01.04.2018 - 14:27 Uhr
RegensburgOberpfalz

Au(e) weia: Es gibt sie, die Mannschaften, die Regensburg nicht liegen – aktualisiert mit PK Jahn prallt an Erzgebirgsmauer ab

Die Ausgangslage war klar für Jahn Regensburg: Mit einem Sieg gegen den Tabellen-16. Aue hätte sich der SSV 13 Punkte Vorsprung vor dem Relegationsplatz sichern können – eine Lebensversicherung mit Blick nach oben. Nach der 1:3-Niederlage gegen die Lilablassblauen vor den anstehenden schweren Auswärtsspielen in Kaiserslautern und Fürth hat der Tabellenfünfte nur noch sechs Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatzinhaber Heidenheim.

Pascal Köpke bejubelt seinen Todesstoß zum 1:3 gegen Regensburg. Bild: dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Schwacher Auftritt des Tabellenvierten: Zwar stimmen wie immer Einsatz und Wille, dafür mangelt es am Ostersonntag vor gut 11.000 Zuschauern an Genauigkeit und Spielwitz. Mit mehr Ballbesitz allein kann man nicht punkten. In der ersten Hälfte reichen die Bemühungen der Hausherren gerademal für zwei halbwegs gute Chancen. Die Gäste machen nicht mehr als das Erwartbare: Sie suchen die Lücken, die das Oberpfälzer Pressing immer zulässt – und produzieren aus drei Konterchancen ein 2:0 durch Pascal Köpke (27.) und Ridge Munsy (43.).

In der zweiten Hälfte nur ein kurzer Hoffnungsschimmer für Rot-Weiß: Als Marvin Knolls abgefälschter Freistoß zum 1:2 (50.) in die Maschen segelt, geben die Oberpfälzer mächtig Gas, den Auern fliegen die Bälle im Strafraum nur so um die Ohren – aber in der stärksten Phase der Hausherren kontern die Sachsen abermals eiskalt: Köpke knockt den Aufsteiger im Alleingang mit dem 1:3 (57.). aus.

Was folgt, ist mehr Regensburger Verzweiflung denn Aufholjagd: Die eingewechselten Stürmer Sebastian Freis und Al Ghaddioui zeigen allzu deutlich, warum sie bislang nur zweite bis dritte Wahl waren. Unterm Strich bringen die Gäste einen ungefährdeten Auswärtssieg über die Bühne und verbessern sich auf Rang 15 (36 Punkte).

Drews: „Wir standen defensiv sehr, sehr gut“

„Wir haben uns heute drei schöne Punkte geschenkt selber“, beschreibt Aue-Trainer Hannes Drews das Resultat der Gäste-Bemühungen. Man habe erfolgreich verhindert, Regensburg ins Spiel kommen zu lassen: „Sicher hatten sie viel Ballbesitz, aber wir standen defensiv sehr, sehr gut und haben dann gerade in der ersten Halbzeit aus den wenigen Chancen sehr viel gemacht.“

In der zweiten Halbzeit habe man gewusst, dass Regensburg mit Wut im Bauch aus den Kabinen kommen werde: „Dann passiert relativ früh der Anschlusstreffer, dann muss ich sagen, haben wir ein bisschen Probleme gehabt – dann macht Pascal Köpke das 3:1, das sicher noch einmal wichtig fürs Selbstbewusstsein war.“ Einziger Kritikpunkt: „Wir hätten den Deckel früher draufmachen müssen.“

Beierlorzer: „Rückstand gegen Aue ist keine gute Idee“

„Wir haben natürlich gewusst, wie Aue dieses Spiel gestalten wird“, beginnt Jahn-Coach Achim Beierlorzer sein Fazit, „eine extrem disziplinierte, extrem willige Mannschaft mit hoher Qualität – genau das haben wir leider Gottes heute erdulden und erleiden müssen.“ Man sei zu Beginn gut im Spiel gewesen mit der erforderlichen Geduld – bis zum 0:1: „Wo die Außenverteidiger relativ hochrücken, dass die 10er dann natürlich nach hinten mitarbeiten müssen, das ist nicht passiert, super Flanke nach innen, Köpke nimmt das Ding an – gegen Aue in Rückstand zu geraten, ist keine gute Idee.“

Beim 0:2 erneut der Fehler vor der Kette: „Und weil wir dann nicht kompromisslos genug verteidigen, da war’s klar, dass es ein ganz, ganz schweres Spiel für uns wird.“ Man sei nach der Pause zwar zurück ins Spiel gekommen, aber wenn man es insgesamt zusammenfasse: „Wir haben es gegen eine sehr gute Mannschaft verloren.“ Ein Spiegelbild der Liga, jeder könne jeden schlagen: „Insofern sind wir sehr gut beraten, die nächsten Spiele 100 Prozent anzugehen.“ In Kaiserslautern wolle man wieder angreifen: „Wir werden weiter punkten, wir werden wieder aufstehen.“ Es bleibe eng bis zum Schluss.

Nachreiner fehlt der Jahn-Abwehr

Jahn-Chefcoach Achim Beierlorzer muss nach Sebastian Nachreiners Verletzung umstellen: Asger Sörensen rückt in die Innenverteidigung, Jonas Nietfeld erhält außerdem den Vorzug vor Joshua Mees. Aues Trainer Hannes Drews bringt auf der linken Abwehrseite für den angeschlagenen Dennis Kempe Sebastian Hertner.

Das geht zu schnell für den Jahn, langer Ball auf Dimitij Nazarov, der legt im Strafraum quer auf Munsey, Regensburg spielt auf Abseits, der Schweizer zieht am kurzen Eck ab, Pentke rettet zur Ecke (3.). Witzige Idee von Fabian Kalig, Nietfeld wäre vorbei, da hängt er sich wie Oma am Arm ein, Gelb (14.) – Freistoß abgewehrt.

Aue kontert sich durch Regensburgs Löcher

Ballgewinn Regensburg, Sargis Adamyan geht über links, gute Flanke auf Jann George, der Kopfball in die Arme von Keeper Martin Männel (19.). Auf der anderen Seite wieder eine gefährliche Freistoßflanke von Routinier Christian Tiffert, zu kurz geklärt auf Nazarov, Grüttner schmeißt sich in den Ball – wie bei jeder Aktion mault der Schütze des Siegtors vom Hinspiel und will hier ein Handspiel gesehen haben (22.).

Knoll verschenkt etwas großzügig den Einwurf, Aue macht das Spiel schnell über rechts, Nazarov mit scharfer Flanke in die Mitte, Saller verpasst, Pascal Köpke kann sich die Kugel aus zehn Metern halblinks zurechtlegen und verwandelt ins rechte Eck, 1:0 (27.). Nach langer Orientierungsphase endlich mal wieder ein Regensburger Abschluss, Flanke Nandzik, Grüttner per Kopf drüber (37.).

Konter Jahn, Marc Lais schussbereit vom 16er – ein Auer kommt im entgegen, in Rückenlage zielt er drüber (38.). Adamyan mit einem Kunstschlenzer ins Nichts, worüber sich der besserpostierte Grüttner mächtig aufregt – im Gegenzug zeigt Aue, wie einfach Fußball gehen kann: Weiter Ball nach rechts, Querpass auf Ridge Munsy, der umkurvt George und Sörensen und netzt rechts halbhoch ein, 2:0 (43.).

Trügerische Hoffnung

Jahn-Trainer Beierlorzer bringt nach der Pause Mees für den heute enttäuschenden George. Adamyan marschiert auf die Abwehr zu, aber anstatt Grüttner in die Gasse zu schicken, schießt er ihn an – die beiden haben heute noch keine Freundschaft geschlossen. Aue kontert weiter, Munsy ist durch, Pentke stellt sich in den Ball (49.). Freistoß an der Strafraumgrenze, gute Position für Knoll, ein Auer Kopf fälscht unhaltbar zum 1:2 ab (50.).

Der Jahn jetzt endlich wiederzuerkennen, macht aggressiv Druck, um das Erzgebirger Abwehrbollwerk hagelt es scharfe Bälle, einmal wird Nietfeld an der Grenze zum Elfer weggedrückt, dann wieder eine Kugel gerade noch zur Ecke geklärt. Aber es bleibt dabei: Die Gäste kontern eiskalt, langer Ball auf Köpke, Knoll kommt nicht hinterher – des Altnationalkeepers Sohnemann mit feinem Abschluss, 1:3 (57.).

Offener Schlagabtausch

Der Jahn geht jetzt volles Risiko, die Veilchenblauen bekommen Chancen genug, den Dreier einzusacken, die Flanken der Regensburger noch immer zu ungenau. Das wär’s gewesen, zu kurze Kopfballabwehr im Auer Strafraum, Mees pflückt sich die Kugel runter, zirkelt das Ding knapp vorbei (67.). Zum wiederholten Mal versucht sich Adamayan mit einem völlig verunglückten Schuss in Strafraumnähe: Kopf hoch und auf die Mitspieler achten (69.)!

Sebastian Freis darf es versuchen, Bene Gimber muss runter – noch mehr Risiko geht nicht (70.). Letzter Wechsel beim Jahn, Al Ghaddioui für den fix und fertigen Nandzik (78.). Aus dem Zufall geboren, ein hoher Ball in den Strafraum, Nietfeld legt mit Köpfchen für Freis ab, volley neben den Pfosten (81.). Im Gegenzug fünf Auer gegen drei Regensburger, aber sie bringen die Kugel nicht an Pentke vorbei. Nochmal die Chance zum Anschluss, langer Ball auf Grüttner, der fällt leicht bedrängt kurz vorm möglichen Abschluss aus acht Metern (85.).

Flattern jetzt die Nerven?

Mehr ist nicht: Drei Minuten Nachspielzeit reichen den Gastgebern noch nicht mal zum Anschlusstreffer – die „Auswärtssieg“-Chöre aus dem Gästeblock schwellen an, Aue ist zurück in der Liga, dem SSV Jahn stehen die schwersten Wochen dieser Saison bevor: Behalten die Regensburger jetzt die Nerven – oder kippt eine sensationelle Spielzeit auf den letzten Metern?

Fakt ist: Sowohl Kaiserslautern (4:1 in Duisburg) als auch Fürth (2:1 gegen Berlin) haben eine beeindruckende Aufholjagd hingelegt. Die beiden Gastspiele am Betzenberg, Sonntag, 8. April, 13.30 Uhr, und bei den Mittelfranken, Freitag, 13. April, 18.30 Uhr, geraten zur Zweitliga-Reifeprüfung.

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