07.09.2017 - 21:18 Uhr
RegensburgSport

FC Heidenheims Schnatterer scharf auf Regensburg SSV Jahn hat Heiden-Respekt

Er hat den SSV Jahn mit in Liga 2 geschossen: Am Freitag, 18.30 Uhr, will Kolja Pusch Regensburg (14.) freilich lieber in die Krise schießen. Der 24-jährige Mittelfeldspieler des 1. FC Heidenheim (15.) wartet noch auf seinen ersten Treffer in der Zweiten Liga. „Wenn ich da mein erstes Tor machen würde, würde ich mich riesig freuen“, sagt Pusch vor dem wegweisenden Duell beider Mannschaften, die nach vier Spielen erst drei Punkte am Konto haben.

Jahn-Trainer Achim Beierlorzer gegen Kiel etwas ratlos: Bild: dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Die Favoritenrolle sieht Pusch beim Gastgeber: „Weil wir top motiviert und top eingestellt sind, zu Hause auf Sieg spielen und weil wir bei Standards deutlich besser sind als Regensburg.“ Das dunkelste Kapitel in der jüngsten Jahn-Geschichte (nach dem Abgang von Trainer Heiko Herrlich nach Leverkusen) erklärt er so: „Mein Berater war ja schon länger mit Heidenheim in Kontakt, wovon ich erst nach dem Spiel gegen die Löwen erfahren habe.“ Daher das Jahn-Bekenntnis in der ersten Euphorie.

„Für mich war es wichtig, dass sich in Heidenheim die Dinge in den letzten Jahren Stück für Stück nach oben entwickelt und kontinuierlich verbessert haben.“ Die hohe Kontinuität auch beim Trainerteam und den Verantwortlichen – wichtig für die Struktur im Verein – habe ihn dazu bewegt, den Vertrag zu unterschreiben.

Frank Schmidt: „Starkes Kollektiv“

FCH-Trainer Frank Schmidt nimmt die Oberpfälzer vor allem als „starkes Kollektiv“ wahr. Regensburg habe in der Defensive aufgerüstet, spiele gut nach vorne und sei im Zentrum extrem präsent. „Sie halten sich nicht lange mit Ballbesitz auf, sondern suchen das schnelle Spiel in die Spitze – vorwiegend mit flachen Bällen.“ Den 4:2-Sieg der Oberpfälzer beim Bundesligaabsteiger Ingolstadt, den er vor Ort mitverfolgt habe, hänge er nicht zu hoch: „Das war nicht unverdient, jedoch hätte das Spiel in alle Richtungen kippen können.“

Am Freitag rechne Schmidt mit „offenem Visier“ beider Mannschaften: „Wir müssen den Sieg einfach ein bisschen mehr wollen und es dann auch zeigen“, fordert der Chef-Heidenheimer. „Wir wollen im Heimspiel das Heft in die Hand nehmen und Druck auf den Gegner ausüben, um ihn damit zu Fehlern zu zwingen.“ Das könne man nicht, wenn man sich ausschließlich auf die Defensive konzentriere.

Achim Beierlorzer: „Welche Pleite?“

Pleite sei ein irreführendes Wort, hat Achim Beierlorzer die Niederlage gegen Kiel abgehakt. „Wir haben eigentlich vier kontinuierlich gute Spiele gespielt“, erklärt der Trainer des SSV Jahn. Auch wenn man zweimal nicht gepunktet habe. „Insofern war das Spiel ein Ausrutscher.“ Deswegen komme er nicht groß ins Grübeln. „Wir haben ein ganz klares Saisonziel ausgegeben“, sieht sich Beierlorzer noch nicht unter Siegzwang. „Wir wissen, dass jedes Spiel in dieser Liga extrem schwer ist.“ Man müsse immer die 100-Prozent-Marke erreichen. Dennoch: „Ich spüre nicht den Druck, der auch von Ihrer Seite immer wieder herangetragen wird“, findet er entsprechende Fragen reichlich überflüssig.

Man habe am Montag einen überragenden Trainingstag erlebt, genauso wolle man am Freitag in Heidenheim unterwegs sein. An Einsatz und Willen habe es der Mannschaft zu keinem Zeitpunkt gefehlt, sondern allein an der Umsetzung. „Natürlich könnte es, ich betone Konjunktiv, könnte es, bei dem einen oder anderen den Gedanken gegeben haben, ,jetzt haben wir Ingolstadt besiegt, jetzt zeigen wir es denen‘.“ Aber solche Fantasien seien im Vorfeld thematisiert worden: „Wir bereiten die Spieler ja auch mental vor und haben das immer als ganz, ganz schwieriges Spiel tituliert.“

Beierlorzer sei gespannt, wo Holstein Kiel am Ende lande: „Mit so viel Speed vorne drin und so viel Aggressivität in der Defensive, das haben die richtig gut gemacht – und wir nicht gut.“

Ballbesitz gegen Kötzting und Kornburg

Nach den augenscheinlich leichten Ballverlusten gegen Kiel, sei es Beierlorzer bei den Trainingsspielen in Kornburg und Kötzting wichtig gewesen, dass sein Team Ballbesitz demonstriere. „Das haben wir sehr gut umgesetzt, 13 Tore geschossen, ist ja auch nicht selbstverständlich gegen Mannschaften aus der Bayern- und Landesliga – das war so unser Schwerpunkt.“ Heidenheim sei eine schwierige Aufgabe: „Das ist eine Mannschaft, die uns alles abverlangen wird.“

Auch der Gastgeber habe eine heikle Situation vor der Brust: „Wenn wir punkten wollen, müssen wir unsere Leistung abrufen – sowohl gegen als auch mit dem Ball.“ Da gebe es klare Anforderungen an die Mannschaft. „Das setzt sie auch immer wieder gut um im Training.“ Im etwas wilden Spiel in Ingolstadt habe ihm die Dominanz gefehlt. „Die hatten wir gegen Darmstadt und das ist unser Ziel für Freitag, mit Ball Kontrolle auszuüben.“

FCH: Einheit mit tragenden Säulen

Heidenheim hinke derzeit zwar hinter den eigenen Erwartungen zurück, sei gleichwohl eine gewachsene Einheit, bei der Coach Frank Schmidt oder Kapitän Marc Schnatterer seid langer Zeit tragende Säulen seien. „Das ist eine Mannschaft, die uns alles abverlangen wird, die auch jetzt wieder mit Kevin Kraus und Norman Theuerkauf zwei Spieler wieder im Kader haben werden, die sie verstärken.“

Die nicht geplanten Niederlagen wie zu Hause gegen Duisburg mache die Aufgabe nicht einfacher: „Schnatterer legt den Fokus jetzt erst recht voll auf Regensburg“, könne man im Kicker nachlesen. Die 0:1-Niederlage bei St. Pauli sei auch unglücklich genug gewesen.

Freis noch keine Option

Mit großen Veränderungen ist bei Regensburg nicht zu rechnen.“ Sowohl Sargis Adamyan als auch Asger Sørensen seien gut von der Länderspielreise zurückgekehrt. „Beide hatten Spiele“, freut sich Beierlorzer, „Sargis sogar von Anfang an – Gottseidank nur 54 Minuten.“ Das sei auch so abgesprochen gewesen mit dem Verband, dass er unmittelbar vor dem Heidenheim-Spiel nicht durchspiele.

Sturmhoffnung Sebastian Freis habe sich zwar toll in die Mannschaft integriert: „Es ist allerdings für Freitag noch zu früh“, bedauert Beierlorzer, „hoffen wir mal, dass wir ihn in ein, zwei Wochen auf Schlagdistanz haben.“ Und auch die Verletzten Oliver Hein, Johannes Stingl und Uwe Hesse seien noch keine Option. Die beiden Letzteren seien aber immerhin auf dem Weg zurück ins Mannschaftstraining.

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