04.11.2017 - 14:10 Uhr
RegensburgSport

Aktualisiert mit PK: Regensburg distanziert SpVgg Greuther Fürth auf fünf Punkte SSV Jahn verdienter Derby-Sieger

Das Fußballerleben hat sich der SSV Jahn selbst schwer gemacht – eine geschenkte Ecke und kein adäquates Rezept gegen die gelegentlichen Fürther Konter bringen mehr Spannung als nötig ins bayerische Derby. Zum Schluss bejubelt die Mehrzahl der 11.110 Zuschauer trotz Eigentors einen hochverdienten 3:2-Erfolg der Oberpfälzer, der vor allem in der Schlussphase höher ausfallen hätte können, als die Regensburger reihenweise Konterchancen versieben.

Genau richtig zur Länderspielpause holt der SSV den zweiten Dreier im zweiten 6-Punkte-Spiel in Folge. Bild: Sascha Janne
von Jürgen Herda Kontakt Profil

In Hälfte eins beherrscht der SSV Jahn den Gast überraschend klar: Zur Halbzeit führt Regensburg deswegen „nur“ mit 2:1, weil Marvin Knoll einen Ball vorm fangbereiten Keeper Pentke zur Ecke klärt – Richard Magyar köpft die erste Torchance der Franken zum 1:1 (32.) ins Netz. Zuvor hatten Wastl Nachreiner und Sargis Adamyan die Oberpfälzer in Koproduktion ebenfalls nach Ecke in Führung geköpft (21.) – der armenische Nationalspieler stellt dann  kurz vor der Pause die verdiente Führung wieder her (43.).

Nach dem Pausentee versuchen die Hausherren gleich Nägel mit Köpfen zu machen, laufen aber nach eigener Ecke gleich mal in einen Fürther Konter: Marco Caligiuri stellt auf 2:2. Die Regensburger lassen sich von dem erneuten Rückschlag nicht beeindrucken und spielen weiter mutig auf Sieg. Fürths Torschütze Magyar tut dem Jahn schließlich den Gefallen, nach scharfer Freistoßflanke per Kopfball-Eigentor den 3:2-Endstand fix zu machen (69.).

Buric: „ Matchball zum 3:2 und das zwei- oder dreimal“

„Ich glaube“, sagt SpVgg-Coach Damir Buric, „die Zuschauer haben heute ein sehr intensives und gutes Spiel gesehen, sehr viele Zweikämpfe, sehr viel Tempo im Spiel, viele Aktionen im 16er.“ Der Jahn sei ein sehr unangenehmer Gegner, besonders, wenn die Flanken kämen. „Da waren wir auch vorbereitet, aber letztendlich bei der einen oder anderen Standardsituation kannst du nicht vorbereitet sein, weil du nicht diese Größe und Kopfballstärke in deinen Reihen hast.“

Man habe versucht, das gut zu verteidigen. Gut gefallen habe dem Fürther Coach, dass seine Mannschaft immer wieder zurückgekommen sei. „Was nicht gut war, da hast du einen Matchball zum 3:2 und das zwei- oder dreimal, und dann schaffst du es nicht einmal in Führung zu gehen – wenn du einmal in Führung gehst, dann läuft das Spiel ein bisschen anders.“

Beierlorzer: „20:7 Torschüsse, zweimal Aluminium“

„Die Konstellation in der Tabelle hat es ja auch schon hergegeben“, beschreibt Jahn-Trainer Achim Beierlorzer die Ausgangslage, „für meine Mannschaft war es extrem wichtig, dass wir nachlegen wollten – diesen Willen hat die Mannschaft heute auch an den Tag gelegt.“ Zweimal wiederzukommen nach sehr unglücklichen Ausgleichstoren – „gerade das 2:2 müssen wir schon direkt nach der Ecke klären und dürfen da diesen Konter gar nicht weiterlaufen lassen“.

Die Mannschaft sei trotzdem mental so stark, da nochmal zurückzukommen. Natürlich brauche man da mal das Quäntchen Glück und auch mal eine Standardsituation. „Aber wenn ich mir so die Statistik anschaue, dass wir 20:7 Torschüsse haben, dass wir zweimal Aluminium getroffen haben, dann war das ein verdienter Sieg.“ Er wünsche der SpVgg Fürth alles Gute, Damir ein glückliches Händchen, die Situation zu regeln. „Aber die Qualität ist ja da.“

Gelbe Karte in erster Minute

Der SSV beginnt ohne große Überraschungen – wie auch, wenn mit Joshua Mees und Jann George mögliche Alternativen verletzt oder zumindest noch gehandicapt sind: Vor Philipp Pentke in der Viererkette Bene Saller, Basti Nachreiner, Marvin Knoll und Alex Nandzik. Marc Lais und Andi Geipl bilden die bewährte Schnittstelle ins offensive Mittelfeld mit Sebastian Stolze und Sargis Adamyan. Kapitän Marco Grüttner und Jonas Nietfeld laufen das Tor ganz vorne an.

Geht schon gut los, engagierter Einsatz Geipl, Gelbe Karte (1.). Was erlauben Thorsten Siewer? Der Schiri überkorrekt, lässt den Einwurf penibel wiederholen, Stolze will das Spiel schnell machen, Nandzik ist an der rechten Außenbahn gestartet (3.). Erste Regensburger Großchance, Fürth lässt den Ball passieren, Stolze setzt sich im Strafraum durch, legt ab auf Lais, der aus zehn Metern deutlich über den Winkel zieht (5.).

Knoll auf Nummer sicher

Auf der anderen Seite bereits die zweite Ecke, weil Knoll unbedrängt auf Nummer sicher geht. Dann gleich noch Knolls Fehler im Aufbauspiel, der Jahn kratzt die Kugel im letzten Moment weg (6.). Und schließlich hebt Knoll den ersten Standard über Feind und Freund hinweg hinters Tor (8.). Irgendwie haben die Rot-Weißen heute noch kein Gefühl in den kalten Beinen, Knoll und Nandzik mit den nächsten Fehlpässen, aber schließlich zieht unverhofft Lais ab, dessen Kracher aus 18 Metern Keeper Sascha Burchert so eben noch über die Latte faustet (11.).

Gut, dass das Abseits war: Nietfeld allein unterwegs aufs Tor drischt die Kugel über den Kasten (13.). Die Kunst, sich mit komplizierten Ecken selbst in Schwierigkeiten zu bringen: Knoll spurtet seiner kurzen Ecke hinterher und stoppt in letzter Sekunde den Konter durch Cigerci (17.). Grüttner legt den Ball nach Nandzik-Flanke per Kopf für Geipl auf, zur Ecke geblockt. Wie es einfach, aber schmerzhaft geht, zeigt die nächste Ecke: Knoll in die Mitte, Nachreiner mit der Birne, Adamyan auch noch dran, der Keeper muss hinter sich greifen, ein Moment der Ungewissheit, dann zeigt Schiri Siewer an, das Tor gilt, 1:0 (20.). Der Armenier, der sich beim Hochsteigen den Kopf angeschlagen hat, wird behandelt, kann aber weitermachen.

Knoll zu sicher

Schade, da kombiniert sich der SSV schön über rechts in den Strafraum, aber Adamyans Känguruhhüpfer führt nicht zum Strafstoß, sondern zum Freistoß für Fürth. Der Gast greift bereits zum ersten Wechsel: Für Roberto Hilbert kommt Dominik Scharf (24.). Konter Regensburg, klasse Solo Adamyan, gefühlvoller Pass in die Spitze, aber der Ball verspringt (28.). Du meine Güte: Knoll köpft die Kugel vor dem fangbereiten Pentke zur Ecke – Pentke beschwert sich, Knoll schimpft, Fürth tritt die Ecke, Richard Magyar köpft das 1:1 (32.).

Doppelchance für den Jahn: Starke dringt über rechts bis zum Fünfer vor, schiebt die Kugel in die Mitte, zwei Schussversuche scheitern (36.). Lais holt den Freistoß kurz vorm 16er, Knoll erst in die Mauer, im Nachschuss drüber (38.). Das erinnert jetzt doch sehr an den Spielverlauf von Kaiserslautern – der Jahn tankt sich wieder einmal über rechts durch, erst verpasst ein Regensburger, die Chance scheint vertan, dann rauscht Adamyan von links heran und hämmert das Ding in den Winkel, 2:1 (43.).

Fürth kann Konter

Wie gewonnen … Nandzik verstolpert nach der Ecke, Fürth kontert sich in die Regensburger Hälfte, Schnittstellen-Pass auf den völlig freien Caligiuri, Pentke chancenlos, 2:2 (46.). Wütende Angriffe des SSV: Nandzik von halbrechts, Nietfeld und Grüttner verpassen im Fünfer (53.). Den Fürther Freistoß klärt der Jahn unzureichend, der zweite Ball wird zur Ecke abgewehrt (56.). Das Spiel ist jetzt offener, Fürth steht höher, die Räume nutzt Regensburg bisher nur bis zum 16er, danach fehlt der letzte Pass – Geipls Versuch aus der zweiten Reihe harmlos (60.).

Erste Großchance für Fürth aus dem Spiel heraus: Pentke im Laufduell mit Khaled Narey, der Fürther legt den Ball vorbei, Pentke und Nandzik decken im Rückwärtsgang das Tor mehr schlecht als recht zu, Torres passt in die Mitte, am zweiten Pfosten springt die Kugel Sontheimer an die Hand, Glück für Regensburg (61.). Und noch einmal versucht es Geipl aus der Ferne, deutlich vorbei (63.). Vielleicht klappt’s bei Ecken besser: von wegen, wieder ein Konter, das muss die Jahn-Abwehr doch jetzt mal kapieren – das können die Gäste wie sonst nichts, über drei Stationen … Torres vermeintlich im Abseits (66.).

Magayr trifft hüben wie drüben

Offen wie Scheunentore beide Abwehrreihen: Weite Freistoßflanke, alle steigen hoch, der Fürther Magyar mit dem sauberen Kopfball-Eigentor, 3:2 (69.). Ein kurioses Spiel, zwei Regensburger stehen sich im eigenen Fünfer gegenseitig auf den Füßen, der Ball passiert, der Fürther bekommt die Kugel nicht unter Kontrolle (70.). Man sieht, Regensburg hat seine Standards geübt, den Freistoß faustet Burchert aus dem Winkel, der zweite Ball bleibt an einem Fuß hängen.

Oha, Beierlorzer sichert hinten ab, bringt Asger Sörensen für Stolze – ganz neue Töne (73.). Das müsste es sein: Gigantische Quadrigachance, zweimal allein vorm Keeper, einmal rettet Burchert mit dem Fuß, dann verpassen zwei Regensburger um Zentimeter am Fünfer, Nietfeld schickt einen Pfostenschuss aus 20 Metern hinterher und Lais knallt aus 11 Metern drüber (80.) – wenn sich das mal nicht rächt. Beierlorzer beruhigt mit dem nächsten Wechsel, Benedikt Gimber für Geipl (83.).

Franken-Anhang sauer: „Wir wollen die Mannschaft sehen“

Jetzt tut der Jahn wieder was fürs Nerventraining der Jahn-Fans – lässt sich hinten reindrängen, weil jeder Ball sofort wieder brav bei Fürth abgeliefert wird. Die Gäste fordern Handelfer, bekommen die Ecke (86.). Beierlorzer mit dem letzten Wechsel, Sebastian Freis für Adamyan (86.). Immerhin setzt sich Rot-Weiß auch mal wieder vorne fest, Freistoß an der Eckfahne, weit und ungenau, Saller mit dem zweiten Ball von rechts, halb Flanke, halb Schuss am Winkel vorbei (89.). Du meine Güte, Konterchance Regensburg, Nietfeld kommt am Zahnfleisch daher, verstolpert die Kugel (93.) – ist dann aber auch nicht weiter von Bedeutung, das Spiel ist aus.

Die Franken stellen sich ihrem sauren Anhang und werden mit Pfiffen und Fuck-Fingern verabschiedet. Noch lange, nachdem die enttäuschten Franken in der Kabine verschwunden sind, tönt ein „wir wollen die Mannschaft sehen“ durch die Arena. Naturgemäß etwas freundlicher geht’s auf der Hans-Jakob-Tribüne zu, wo der neue Tabellen-13. mit viel Applaus empfangen wird. Ein Doppelsieg vor der Länderspielpause – besser hätten es die Oberpfälzer nicht treffen können.

Vorfreude aufs Topspiel bei St. Pauli

Mangelnde Effektivität wirft Achim Beierlorzer seiner Mannschaft nicht vor. „Wir müssen sehen, gegen wen wir spielen – wir spielen gegen die SpVgg Greuther Fürth, die eine hervorragende Mannschaft hat und die hatte heute genau die gleiche Situation wie wir sie vorgefunden haben – letztes Wochenende gewonnen, und jetzt beim Jahn nachlegen.“ Das sei nicht so einfach, dass man sagt, da schießen wir 20-mal aufs Tor, dann werden schon vier oder fünf reingehen. „Da ist die SpVgg zu gut, dass man sie so einfach aus dem Stadion rausschießen kann.

„Was mich so ein bisschen geärgert hat“, resümiert der Jahn-Coach die Defizite, „waren die Gegentore – die waren völlig besprochen, wir wussten, wo der Zielbereich der Ecken ist, wir haben auch ganz genau gesagt, wer dort hinläuft, und genau dieser Spieler macht dann auch das Tor. Das darf uns letztendlich eigentlich so nicht passieren.“ Wenn man länger das 1:0 gehalten hätte, hätte man immer wieder Konterchancen und Umschaltsituationen gehabt, die sich dann auch so ergeben hätten. Ansonsten seien das die typischen Zweitligaspiele, komplett eng, wenn man das dritte Gegentor bekommen hätte, „dann weiß ich nicht, ob wir ein drittes Mal wiederkommen“.

Die Länderspielpause sei Beierlorzer egal, er freue sich aufs nächste Spiel – am Sonntag, 19. November, 13.30 Uhr: „Das ist gegen St. Pauli ein Topspiel, wir wollen weiterhin punkten, wir wollen eine kleine Serie starten – wir schnaufen jetzt durch, es ist jedenfalls viel, viel schöner, mit einem Sieg in diese Pause zu gehen.“

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