18.02.2018 - 14:25 Uhr
Regensburg

Aktualisiert mit PK: Wie im Hinspiel verpennt der SSV Jahn zehn Minuten nach Wiederanpfiff Regensburger Durchmarsch abgeblasen

Gut 25.000 Zuschauer sehen ein hart erkämpftes, mit vielen Verzögerungen auch verschlepptes 1:0 für Dynamo Dresden: Wie im Hinspiel verschläft der SSV Jahn die ersten zehn Minuten der zweiten Halbzeit und ebnet Erich Berko den Weg zum 1:0 (65.). Regensburg kontrolliert die erste Halbzeit klar, kann aber seine Chancen nicht verwerten. Nach dem 0:1 sind die Oberpfälzer dann zu hektisch und bringen auch in den vier Nachspiel-Chaosminuten den Ball nicht im sächsischen Gehäuse unter.

Verschlafener Wendepunkt: Dresdens Erich Berko (links) netzt zum 1:0 ein. Bild: Monika Skolimowska/dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Dynamisch ist zu Beginn nur der Jahn. In der ersten Hälfte das gewohnte Bild wie in den vergangenen Wochen: Ein aggressiver SSV Jahn beherrscht das Spiel, Dynamo Dresden fällt wenig ein, wie es sich gegen das Pressing der Oberpfälzer zu Wehr setzen kann. Einziges Manko der Regensburger: Der letzte Pass und der Abschluss. Deshalb nur 0:0 zur Pause in der DDV-Arena.

Kleines Polster für Dynamo

Und dann wirkt der Gast aus Regensburg nach Wiederanpfiff, als hätte die Elf von Achim Beierlorzer in den Kabinen ein Nickerchen gemacht. Gleich zweimal wirbelt der eingewechselte Koné die Regensburger Abwehr durcheinander, bis schließlich Berko nach einer Saller-Kerze unbedrängt zum 1:0 einnetzen darf. Recht viel mehr hat Dynamo danach nicht zu bieten.

Weil aber die Angriffe der Oberpfälzer meistens zu ungeordnet ablaufen, verschaffen sich die Dresdener ein kleines Polster im Abstiegskampf – und Jahn-Coach Beierlorzer muss sich wohl erst mal nicht mehr über Fragen zu einem möglichen Durchmarsch von der Regionalliga in die Bundesliga ärgern.

Beierlorzer: „Nur die Tor-Statistik stimmt nicht“

„Schon bitter“, resümiert Beierlorzer, „wenn man hier so viel investiert wie wir heute, und zum Schluss mit leeren Händen dasteht.“ Das Match habe man in der ersten Hälfte verloren, als man das eigene Spiel durchziehen habe können, viele Balleroberungen verbucht habe, im Umschaltmoment oftmals Richtung Strafraum von Dresden unterwegs gewesen sei, und dort immer wieder die falschen Entscheidungen getroffen habe: „Manchmal quer gespielt, wo wir hätten schießen müssen und umgekehrt.“ Man hätte mit einer Führung in die Halbzeit gehen müssen.

„In der zweiten Hälfte hat Dresden dann umgestellt auf ein 4:4:2 mit Raute.“ Man habe gesehen, was Koné für ein High-Speed-Spieler sei: „Das hat uns am Anfang etwas Probleme bereitet, obwohl keine Großchancen daraus resultiert hätten. „Dann kommt’s zum 1:0, wo ich natürlich ein bisschen unzufrieden bin, wie wir’s verteidigt haben, aber auch ein bisschen unzufrieden, dass der Schiedsrichter da zweimal nicht in die Pfeife reinbläst, wie er es im Mittelfeld permanent gemacht hatte.“

Dennoch sei er mit der Leistung seiner Mannschaft nicht unzufrieden, die unbedingt den Ausgleich gewollt habe: „Ich erinnere nur an Marco Grüttner, der aus spitzem Winkel den Torwart anschießt.“ Das werde sein Team nicht umwerfen, man werde mit gleicher Intensität weiterspielen: „Wenn ich mir die Statistik ansehe, stimmt nur eines nicht, die bei den Toren.“

Neuhaus: „Berko hat nicht nur sich belohnt“

„Natürlich glücklich“, bewertet Dynamo-Coach Uwe Neuhaus den Heimsieg, „in der ersten Halbzeit war es für uns ein äußerst schwieriges Spiel.“ Die Art und Weise, wie Regensburg spiele, sei schon sehr intensiv: „Du hast keine Zeit, den Ball im Mittelfeld oder egal wo auf dem Platz zu verarbeiten, zu schauen, wo der nächste freie Spieler steht.“ Man habe sich darauf vorbereitet, sei aber bei Ballbesitz zu breit aufgestellt gewesen und dann oft in Konter gelaufen.

Mit dem Anpfiff zur zweiten Halbzeit sei das besser gelungen: „Mit der Chance von Moussa – und dann haben wir den Spieß ein kleines bisschen umgedreht, hatten auch häufig Balleroberungen.“ Bei der Szene vor dem 1:0 habe Neuhaus zuerst auch gedacht, es sei Foulspiel gewesen, er habe es sich noch nicht angeschaut. „Der Schiedsrichter hat’s nicht so entschieden.“ Vor dem Spiel habe er Erich Berko gesagt, „du arbeitest immer wie ein Wahnsinniger, versuch‘ einfach dich zu belohnen – jetzt hat er nicht nur sich, sondern die gesamte Mannschaft belohnt.“ Die Schlussphase sei von vielen langen Bällen geprägt gewesen, da könne immer was passieren. „Egal wie, wichtig sind die drei Punkte.“

Das Pressing schafft Räume

„Das hat sich die Mannschaft erarbeitet“, begründet der Jahn-Coach die Aufstellung. Achim Beierlorzer vertraut der Elf, die am Samstag den 2:0-Heimsieg gegen Heidenheim eintütete. Dresdens Trainer Uwe Neuhaus hat degegen die Statistik auf seiner Seite: Mit Union Berlin und Dresden holte er in sechs Pflichtspielen gegen Regensburg fünf Siege und ein Remis.

Der Berliner Lehrer Daniel Siebert leitet die Partie – hoffen wir, dass er die Übersicht im Dresdener Hexenkessel behält. Gleich mal mächtig Verwirrung im Dynamo-Strafraum, Befreiungsschlag abgefangen – Marco Grüttner startet durch und kickt die Kugel fair ins Haus, weil ein Gelb-Schwarzer im Strafraum liegt.

Dann der erste Vorstoß der Gastgeber, da sieht man schon die Marschroute, Erich Berkos Alleingang Richtung Regensburger Strafraum, gerade noch abgefangen – und im zweiten Anlauf stehen sich Keeper-Libero Philipp Pentke und Marvin Knoll gegenseitig auf den Füßen und verursachen die erste Ecke (3.). Dresden nutzt die Räume, die das Pressing der Oberpfälzer lässt, zu Beginn geschickt.

Ein Doppelpass zu viel

Dann auch die erste Regensburger Ecke, kurz ausgeführt, Andi Geipl aus dem Rückraum, ein paar Meter zu hoch (12.). Marcel Hofrath mit der Balleroberung tankt sich bis kurz vor den Strafraum durch, Abschluss überhastet (14.). Schönes Solo von Joshua Mees über den halben Platz, dann stochert im letzten Moment ein Dresdener den Ball zurück zum Keeper (16.).

Knolls erster Freistoß aus knapp 30 Metern gerät zur Rückgabe, schon wieder hat der Jahn den Ball, Jann George aus der zweiten Reihe, auch der deutlich drüber (18.). Klasse, wie Marco Grüttner den Ball erobert, über rechts spurtet, die Hereingabe fängt Keeper Markus Schubert ab (22.). Und schon wieder rollt der Jahn-Express – Grüttner und Sargis Adamyan, ein Doppelpass zu viel am Fünfer (27.)!

Aus fünf Metern verstochert

Die Konter spielen die Regensburger allerdings etwas schlampig aus, Mees beschwert sich über den zu langen Ball nach links außen (33.). Gute Freistoßposition aus 18 Metern fast zentral, weil Lais zu lange wartet mit dem Abschluss: Knoll in die Mauer, Hofrath mit dem Fehlpass (35.). Und ein weiteres Riesenloch im sächsischen Abwehrverbund, aber Grüttner und George spielen sich da gegenseitig ins Aus (36.).

Erster vielversprechender Konter der Hausherren: George verstolpert den Ball rechts außen ohne Fremdeinwirkung, Seitenwechsel, Hofrath hastet zu spät hinterher, die Hereingabe zu ungenau (39.). Und dann fast der Treffer, Mees sprintet in eine Rückgabe, Schubert mit der Faust zur Ecke (41.). Wahnsinnschance, nachdem Sallers Kugel jungfräulich den Strafraum passiert, Grüttner auf Adamyan, der schafft’s aus fünf Metern, Schubert anzustochern (43.).

Koné wirbelt Jahn-Abwehr durcheinander

Ex-Jahn-Star Aias Aosman muss draußen bleiben, für ihn kommt Moussa Koné. Gleich mal ein riskanter Ausflug von Pentke, Erich Berko als letzter am Ball, gerade nochmal gut gegangen. Aber dann schenkt Lais sein Spielzeug ab, Koné wurstelt sich durch, der Schuss knapp am linken Pfosten vorbei (47.). Der Jahn holt sich gleich zwei Gelbe ab: Nachreiner und Knoll unterbinden den Spielaufbau – zuvor hatte Lais bereits in Hälfte eins auf den Karton geguckt. Die Hektik nimmt zu.

Der Jahn schenkt jetzt ungewohnt leicht die Bälle ab. Es fehlt die Souveränität der ersten Halbzeit, Hofrath spielt unnötig ins Aus, Nachreiner köpft die Kugel zurück zu Dresden, statt sie ins Aus zu lassen, daraus resultiert die erste gefährliche Kopfballflanke (58.). Konter auf Koné, Knoll zu langsam, Pentke gerade noch als erster am Ball (60.). Beierlorzer reagiert, bringt den massiveren Bene Gimber für den vorbestraften Lais (63.).

Dynamo beißt sich zum 1:0 durch

Und dann ist es passiert: Der SSV bringt der Ball nicht weg, immer wieder stürzen sich Dresdener in die Regensburger Verteidiger, Berko steht nach einer Saller-Kerze links außen völlig frei und kann in aller Ruhe einnetzen – 1:0 (65.). Endlich mal wieder eine gelungene Offensivaktion, allerdings eine Einzelleistung von Adamyan, der nach schönem Solo am letzten Mann hängenbleibt (69.). Immerhin, der Jahn kombiniert wieder, fast die nächste Chance, Abseits (70.).

Beierlorzer bringt Jonas Nietfeld für Mees, aber Geipl mit dem Fehler im Aufbau, Konterchance zum Glück für den Jahn nicht geschickt ausgespielt (74.). So, jetzt darf auch noch Sebastian Stolze sein Glück für George versuchen (77.). Knolls Freistoß aus 40 Metern, der Pass wird zur Ecke geklärt – und dann die Doppelchance für den Jahn nach Berko-Bock, Schubert lachender Dritter (80.). Nächster Freistoß Knoll, den Abpraller macht Hofrath aus 16 Metern weit daneben (84.).

Der Jahn hängt sich rein, mehr als Halbchancen springen nicht raus – Grüttners Kopfball knapp drüber (90.). Und auch das letzte Chaos übersteht Dynamo, weil sich Adamyan, anstatt aus 5 Metern draufzuhalten, nochmal durchwuseln will. Aus, die schöne Serie gerissen, die Generalprobe fürs Fußballfest gegen Fortuna Düsseldorf (2./44 Punkte) am kommenden Freitag, 18.30 Uhr vermasselt.

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