13.05.2018 - 16:28 Uhr
RegensburgOberpfalz

Aktualisiert mit PK: Unentschieden im Duell der abgeschlagenen Verfolger Jahn Regensburg hält Bochum auf Distanz

Wolkenbruch in Bochum, aber bis zum Anpfiff sind doch noch alle Regensburger Fans im Stadion angekommen, auch wenn ihr Bus im Stau hängen geblieben war. Die rund 300 Oberpfälzer unter den 20.800 Zuschauern erleben ein Fehlerfestival auf schwer bespielbarem Rutschrasen. 

Zeigt das richtige Ergebnis an, auch wenn Achim Beierlorzer hier nur den perfekt ausgespielten Konter zum 1:0 lobt. Bild: Bernd Thissen/dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Trotz 1:0-Führung der Gäste nach Konter über Sargis Adamyan und vollendet durch Marco Grüttner (64.) bis zur 87. Minute ist es ein glückliches 1:1 der schlampigen Art - Johannes Wurtz' abgefälschtes Billardtor zum Ausgleich passt da ins Bild. Streckenweise luden die Regensburger den Gastgeber zum munteren Scheibenschießen, was die Grönemeyer-Helden aber nicht verwerten konnten.

Beierlorzer: „Platz 5 eine Sensation für den SSV Jahn“

„Interessantes Spiel“, urteilt Jahn-Trainer Achim Beierlorzer bei der PK, „es war uns ja klar, dass es hohe Qualität ist, die uns heute hier in Bochum erwartet – wir haben es geschafft, unsere Tugenden auf den Platz zu bringen.“ Extrem intensiv sei man im Laufbereich unterwegs gewesen, man habe es geschafft, Bochum nicht richtig ins Spiel kommen zu lassen in der ersten Hälfte. „Insofern habe ich auch ein etwa zerfahrenes Spiel gesehen mit vielen hohen Bällen, relativ unkontrolliert.“

„Wir konnten dann diesen einen Konter abschließen und hatten danach die ein oder andere Chance.“ Mit noch etwas mehr Körner im Tank hätte man das Spiel vorentscheiden können. „Aber wir dürfen natürlich auch nicht vermessen sein, weil wir wissen schon auch, dass Bochum intensiv um diesen Ausgleich gespielt hat.“ Schade sei, dass es so ein Tor sein musste: „An die Hacke geschossen und dann ins Eck, aber letztendlich habe ich ein gerechtes Unentschieden gesehen.“ Ihm sei es wichtig gewesen, den fünften Platz zu verteidigen. „Das ist schlichtweg eine Sensation für den SSV Jahn Regensburg.“

Dutt: „Wichtig, nicht als Verlierer vom Platz zu gehen“

„Jahn Regensburg hat es die ganze Saison über gut gemacht“, fasst VfL-Coach Robin Dutt seine Eindrücke zusammen, „mit einem guten Pressing – uns war schon klar, dass da das Spiel nicht so ruhig ist am Ball, dass da ständig ein Stress ist, eine Hektik.“ Er finde es gut, dass zwei Mannschaften, bei denen es noch um den einen Platz hin oder her geht, das am Saisonende am Platz noch einmal ausleben.

„Ich selber werde nie zufrieden sein, wenn wir zu Hause unentschieden spielen, aber es war für mich – und wahrscheinlich nicht nur für mich – so unglaublich wichtig, nachdem wir in diesen Konter laufen, dass die Mannschaft mit ihrer ganzen Körpersprache, mit allem, was sie hat, noch einmal alles reinhängt, um nicht als Verlierer vom Platz zu gehen.“ Dutt bedanke sich für die Sprechchöre zu seiner Person. Der Abgang von Kevin Stöger sei ein herber Verlust: „Aber das gehört einfach dazu.“

Knolls frühes Aus

Die drittbeste Rückrundenmannschaft zu Gast bei der viertbesten, Rot bei Blau – und das rutschige Geläuft macht beiden das Leben schwer: Kapitän Marco Grüttner rutscht die Kugel beim Flankenversuch über den Schuh, immerhin Ecke für den SSV Jahn (5.). Kopfball Gimber deutlich drüber (7.). Noch eine Ecke, wieder die bekannte Variante: Knoll tippt für George an, den zweiten Ball knallt Saller klar drüber (10.). Ecke Nummer drei: Flach auf Gimber, der stürzt nach vorne und schreit wie am Spieß – bringen tut’s nichts.

Knoll quert in letzter Minute die Wege des Angreifers und krallt sich das Sportgerät – dabei ein falscher Schritt, der Griff nach hinten an den Oberschenkel, kein gutes Zeichen, da hat’s einen Muskel erwischt. Der Abwehrgarant muss raus, Markus Palionis bekommt fast ein ganzes Spiel aufs Konto (17.). Mit der Auswechslung des Berliners geht beim Jahn das Aufbauspiel komplett verloren. Eine Viertelstunde sind beide Mannschaften jetzt schon mit munterem Fehlpassfestival beschäftigt.

Aufregung selbst gemacht

Die vierte Ecke darf George alleine ausführen, flach auf einen Gegenspieler (32.). Palionis leider absolut kein gleichwertiger Ersatz mehr für Knoll – erst grätscht er Stöger ziemlich ungeschickt um: Gelb. Dann lässt er sich im Strafraum die Kugel von Losilla vom Fuß nehmen, der Abschluss direkt auf Weis (37.). Riesenaufregung nach Allerweltsfoul an Gimber, Grüttner versucht den erbosten Fabian zu beruhigen und sieht genauso Gelb wie Letzterer und Tesche (39.) – Schiri Patrick Alt verliert etwas die Übersicht.

Alex Nandzik zieht den Freistoß aus 28 Metern voll durch, das Ding geht einige Fuß daneben (42.). Und noch eine Ecke für den SSV, obwohl diesmal klar ein Regensburger angeschossen worden war – George auf den Torwart, der mit Faustabwehr im Bauchbereich den Ball knapp neben den Pfosten wuchtet (44.). Nach Sörensens Zupfer, sieht auch die Salzburger Leihgabe Gelb – gefährliche Freistoßposition 18 Meter halbrechts, Weiß boxt das Ding im Getümmel weg, Pausenpfiff (47.).

Die ersten Torchancen

Unglaublich viele leichte Fehler, ein beliebiges Beispiel: Saller stoppt den Ball im Mittelfeld und schiebt ihn dem Gegenspieler zu, der einen Meter vor ihm steht (46.). Beste Chance für den Jahn: Adamyan spurtet über links, Flanke auf Grüttners Hacken, Mees bekommt den zweiten Ball, Keeper Manuel Riemann ist rechts unten im Eck, Ecke (48.). Freistoß Regensburg 20 Meter zentral, Grüttner in die Mauer.

Und dann auch die Bochumer Mega-Chance, langer Ball auf Sidney Sam, allein vorm Tor bekommt er das Ding nicht mehr unter Kontrolle (51.). Und wie dieser Kelch am Jahn vorbei gegangen ist, wissen nur die Auguren – der SSV lädt den VfL jetzt zum kollektiven Scheibenschießen: Hinterseer holt sich die Kugel auf oder hinter der Grundlinie, Weis pariert den ersten Schuss, Sam rutscht in den Querpass, knapp vorbei (55.). Dann ist wieder Hinterseer durch, allerdings abseits (57.).

Grüttners 13. Volltreffer

Jetzt wird’s auch für Sidney Sam und Sargis Adamyan bunt – langsam dürften die Gelbträger in der Mehrheit sein (61.). Aus einem Freistoß für Bochum resultiert der Konter zum 0:1: Adamyan auf und davon, Pass in die Mitte, Grüttner rutscht in die Kugel und diese zum 13. Saisontor für den Schwaben in die Maschen (64.). Jahn-Trainer Achim Beierlorzer bringt Jonas Nietfeld für den angeschlagen ins Spiel gegangenen Joshua Mees (65.).

Das Glück, das den Regensburgern zuletzt fehlte, heute strapazieren sie es über: Bochum schon wieder im Vorwärtsgang, die rote Abwehr drischt den Ball weg (67.). Stöger artistisch, Weis boxt den Flatterball und wird im Fünfer von Eisfeld angegangen, abgepfiffen (68.). Jetzt auch mal wieder eine Chance für die Oberpfälzer: Weil sich zwei Jahnspieler diesmal richtig wehren, das Glitschige herzugeben, kommt Adamyan im Strafraum zum Schuss, Riemann reaktionsschnell (69.).

Glück aufgebraucht

Eine Seltenheit: Alex Nandzik muss raus, sicher nur, weil die Rennsau angeschlagen ist. Dafür Sebastian Stolze zum ersten Mal nach seiner Vertragsunterzeichnung im Einsatz (75.). Das Spiel läuft weiter wie gehabt: Bochum verpatzt beste Chancen – Kruse links durch, Pass auf Hinterseer zu ungenau (78.). Wieder spielen sich die Bochumer bis zum Strafraum durch, in letzter Sekunde fährt Keeper Weis die langen Fangarme aus (80.).

Und dann ist es auch schon aufgebraucht: Ein absurd abgefälschter Ball von Wurtz kugelt zum 1:1 am angewurzelten Weis vorbei über die Linie, 1:1 (87.). Tipp für die Hintermannschaft: Man kann bei Pisswetter einen Schützen 18 Meter vorm Kasten auch mal angreifen. Und Jann George darf es auch noch mal von der Mittellinie versuchen, weil Riemann erneut im defensiven Mittelfeld rumirrt – das kann man besser machen (89.). Nach Nachspielzeit übersteht der Gast, zum Schluss steht das 1:1. Immerhin, ein Ergebnis, mit dem sich die Oberpfälzer (5./48 Punkte/Tordifferenz 0) gerademal so die punktgleichen Ruhrknaben (6./48/-32) vom Trikot halten.

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