Franz Gerber plant die Dritte Liga: "Sache mit Präsidenten ausgeräumt"
„Du wirst als Absteiger sowieso gejagt“

Franz Gerber will auch weiterhin die Richtung bei Jahn Regensburg vorgeben.
Sport
Regensburg
25.04.2013
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Franz Gerber will auch weiterhin die Richtung bei Jahn Regensburg vorgeben.
 
Als er kam, freuten sich alle zusammen: Aber auch Heilsbringer Franz Smuda brachte "ohne wenn und aber zu wenige Punkte".
 
Franz Gerber als Interimstrainer und Manager.

Die Emotionen kochten hoch. Kein Wunder, mit jeder weiteren Niederlage wuchs die Enttäuschung im Umfeld. Deshalb kann Sportchef Franz Gerber verstehen, dass sich der Unmut in einem Alleingang des Präsidenten manifestierte. Für Gerber war das "ein Ausrutscher", die Sache sei ausgeräumt.

Herr Gerber, seit der denkwürdigen, vielstimmigen Pressekonferenz und der anschließenden Rückenstärkung von Seiten des Präsidenten Ulrich Weber herrscht Stille – vor dem Orkan oder nach dem Sturm im Wasserglas?

Gerber: Im Moment beruhigt sich die Lage. Diese Sache ist ausgeräumt.

Sie klangen bei der PK authentisch überrascht, als Ihr Präsident verkündete, er habe mit dem Nachwuchskoordinator gesprochen, ob er im Falle eines vorzeitigen Abgangs Smudas übernehmen würde: Worüber reden Sie denn intern, wenn nicht über sportliche Fragen wie Trainerverpflichtungen?

Gerber: Der Präsident hat gesagt, er habe mit Robert Kilin gesprochen, ob er das Training aufnehme, wenn Smuda vorzeitig aufhöre. Dieses Recht nehme er sich als Präsident heraus. Mich hat das schon gewundert, weil das so nicht üblich ist im Fußball. Uli Weber hat eingesehen, dass er natürlich mal mit dem ein oder anderen sprechen kann, aber dass sich das, wenn‘s konkret wird, mit dem Sportdirektor abgesprochen gehört.

Sie gehen nicht davon aus, dass solche Alleingänge gegen Sie gerichtet sind?

Gerber: Davon gehe ich nicht aus. Die Presse nimmt das natürlich dankbar auf, wenn ohne den sportlichen Leiter mit anderen Leuten verhandelt wird. Der Uli (Anmerkung der Redaktion: Präsident Ulrich Weber) hat das revidiert, es war ein einmaliger Ausrutscher.

Wie würden Sie die Entscheidungsstrukturen und –prozesse im Verein beschreiben: Gibt es da klare Hierarchien und Kompetenzen?

Gerber: Ich würde das schon so sehen. Das kann auch nicht anders sein.

Sie sind ja nicht nur Geschäftsführer und Initiator der GmbH, sondern auch Gesellschafter: Würden Sie denn kampflos das Feld räumen, wenn es Gegenwind gibt?

Gerber: Nein, und das ist für mich aktuell überhaupt kein Thema. Ich habe lediglich gesagt, dass man reden müsse, wenn es von den Gremien oder den Fans einen großen Widerstand gebe, weil es immer schlecht ist, wenn so etwas zu Lasten des Vereins geht. Ich denke, trotz unseres bitteren Abstiegs – der natürlich Ursache der großen Enttäuschung ist – sind wir uns grundsätzlich einig, dass wir in den letzten Jahren die Strukturen und damit auch das Image des Vereins deutlich verbessern konnten. Die Gremien sprechen jetzt nicht mehr über- sondern untereinander. Wenn es Differenzen gibt, sollte man die soweit wie möglich ausräumen und dann einen gemeinsamen Weg beschreiten. Und wenn man eines Tages wirklich meint, es geht nicht mehr, dann muss man das auch professionell und ohne Schaden für den Verein regeln. Nicht dass wieder Geschirr zerdeppert wird – oder wie Sie so schön geschrieben haben: Lasst die Jahn-Tassen im Schrank.

Wir fassen also zusammen: Die Emotionen kochten in der schwierigen Phase hoch, als die Erkenntnis, „wir steigen ab“, so richtig durchschlug. Jetzt haben sich die Gemüter beruhigt und Sie arbeiten wieder gemeinsam an der Jahn-Zukunft?

Gerber: Davon gehe ich aus, ich bin ja mitten drin in den Saisonvorbereitungen für die Dritte Liga. Mir geht‘s um die Sache, um den Verein und ich stehe nachwievor voll dahinter. Es ist eingetreten, was uns vorher jeder prophezeit hat. Der DFB meinte, „ihr könnt mit 3,5 Millionen Euro die Liga nicht halten“. Gut, man kann einräumen, wir haben das Wunder nicht geschafft. Der Aufstieg war ein schöner Unfall, der kam zwei Jahre zu früh. Ich habe auch kein Problem damit, wenn man mir sagt, du bist da mit verantwortlich. Ich bin aber auch wirklich davon überzeugt, dass man vom Ergebnis nicht sagen kann, wir hätten alles falsch gemacht – ich will nicht wieder alles wiederholen, aber was wäre passiert, wenn uns Markus Weinzierl und das gesamte Trainerteam nicht einen Tag nach dem Relegationsspiel verlassen, wenn wir nicht über lange Strecken sechs, sieben Verletzte gehabt, nicht immer wieder Spiele auf Augenhöhe unglücklich in letzter Minute verloren hätten? Das muss bei aller Kritik berücksichtigt werden.

Würden Sie aus heutiger Sicht etwas anders machen?

Gerber: Natürlich ist man danach schlauer. Ich würde wahrscheinlich das Trainerprofil – jung, unbefleckt – heute anders formulieren. Nochmal, ich bin mir immer noch sicher, dass Oscar Corrochano ein Fachmann war, aber das kompensierte nicht, dass er die Zweite Liga nicht kannte. Trotzdem glaube ich, dass alles anders gelaufen wäre, wenn wir das Köln-Spiel gewonnen hätten. Wenn du ein Spiel mit diesem Ablauf zehnmal spielst, gewinnst du es acht Mal. Ich denke, den Druck, der dadurch von Spiel zu Spiel wuchs, hätte ein erfahrener Trainer besser abgefangen. Wir sind nie in einen Lauf gekommen wie Aalen, wir hatten das Glück nicht – das ging schon mit dem verschossenen Elfmeter bei den Löwen los.

Wir beurteilen Sie die kurze Ära Smuda?

Gerber: Wir waren alle froh, als er zusagte, das konnte ja erst keiner glauben. Wir wussten, es kommt da jetzt ein Trainer, der mit harter Hand alles regelt. Aber ohne wenn und aber, die Ergebnisse stimmen halt nicht. Man hat von einem Franz Smuda erwartet, dass er vielleicht das Ruder rumreißt. Jetzt müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass er bisher fast immer nur mit Spitzenleuten gearbeitet hat. Er selbst ist ja auch enttäuscht, weil er glaubte, er könnte seine Erfahrung schneller vermitteln. Das ist leider nicht gelungen. Das Maß seiner Enttäuschung merkt man ihm an, wenn er immer wieder sagt, „das sind halt keine Bundesligaspieler“. Aber woher sollten wir die nehmen? Wir haben mit vielen erfahrenen Spielern geredet, die aber lieber nach Duisburg oder Bochum gingen. Aber auch unter Smuda waren wir oft sehr nah dran – du musst in Cottbus, auf St. Pauli gewinnen. Oft ist Fußball rational nicht zu erklären. Wir kamen in einen negativen Lauf, den wir nicht drehen konnten.

Wie weit sind Sie mit der Planung für die neue Saison?

Gerber: Ich bin voll in der Planung. Wir wollen eine vernünftige Drittligamannschaft zusammenstellen. Sicher müssen wir damit rechnen, dass uns zwei, drei Spieler weggekauft werden, aber dann erzielen wir wenigstens seit Jahren erstmals wieder Transfererlöse.

Gibt es denn schon konkrete Anfragen?

Gerber: Sembolo wird umworben, bei dem einen oder anderen gibt es Signale, wie bei Oli Hein. Lieber wäre es uns, wenn sie dablieben. Aber es nützt auch nichts, wenn man einen sportlich unzufriedenen Spieler mit Gewalt halten will. Herschenken werden wir jedoch auch keinen, zumindest solange ich die Verträge mache.

Um welche Summen geht es denn da?

Gerber: Das kommt auf die Spieler und auf den interessierten Verein an …

… das dachte ich mir …

Gerber: … ob ein niedrigklassiger Verein oder der 1. FC Köln kommt.

Über Sembolo liest man, er habe einen Marktwert von 600.000 Euro?

Gerber: Dann hätte er das Doppelte an Toren schießen müssen …

… also ist er nur die Hälfte wert …

Gerber: (lacht) Nein, das muss man sauber aushandeln.

Anders gefragt: Wir gehen immer davon aus, dass etwa 15 Spieler unter Vertrag stehen – reicht denn dafür das geplante Budget?

Gerber: Wir lägen mit den Löhnen derzeit knapp drüber, aber wenn wir einige verkaufen, müsste es reichen. Und wir gehen derzeit auch nur mit einem sehr niedrig kalkulierten Etat ran, arbeiten aber nachdrücklich an einer modertaten Anhebung.

Alle schwärmen von der Zweiten Liga, aber die Mannschaften in der Dritten sind auch nicht ohne – und man weiß wenigstens, wann und wo man die Zusammenfassungen im Fernsehen sieht. Haben wir vielleicht die Dritte Liga zu schlecht geredet?

Gerber: Wir dürfen die 3. Liga auf keinen Fall unterschätzen. Jeder weiß, wir müssen mangels Fernsehgelder den niedrigen Etat noch deutlich nach oben korrigieren …

… mit neuen Sponsoren?

Gerber: … über Sponsoren und Investoren. Aber Sie haben Recht, wenn man mehr Fernsehgelder bekommen würde, ist die 3. Liga nicht unattraktiv – von den Vereinen her, vom Niveau. Die muss man ganz seriös angehen. Du wirst als Absteiger sowieso gejagt. Karlsruhe hatte einen dreimal so hohen Etat in der Dritten wie wir in der Zweiten.

Nationaltrainer Smuda hat sich angeboten, Tipps zu Spielern beizusteuern – hilft uns das weiter?

Gerber: Er kennt sich in Polen und auch anderswo bestens aus, da wären wir sehr dankbar.

Wonach fahnden Sie, wieder nach jungen Wilden oder dieses Mal auch nach erfahrenen Kempen?

Gerber: Wir brauchen beides. Hauptsächlich natürlich junge, talentierte Perspektivspieler, die sich bei uns entwickeln können, aber auch einige erfahrene.

Wie hoch muss der Etat sein, damit der Jahn eine gute Rolle in der Dritten Liga spielen kann?

Gerber: Um eine vernünftige Rolle zu spielen, brauche ich – und ich sage bewusst ich – mindestens zweieinhalb Millionen Euro. Der Schnitt der Liga liegt bei 3,4 Millionen Euro, aber ich bin mir sicher, dass ich es mit weniger hinbekomme.

Was muss geschehen, damit wir nicht wieder in einen Aufstieg reinstolpern, ohne die Folgen zu beherrschen?

Gerber: Richtig draufsatteln werden wir erst mit dem neuen Stadion können, dann erst werden wir voll konkurrenzfähig sein, weil bis dahin wichtige Einnahmen fehlen. Wir werden die nächsten zwei Jahre überstehen müssen. Dann sollte das Ziel unbedingt wieder Aufstieg heißen.

Schielen Sie noch ein klein wenig auf den vorletzten Platz im Falle eines Lizenzentzugs?

Gerber: Das wäre total auf Sand gebaut. Ich bin überzeugt, dass Aalen und die Löwen sowieso ihre Finanzen geregelt bekommen. Und die Entscheidung wird außerdem erst nach dem Relegationsspiel fallen.

Wie würde das dann aussehen, wenn Aalen das Relegationsspiel bestreitet und danach keine Lizenz bekommt?

Gerber: Würde Aalen gewinnen und nachträglich auf dem Grünen Tisch aus der Liga entfernt, würde der Nächste in der Tabelle nachrücken. Gewinnt der Drittligist, ist das Makulatur und es bleibt beim Abstieg.