17.03.2018 - 13:08 Uhr
Regensburg

Aktualisiert mit PK – SSV Jahn holt in Berlin Punkt Nummer 40 Last minute: Regensburg ringt Eisernen ein 2:2 ab

Zwei spiegelverkehrte Hälften, ein gerechtes Remis: In Durchgang 1 kontrolliert der Aufsteiger aus Regensburg das Geschehen und kassiert eine Minute vor der Pause Felix Kroos' 1:0, die schmeichelhafte Halbzeitführung der Berliner. Ganz anders in Hälfte 2: Union dreht mächtig auf, der Jahn durch den Wind, aber aus dem Nichts der Konter zum 1:1 durch Marco Grüttner (59). Und Philipp Hosiners erneuten Führungstreffer (64.) gleicht in letzter Minute Marvin Knoll per Strafstoß aus, 2:2.

Marco Grüttner jubelt nach dem 1:1 Ausgleichstreffer, sein elftes Saisontor. Bild: Sascha Janne
von Jürgen Herda Kontakt Profil

 In der Hauptstadt-Ost hängt der Förstersegen schief. Der Präsident mäkelt, die selbsterklärten Aufstiegsaspiranten hängen im Mittelfeld fest, Tendenz eher nach unten. Umso wichtiger wäre es gewesen, dass Union gegen Aufsteiger Jahn Regensburg dreifach punktet.

Beierlorzer brutal stolz

„Wir sind sehr, sehr zufrieden mit dem Punkt“, freut sich Jahn-Trainer Achim Beierlorzer über den Teilerfolg, „Wir sind zweimal zurückgelegen, sind zweimal zurückgekommen.“ Union habe in der ersten Hälfte zwei gefährliche Ecken, der Jahn einen überragenden Spielzug gezeigt: „Bei dem sich Marc Lais für die lange Ecke entscheidet, hätte er die kurze genommen, wär’s ein Tor für uns.“ Vorher sei schon Marco Grüttner knapp an der Führung vorbeigeschrammt. Genau in der Phase, in der der SSV stabil gestanden sei, die Führung durch eine Einzelaktion: „Zu einfach, Kros mit sensationellem Abschluss.“

Er sei brutal stolz auf seine Mannschaft, die auszeichne, „dass wir wiederkommen, dass wir nicht aufgeben, dass wir nachlegen.“ Der Angriff zum 1:1 exzellent schnell über die Flügel verlagert, Grüttner mache das dann überragend. Und nach dem Rückstand hätte der Freistoß von Marvin Knoll schon das 2:2 sein können. „Insofern haben wir jetzt 40 Punkte, das ist toll, und versuchen noch so viele Punkte zu holen, wie wir können, weil wir uns natürlich auch nicht ganz sicher sind, ob 40 für den Klassenerhalt reichen.“

Hofschneider enttäuscht

„Wir sind natürlich enttäuscht“, sagt Union-Coach Andre Hofschneider, „ich muss aber auch sagen, das war keine leichte Situation in den letzten Wochen.“ Über weite Strecken habe seine Mannschaft läuferisch und auch spielerisch überzeugt: „Das zeigt, dass die Mannschaft funktioniert.“ Er hoffe, dass nach der Länderspielpause wieder einige Verletzte zurückkommen.

Der Jahn-Trainer hat wenig Grund zum Rotieren, die Startelf ohne Überraschungen: Pentke - Saller, Nachreiner, Knoll, Nandzik - Gimber, Lais - George, Mees - Grüttner, Adamyan. Es geht gut los für die Gäste aus der Oberpfalz: Adamyan bringt das Leder flach in die Mitte, Grüttner verpasst knapp (7). Starkes Umschaltspiel, steiler Pass auf Jann George, der Richtung Strafraum startet, Pedersen spitzelt den Ball zurück zum Keeper (11.).

Kopfball aus zwei Metern an die Latte

Doppelecke Berlin, die erste ohne große Wirkung, aber die zweite von Christopher Trimmel hat es in sich: Torrejons Kopfball aus zwei Metern streift die Latte (16.). Verbissener Kampf im Mittelfeld, der Ballbesitz wechselt im Sekundentakt, Grüttner bekommt den Ellbogen ins Gesicht (21.). Klasse Antritt von Bene Saller, der sich fein hinten rausspielt – aber dann der schlampige Fehlpass bei drei Optionen in die Spitze (23.).

Kleines Powerplay des SSV, zweimal rund um den Strafraum, die Berliner bringen den Ball nicht weg und der Jahn ihn nicht zielgenau auf einen Knipser (25.). Im Gegenzug die dritte Ecke: Wieder nicht ungefährlich, mit Effet hoch auf die kurze Ecke, Philipp Pentke bekommt keinen Zugriff, abgepfiffen, weil ein Regensburger im Fünfer liegt (27.). Richtig schwach von Adamyan: Er startet mit Kopf nach unten, auf der anderen Seite ist George mitgelaufen, der Armenier lässt den Ball liegen.

Lais mit der 100-Prozentigen

Gute Chance für den Gast, schnell gespielt in die Spitze, knapp vorbei. Berlin produziert die erste Regensburger Ecke, Keeper Daniel Mesenhöler faustet Knolls Flanke weg (31.). Und die 100-Prozentige: George holt sich die Kugel im Mittelfeld, Mees schickt Marc Lais in den Strafraum, Mesenhöler mit Glanztat zur Ecke (32.). Stark, wie sich Alex Nandzik hinten aus der Bedrängnis freispielt, schade, dass die Kopfballverlängerung ins Abseits führt (34.).

Sensationeller Ballgewinn von Nandzik, nachdem zuvor der Jahn einen Konter zu einfach abgeschenkt hat – Grüttner hatte sich an der Grundlinie abdrängen lassen und gibt den Ball per Rückpass an den Keeper ab (42.). Die Führung der Berliner aus dem Nichts: Diagonalpass, Knoll hängt sich elfmeterverdächtig rein, den zweiten Ball knallt Felix Kroos aus 16 Metern rechts unten in die Maschen, 1:0 (45.).

Jahn durch den Wind

Die zweite Hälfte beginnt mit einem schnellen Antritt der Berliner über links und der 5. Ecke für Union. Dann muss Lais von hinten einhaken, um einen Durchmarsch zu verhindern, Gelb (47.). Der Jahn jetzt völlig unsortiert, wieder über links, kurz aufgelegt, der Abschluss aus 14 Metern deutlich drüber. Und keine Minute vergeht bis zu Berlins Ecken Nummer 6 und 7.

Berlin dreht jetzt mächtig auf, Chancen im Minutentakt, zweimal knapp am Pfosten vorbei, Regensburg könnte bereits einpacken, wenn die Hausherren hier das nötige Schussglück hätten. Ganz, ganz langsam befreit sich der Gast wieder aus dem eisernen Griff der Berliner, Saller mit der Flanke von rechts genau auf den Keeper (57.).

Ein Konter aus dem Nichts

Kontern kann der Jahn: Mees mit Übersicht, Doppelpass mit Lais, präzise nach rechts, Grüttner aus etwas spitzem Winkel schlenzt das Ding ins Netz, 1:1 (59.). Und dann reagiert George zu spät, bringt am Fünfer die Kugel nicht unter Kontrolle, sonst hätte der Jann für den Jahn das Spiel innerhalb von zwei Minuten gedreht – wäre Stand jetzt auch des Guten zu viel. Seltsame Entscheidung von Schiri Guido Winkmann (Kerken): George sieht Gelb wegen vermeintlicher Schwalbe und der Mann in Gelb zeigt ihm die Tribüne fürs nächste Mal. Beierlorzer reagiert sofort, bringt Stolze für George.

Der Ausgleich hat nur kurze Beine: Berlin kann sich erneut in den Strafraum kombinieren, Nachreiner greift nicht ein, Hosiner schlenzt zum 2:1 ins rechte Eck (64.). Was für ein Pech: Knoll knallt den Freistoß aus 25 Metern an den Pfosten, Adamyans Nachschuss pariert Mesenhöler (66.). Dennoch, die Beißarbeit nach hinten heute bei weitem nicht so aggressiv wie gewohnt, erst im Strafraum gelingt es drei Regensburgern Hosiner und Skrzybski zu stoppen (73.).

Last-Minute-Glück

Beierlorzer geht noch höheres Risiko, schwächt mit der Herausnahme von Lais das Mittelfeld, Vrenezi soll die Berliner Abwehr beschwindeln (75.). Gimber zieht aus 18 Metern ab, da hat nicht viel gefehlt (78.). Stolze auf Saller, Pass auf Adamyan, der reagiert zu spät (80.). Letzte Hoffnung für Regensburg: Jonas Nietfeld kommt für Nandzik, alles oder nichts.

Steiler Pass auf Vrenezi, der sich abdrängen lässt. Dann bringen die Berliner die Kugel nicht weg, Pedersen trifft Gimbers Fuß, Elfmeter, Knoll souverän, 2:2 (89.). Den Rest schaukelt der Aufsteiger über die Bühne, hält den 40. Punkt fest, das zählt! Am kommenden Sonntag, 13.30 Uhr kann der SSV Jahn (4./40 Punte) völlig befreit gegen die abstiegsbedrohten Auer (16./30) aufspielen – vielleicht geht ohne Druck noch mehr.

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