuer Fernandes wehrt ab. Doch dann bekommt seinen Freistoß, Flanke auf den zweiten Pfosten, Grüttner rutscht heran und spitzelt das Orange  über die Linie, 0:1 (52.). Der enttäuschende Altintop wieder einmal hoch und weit vors Jahn Tor, Boyd
unbedrängt mit dem Kopf links daneben (56.). Frings mit dem Doppelwechsel: Artur Sobiech und Felix Platte für Boyd und Mehlem (57.).

Darmstadt versucht es weiter mit langen Bällen Richtung Strafraum, Pentke zweimal mit den Fäusten zur Stelle, und zum Schluss blockt Grüttner den Schuss von Kamavuaka aus sechs Metern (65.). Da kann man den Strafstoß durchaus geben: Nietfeld links freigespielt, ein Blauer lässt den Fuß stehen, Nietfeld fällt drüber – stattdessen kommt George auf die glorreiche Idee, den Ball ins Tor zu schieben, Gelb (70.).

Schiri pfeift 100-Prozentige zurück

Schlimme Fehlentscheidung von Schiri Sven Waschitzki (Essen): Grüttner schickt Saller, der allein aufs Tor zu läuft, der Schiri pfeift die 100-prozentige Torchance für ein gelbes Kärtchen an Kamavuaka zurück – unsäglich (73.). Auch Beierlorzer schickt die zweite Verstärkung aufs Feld, Asger Sörensen kommt für Gimber (75.).

Großes Lob für die unermüdliche Vorwärtsverteidigung, aus der sich der Jahn immer wieder gute Kontermöglichkeiten erspielt: George ist links durch, Pass in die Mitte, da ist aber keiner vorm leeren Tor (84.). Jetzt auch noch das Comeback von Markus Palionis, für den Lais die Schneeanlage am Böllenfalltor verlässt (84.). Schon etwas kläglich: Verzweiflungsschuss von Bezjak aus 20 Metern, Pentke legt sich höflich hin, hätte er nicht gemusst (86.). Regensburg bringt den Dreier ohne große Probleme über die Zeit, Platz 7 ist der Lohn.

Der SSV Jahn (7./22 Punkte) kann am kommenden Samstag (13 Uhr) gegen den Netto-Kollegen VfL Bochum (12./20 nach 2:1-Heimsieg gegen Union Berlin) seine Serie auf sechs Spiele ohne Niederlage ausbauen.
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