Franz Gerbers Vertrag mit 1860 war unterschriftsreif
Der Scheich und der Schlangen-Franz

Franz Gerber. Bild: Herda
Sport
Regensburg
30.06.2017
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Regensburg/München. Das Exotischste, was wir von Franz Gerber kennen, ist ein Foto mit Schlange. Fragt man ihn danach, kann er sich kaum daran erinnern: "Was für eine Schlange?", fragt er mit dem Alt-Münchener Tonfall eines Monaco-Franze. Sehr lebendig ist der ehemaligen Ikone von 1860 München dagegen die Begegnung mit einem anderen Exoten: "Ja, ja," sagt der Franz unserer Zeitung, "das stimmt, der Vertrag war unterschriftsreif." Ist ja auch noch nicht so lange her.

Echter Münchener

Die Rede ist natürlich vom Löwen-Scheich Hasan Ismaik. Der ungeliebte Investor wollte nach dem blamablen Absturz der Münchener den ehemaligen Sportchef von Jahn Regensburg unbedingt als Löwen-Manager installieren: "Franz Gerber ist ehemaliger Trainer und Manager von zahlreichen deutschen Clubs und, besonders wichtig, ein ehemaliger 1860-Spieler, der in München lebt", begründete Ismaik seine Wahl in einer Stellungnahme. "Es ist mir unbegreiflich, wie Herr von Bennigsen und Herr Dr. Drees glauben können, ihr Kandidat sei eine bessere Wahl als Herr Gerber."

Der Sport-Manager trägt die gescheiterte Übernahmen der Löwen mit Fassung: "Mir war schon klar, dass das schwierig werden würde", räsoniert er über einige turbulente Wochen in unmittelbarer Nähe zur Löwengrube. "Die anderen wollten unbedingt ihren Insolvenz-Experten durchsetzen", sah Gerber wenig Aussicht auf Erfolg. "Aber Ismaik hat gemeint, ,vielleicht bringe ich das doch durch, es spricht ja alles für Sie, Ihre Erfahrung, Ihre Löwen-Vergangenheit und dass Sie Münchener sind'."

Doch die Fronten blieben verhärtet: "Die drehen da irgendetwas, um den Investor loszuwerden", vermutet Gerber. "Es ist ja Wahnsinn, die haben ja noch nichts geklärt, da kann keiner unterschreiben, keiner weiß, wie's weitergeht." Für Gerber unbegreiflich, wie man einen Verein mit solchen Voraussetzungen so ruinieren könne. "70 Millionen Euro hat der Ismaik da reingesteckt", sagt er entsetzt, "70 Millionen." Da muss das Löwenherz eines Sportchefs bluten, der nicht nur bei St. Pauli und Jahn Regensburg, um jeden Hunderter betteln musste.

Ärger um Jahn-Anteile

Apropos betteln: Noch hält der Schlangen-Franz Anteile in Höhe von 300 000 Euro bei der SSV Jahn GmbH & Co. KGaA - Geld, dass er dem Verein in höchster Insolvenz-Not zugeschossen hatte, damit der Proficlub aus dem Hauptverein ausgegliedert werden konnte. Eine Summe, die für Gerber viel Geld bedeutet, für Bauunternehmer Tretzel lediglich Peanuts waren. "Und jetzt wollen die alle Anteile zusammen auf eine Million abwerten", ärgert sich Gerber. "Tretzel allein hatte so 8 Millionen eingezahlt." Sein Rechtsanwalt sei dran.
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