08.04.2018 - 13:31 Uhr
RegensburgOberpfalz

Frühe Jahn-Führung reicht dem SSV am Betzenberg nur zur Punkteteilung Kaiserslautern schafft mit Ach und Krach den Ausgleich

Die Regensburger drehen in den ersten zehn Minuten vor knapp 28.000 Zuschauern am Betzenberg wie ein Aufstiegsaspirant auf und gehen folgerichtig durch Bene Saller mit 1:0 in Führung (6.). Leider stellt der Aufsteiger dann das schöne Spiel ein und beteiligt sich am hektischen Kick and Rush – ein Konter in Hälfte zwei reicht dem 1. FC Kaiserslautern zum 1:1 durch Sebastian Andersson (73.).

Da war mehr drin für den Aufsteiger: Jahn Regensburg lässt gegen nervöse Teufel beste Chancen liegen. Bild: Sascha Janne
von Jürgen Herda Kontakt Profil

 Kapitän Marco Grüttner fehlt heute Gelb-gesperrt – und das macht sich im Abschluss bemerkbar. Sargis Adamyan, Joshua Mees und Hamadi Al Ghaddioui vergeben beste Chancen. Letzterer scheitert aus vier Metern am roten Mann auf der Linie. Nach dem 1:3 gegen gegen Aue muss Jahn-Trainer Achim Beierlorzer am Betzenberg zwei Positionen neu besetzen: Joshua Mees beginnt für Grüttner, Sebastian Stolze darf für Jann George in die Startelf. Positive Nachricht: Oli Hein steht heute nach langer Verletzungspause wieder im Kader.

Beierlorzer: „Gemischte Gefühle“

„Gemischte Gefühle“, bringt Jahn-Trainer Achim Beierlorzer mit zur Pressekonferenz, „natürlich sind wir froh, dass wir nicht mit leeren Händen aus Kaiserslautern wegfahren.“ Man habe was mitnehmen wollen: „So sind wir auch in der ersten Hälfte aufgetreten, dass wir vorne attackiert haben.“ Ergo sei nach der zweiten Standardsituation das 1:0 gefallen. „Insgesamt hatten wir vielleicht ein bisschen bessere Chancen, aber ich bin nicht vermessen und sehe schon auch die Chancen von Kaiserslautern, und da hat Philipp Pentke zweimal hervorragend gehalten.“

„Ein bisschen einfach ist das 1:1 gefallen“, ärgert sich Beierlorzer, „da wünscht man sich zum Schluss den Lucky Punch.“ Wie bei dem abgefälschten Schuss, wo das ganze Stadion geguckt habe, wie der Ball am langen Pfosten vorbeigetrudelt sei. „Und natürlich die Riesenchance von Hamadi, wo er aus drei Metern leider Gottes den Gegenspieler anschießt.“ Dennoch, die 41 Punkte würden die letzten Spiele etwas leichter machen.

Frontzeck: „Auf keinen Fall mit gesenkten Köpfen rumlaufen“

FCK-Trainer Michael Frontzeck hat das Spiel „ähnlich gesehen“: „Ich glaube, dass wir heute sehr schlecht ins Spiel gefunden haben, 20, 25 Minuten offensiv nicht stattgefunden haben – das hat Regensburg gut gemacht.“ Der Gast habe verdient geführt. „Die letzte Viertelstunde vor der Pause war’s besser, ein, zwei große Chancen, die haben wir nicht genutzt.“ Verletzungsbedingt habe man dann zwei Umstellungen machen müssen.

„Was meine Mannschaft dann hinten raus gemacht hat – wie schwierig das ist, wenn aus dem Nichts plötzlich die Sonne scheint in ganz Deutschland und plötzlich 28 Grad sind – du läufst dem 1:0 hinterher, die Mannschaft hat alles auf den Platz gelassen, und hinten raus war’s dann wirklich so, dass wir uns den Lucky Punch gewünscht hätten, das war nicht der Fall.“ Auf keinen Fall dürfe man jetzt mit gesenkten Köpfen rumlaufen. Dass man so schlecht wie nie in den gemeinsamen zehn Begegnungen ins Spiel gekommen sei, „hat sicher auch mit dem Gegner zu tun“.

Wie auch sonst: Der SSV Jahn Regensburg beginnt mit dem üblichen Pressing und holt die erste Ecke – interessante Variante, Marc Lais mit Klasse Schlenzer, Müller hebt das Ding mit der Faust über die Latte (2.). Gleich noch ein Knoll-Freistoß aus knapp 30 Metern hinterher: flach in Müllers Arme (3.). Und die zweite Ecke für die Oberpfälzer: knapp verpasst.

Jahn erzwingt frühe Führung

Der Druck zahlt sich aus, der FCK kommt hinten nicht raus, zweimal Einwurf links außen, Mees zur Grundlinie, mit Übersicht zurück auf Saller, flach ins linke Eck, 0:1 (6.). Die roten Teufelchen versuchen sich ins Spiel zu kämpfen. Erste Ecke Kaiserslautern: schwach getreten, locker weggeköpft, der erste Torschuss drei Meter über den Kasten (13.).

Adamayan über links, eine Körpertäuschung, der Schuss irgendwo zwischen Außenpfosten und Außennetz (18.). Nandzik holt sich den Freistoß links außen: Knoll nach rechts außen, Direktabnahme, am Fünfer mit dem Kopf geklärt (23.). Stolze rumpelt mit Guwara zusammen, der scheint kurz weggetreten zu sein – aber es geht zum Glück weiter (30.).

Vor der Pause dreht Lautern ein wenig auf

Nächste Ecke für den Jahn: Da verhaspeln sich die Regensburger mit einer komplizierten Variante. Erste dicke Chance für die Lauterer: Mwenes Pass von rechts, Spalvis‘ Kopfball aus acht Metern einen Meter neben Pentkes rechten Pfosten (37.). Und die bisher größte Chance für die Gastgeber: Osawe scheitert aus zehn Metern am rechten Fuß von Philipp Pentke (44.).

Acht Minuten abtasten, dann zwei Großchancen für den SSV: Müller rettet gegen Mees zur Ecke – die Gäste können sich den Ball im Strafraum zuschieben, Lautern jetzt wieder etwas durch den Wind, nächste Ecke Regensburg, wieder gefährlicher Abschluss Adamyan, knapp am rechten Pfosten vorbei (54.). Knolls Freistoß von rechts außen scharf auf den Keeper – abgepfiffen (56.).

Joker Andersson sticht

Bei Lautern erste Veränderungen: Sebastian Andersson kommt für Jenssen, Moritz für Fechner. Und auch Achim Beierlorzer legt nach: Hamadi Al Ghaddioui für Nietfeld, Stürmer für Stürmer (59.). Aus dem Nichts die Konterchance für Lautern, Andersson scheitert allein vor Pentke (61.). Und jetzt bekommt Jann George die Chance, sich Meriten zu verdienen, Stolze verlässt das Geschehen (64.).

Nächste Ecke Regensburg: Mees köpft drüber. Prominenter Wechsel: Hamit Altintop soll’s für das Schlusslicht richten (65.). Al Ghaddioui legt am Elfer per Kopf für Adamyan ab, Schuss geblockt. Lautern erhöht den Druck wieder, weil Regensburg in dieser Phase zu ungenau agiert. Und dann ist es passiert, simples Rezept, langer Ball nach rechts, Andersson nimmt den Ball perfekt, 1:1 (73.).

Im Schlussspurt lässt der Jahn Punkte liegen

Nächster roter Konter, Osawe lässt rechts alles stehen, tankt sich bis in den Strafraum durch, Endstation Pentke (74.). Adamyan mit der Flanke von rechts, die landet am Tordach (77.). Dann bleibt der Armenier mit Krampf liegen und deutet an, dass es nicht weitergeht. Jetzt sollten sich die Regensburger wieder konzentrieren, Gimber fasst seinem Gegenspieler ins Gesicht, sieht Gelb – Palionis soll die Lage beruhigen (79.). Chaos im Lauterer Strafraum, George, der den Ball lange blockt, legt für Mees zurück, abgefälscht, um Zentimeter vorbei. Riesending für Al Ghaddioui, der aus vier Metern den roten Mann an der Linie anschießt (81.).

Freistoß Knoll nach links außen, schwacher Kopfball ins Aus (88.). Fünf Minuten gibt’s oben drauf, da hat jemand Mitleid mit den armen Teufeln. Nandzik geht links durch, Flanke abgewehrt, aber noch eine Ecke: Mit dem Kopf geklärt. Auch in der Schlussphase hat Regensburg die etwas klareren Aktionen, Kaiserslautern drischt den Ball nur noch nach vorne.

7 Punkte nach unten, 5 nach oben

Die fünf Minuten verstreichen, ohne dass die Kugel noch einmal gefährlich in Tornähe kommt – für Liebhaber von Kerzen und Weitschusswettbewerben ein Schmankerl, aber natürlich will jetzt auch keiner mehr den einen Punkt in der Hand riskieren. Fazit: Regensburg hatte unterm Strich die klareren Chancen, eher zwei verschenkte Punkte. Für den 1. FCK aber ist der Punkt definitiv zu wenig.

Der SSV bleibt mit 41 Punkten Fünfter und hat den Abstand zur Abstiegsrelegation wenigstens um einen Zähler auf nunmehr 7 Punkte vergrößert – allerdings müssen die Regensburger am kommenden Freitag, 18.30 Uhr, schon wieder auswärts bei der SpVgg Greuther-Fürth ran, die zuletzt mächtig Aufwind hatten. Der FCK (18./28 Punkte) ist dann in Bochum zu Gast.

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