Benno Möhlmann will Siegesserie gegen Jahn Regensburg fortsetzen
Preußen Münster letzter Gast vor der Winterpause

Der Triumphator von Chemnitz: Hoffentlich hat Marco Grüttner nach seinem Hattrick in Chemnitz nicht sein ganzes Pulver verschossen. (Foto: Sascha Janne)
Sport
Regensburg
16.12.2016
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Mit ihm kehrt Preußen Münster in die Erfolgsspur zurück: Trainer Benno Möhlmann, der seine Profikarriere beim SCPM begann. (Foto: dpa)
 
Vor allem die rechte Abwehrseite war beim 0:1 im September 2014 die Achillesferse der Regensburger gegen Münster. Bild: Herda
Regensburg: Continental-Arena |

Tatort Regensburg: Die Münsteraner (15./21 Punkte) haben eine weite Anfahrt vor der Brust. 590 Kilometer sind für das Gründungsmitglied der Bundesliga die größte Entfernung in dieser Liga. Mit den Oberpfälzern (12./24) machten die Westfalen bislang gemischte Erfahrungen: drei Siege, ein Remis, zwei Niederlagen. Am Samstag, 14 Uhr, möchte Preußen-Trainer Benno Möhlmann nach vier Siegen in Folge, das 0:1 gegen Paderborn als Ausrutscher vergessen lassen.

Es gibt eine Zeit vor und eine Zeit mit dem 62-jährigen Niedersachsen: Möhlmann kam im Oktober zum Tabellenletzten, schaute sich zwei Spiele an und siegte dann viermal. Mit dem ehemaligen HSV- und Löwentrainer arbeitete sich das Tabellenschlusslicht hoch auf die Nichtabstiegsränge – mit einem Sieg in Regensburg kann der Ehrenpräsident der Vereinigung der Vertragsfußballspieler sein inzwischen achtes Team als Trainer mit dem Aufsteiger gleichziehen lassen.

Rückkehr zu Möhlmanns Wurzeln

Für Möhlmann, der in den letzten Jahre schon etwas durchgereicht wurde, ist die Station Münster eine Rückkehr zu den Wurzeln – hier begann der Mittelfeldspieler seine Profikarriere, schoss in 150 Spielen 27 Tore, ehe er 1978 nach Bremen wechselte. Es ist bei den Preußen – anders als in Regensburg – nicht wie bei armen Leuten: Am Freitag hebt der SC vom Flughafen Münster-Osnabrück allerdings ohne die Verletzten Ole Kittner, Amaury Bischoff und Bennet Eickhoff ab.

„Jahn Regensburg ist ein spieltechnisch starkes Team“, findet der Norddeutsche, „das Fußball spielen will.“ Man müsse verhindern, dass die Rot-Weißen in ihren Flow kämen: „Wir dürfen den SSV nicht ins Spiel kommen lassen.“ Wenn die Regensburger ihre Chancen bekämen, seien sie brandgefährlich. Bei allem Respekt hält er den Aufsteiger aber nicht für unschlagbar: „Die sind uns auch nicht total überlegen“, sagt er augenzwinkernd. Die Liga sei eben ziemlich ausgeglichen. Und auch die 0:1-Schlappe gegen den heißen Mitbewerber auf einen Abstiegsplatz, den SC Paderborn, sei kein Beinbruch: Spielerisch sei man „gegen Zwickau oder Chemnitz auch nicht besser“ gewesen, hätte aber gewonnen.

Herrlich: „Wenn die Leute das sehen könnten ...“

Beim SSV Jahn sind bis auf die Langzeitverletzten um Markus Palionis wieder alle an Bord. „Das wäre ein runder Abschluss, wenn wir noch mal eine tolle Leistung bieten würden beim letzten Heimspiel“, formuliert Trainer Heiko Herrlich seinen Weihnachtswunsch. „Mit viel Leidenschaft, viel Kampf und Teamfähigkeit, wenn die Leute das nochmal sehen könnten, wie wir oft hier aufgetreten sind und am besten natürlich mit drei Punkten dazu.“ Nach den Gesprächen mit den Spielern, habe er schon Gefühl, dass sie den Hunger hätten, den Fans dieses Weihnachtsgeschenk zu präsentieren.

Herrlich habe Preußen Münster vor der Saison höher eingeschätzt. „Der Kader gibt's eigentlich auch her.“ Sie seien sehr ambitioniert in die Vorbereitung gestartet, hätten dann einige Durststrecken durchlebt. „Sie haben sich dann gefangen, eine tolle Serie hingelegt – jetzt gegen Paderborn wieder einen kleinen Rückschlag erlitten." Aber die Liga sei eben auch so eng: „Man hat schnell auch wieder den Anschluss nach vorne.“

Münsteraner Wunsch und Wirklichkeit

Wunsch und Wirklichkeit klaffen momentan bei den Münsteranern freilich in mehr als einer Frage auseinander: Der Verein, der gerade noch im Keller der Dritten Liga verharrte, sieht seine Perspektive mittelfristig in der Bundesliga. Deswegen fordert das Präsidium schon lange ein erstligataugliches Stadion – was der Stadtrat 2003 auch so beschlossen haben soll.

Davon will aber offenbar zumindest die CDU nichts mehr wissen. „Ein Stadion für einen Profiverein ist keine kommunale Aufgabe“, sagt CDU-Ratsherr Dietmar Erber. Da sieht man mal, welches Glück Jahn Regensburg mit seinen politischen Entscheidungsträgern und Sponsoren hatte – auch wenn das möglicherweise nicht immer völlig „political correct“ abgelaufen sein mag.

Toiletten-Insekt als Tier des Jahres

Morgen sei jedenfalls wieder bedingungslose „Scheißhausfliegen-Mentalität“ gefragt – um einen Begriff zu wählen, den Pressesprecher Martin Koch in die engere Auswahl für die Wahl zum Wort des Jahres aufgenommen wissen will – um Münster gar nicht erst ins Spiel kommen zu lassen. Für Euphorie habe es aber auch nach dem 3:0 in Chemnitz keinen Grund gegeben – schließlich habe man davor sieben Spiele lang nur magere vier Punkte gesammelt. Der Trend müsse wieder Herrlichs friend werden: „Wir müssen schauen, dass wir die drei Punkte da belassen, und ich halte das auch für möglich.“

Am Samstag hat der Trainer die Qual der Wahl, nachdem er allen Spielern eine tolle Leistung quittiert. „Andi Geipl war ja gesperrt – wenn man jetzt das Jahr 2016 nimmt, hat er die konstanteste Leistung gebracht.“ Immer auf höchstem Niveau habe die „Hauptidentifikationsfigur hier immer alles gegeben für den Verein“. Dennoch sei sich Herrlich noch nicht ganz schlüssig, ob er ihn von Anfang an bringe, oder zunächst auf die Doppel-6 mit Benedikt Saller und Marc Lais setze wie in Chemnitz, „die das auch sehr gut gemacht haben“.

Zum Glück: Münster kein echtes Kellerkind

Die verflixten Spiele gegen Mannschaften aus dem Tabellenkeller: „Die Liga ist sehr homogen, jeder kann jeden schlagen“, versucht sich der Trainer erneut an einer Erklärung, „dennoch ist es natürlich augenfällig, dass wir es gerade gegen Mannschaften wie Bremen, Mainz und Zwickau, die hinter uns stehen, nicht geschafft haben, Punkte mitzunehmen“ – gegen obere Mannschaften aber Überraschungen gelungen seien. Von der Psychologie her sei es eben leichter, wenn die Erwartungshaltung geringer sei. „Damit tut sich meine Mannschaft schwer – Münster würde ich nicht in die Kategorie stecken, weil sie von mehreren Trainerkollegen sogar als Aufstiegsfavorit genannt wurden.“

Der Winterfahrplan: „Wir haben nach der kurzen Sommerpause beschlossen, dass die Spieler drei „Wochen Urlaub bekommen“, findet Herrlich, dass sich die Spieler auch Erholung verdient hätten. Für die anschließenden drei Wochen Vorbereitung sieht Herrlich einen drei-Stufen-Plan vor: Erst müssten die Verletzten, dann die Spieler mit weniger Spielpraxis und dann erst die Stammspieler voll ran, bevor es am Samstag, 28. Januar, 14 Uhr, nach Rostock geht.
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