Heiko Herrlichs Straßenkehrer-Mission mit Regensburg beim SV Wehen-Wiesbaden
SSV Jahn kehrt die Brita-Arena

Erik Thommy machte beim 3:1-Hinspiel-Sieg gegen Wehen Wiesbaden den Unterschied. Bild: Herda
Sport
Regensburg
21.04.2017
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Jahn-Trainer Heiko Herrlich lässt sich auf keine Aufstiegsdiskussion ein. Bild: Göpel
 
SV-Trainer Rüdiger Rehm freut sich über den fast geschafften Klassenerhalt. Bild: dpa
Wiesbaden: Brita-Arena |

Die Fahrt nach Wiesbaden, steht sie zum ersten Mal unter einem anderen Stern – ein Komet, dessen Schweif die Richtung zur Zweiten Liga anzeigt? Lange Pause in der PK. „Muss ich da jetzt schon wieder drauf antworten“, mag sich Jahn-Trainer Heiko Herrlich in dieser Auszeit gedacht haben, um dann an unseren guten alten Freund, Beppo Straßenkehrer aus Momo, zu erinnern, der sich nur auf seinen Meter schmutzige Straße konzentriert und sonst gar nichts. In diesem Sinne gilt am Samstag, 14 Uhr: Wehen-Wiesbaden wegwischen und gut is‘!

„Wenn man denkt, wer in dieser Saison schon alles auf Platz 2 gestanden ist und als Aufstiegsaspirant gegolten hat“, weiß Herrlich, wie schnell transit gloria mundi, „Mannschaften, die heute auf Platz 11 oder 12 stehen.“ Deshalb müsse der Fokus nur lauten: „Wie bringe ich die bestmögliche Leistung im Spiel gegen Wehen?“ Das gelte auch und besonders für die Spieler. Das Verletzungspech, die gesperrten Sünder – all das habe die Mannschaft zuletzt zusammengeschweißt: „Jeder hat gemerkt, dass er wichtig ist, dass er gebraucht wird.“

Reifeprüfung bestanden?

Hat die Mannschaft nach den famosen Ergebnissen die letzten Wochen – mit Sieg und Unentschieden in Unterzahl in Magdeburg und Duisburg, mit Heimsiegen gegen die unangenehmen U23-Teams der Bundesligisten – nicht bereits seine Reifeprüfung bestanden? „In Magdeburg hatten wir viel Glück und Philipp Pentke, der überragend gehalten hat.“

Ähnlich gegen Bremen: Man habe nur schwer ins Spiel gefunden, dann phasenweise dominiert und zum Schluss sei man arg geschwommen. „Man sieht, dass wir immer wieder Phasen haben im Spiel, wo wir nicht souverän agieren, wo wir einen Tick weit weniger leisten als nötig wäre und uns dadurch selbst in Bedrängnis bringen.“ Herrlich erinnert an Lotte und Köln, wo man 2:0-Führungen aus der Hand gegeben habe.

Aufatmen in Wehen

Aufatmen dagegen in Wehen nach dem Dreier im Abstiegsduell gegen Werder Bremen II unter der Woche: „Jeder Sieg tut gut“, freut sich SV-Trainer Rüdiger Rehm, „jeder Sieg ist so schön, dass man wieder schön auf die Tabelle schauen kann und einen angenehmeren Tag hat.“ Wichtig sei, dass man gegen einen direkten Konkurrenten gepunktet und den Abstand nach hinten noch einmal vergrößert habe. „Wenn wir denken, wo wir angefangen haben, dass wir jetzt fünf Spieltage vor Schluss vor der Ziellinie stehen, ist ein tolles Gefühl.“

„Eine tolle Herausforderung gegen den Tabellenzweiten hier zu Hause anzutreten“, klingt Rehm fast schon ehrfürchtig, allerdings: „Wir wollen das Spiel natürlich auf unsere Seite ziehen.“ Der SSV Jahn habe sich hervorragend entwickelt im Lauf der Saison. „Dass ein Aufsteiger auf Platz 2 steht, das spricht Bände.“ Regensburg verfüge über eine sehr gute Mentalität, über sehr gute Individualisten.

Die 45 vollmachen

Defensiv müsse man mit der gleichen Leidenschaft verteidigen wie gegen Bremen, das die Hessen am Mittwoch mit 2:0 besiegten. Wehen-Wiesbaden (15./42 Punkte) hat damit neun Punkte Abstand zum ersten Abstiegsplatz und könnte gegen Regensburg die ligaerhaltenden 45 voll machen. Dazu müsse man sich aber in der Offensive noch steigern. „Obwohl wir gegen Bremen auch gute Möglichkeiten hatten, aber der letzte Ticken gefehlt hat.“

Das Spiel der Gäste unter der Woche bewertet Jahn-Trainer Heiko Herrlich weder als Vor- noch als Nachteil: „Wir hatten diese Situation auch schon zum Beispiel beim Mainz-Spiel zu Hause, da hatten wir Samstag in Duisburg in Unterzahl gespielt, haben am Dienstag gegen Mainz gespielt, Mainz hatte am Freitagabend schon gespielt, hatte praktisch einen Tag mehr frei.“ Das Ergebnis ist bekannt, gegen den Tabellenletzten gelang ein knapper 2:1-Sieg.“ Andersherum habe Zwickau am Sonntag gespielt und dann bereits wieder am Mittwoch in Regensburg gewonnen.

„Reine Kopfsache“

„Also das ist reine Kopfsache, heutzutage wenn eine Mannschaft durchtrainiert und fit ist, dann ist sie nach 48 Stunden spätestens erholt.“ Wehen habe genügend erfahrene Spieler: „Ein toll zusammengesetzter Kader, der mehr hergibt als der Tabellenstand.“ Wehen stehe sehr kompakt, sei sehr diszipliniert und im Spiel nach vorne sehr variabel: „Was ihr Problem ist, dass sie eigentlich keine Konstanz reingebracht haben.“

Bis Spieltag 11 hätten sie oben mitgespielt, dann sei der Einbruch gekommen, in der Rückrundentabelle stünden sie auf Platz 7: „Sie hatten eine Serie im Februar, März mit vier Siegen in Folge – Osnabrück zu Hause oder Duisburg auswärts gewonnen.“ Ein toller Gegner also mit tollen Einzelspielern in einem tollen Stadion: „Ich denke, wenn wir da einen Punkt mitnehmen, ist das wirklich eine tolle Leistung.“

Nandzik-Ausfall: Hofrath gewappnet

Alexander Nandzik fällt bekanntlich bis zum Saisonende aus: „Letzte Woche kam ja Marcel Hofrath rein beim Stand von 1:0, hat seine Sache ordentlich gemacht – dann stand‘s wenige Minuten später schon 3:0, er hat da ordentlich Druck über die linke Seite noch gebracht.“ Im Herbst habe sich die Nummer 7 den Stammplatz schon mal zurückerobert gehabt bei Spielen gegen Paderborn oder in Osnabrück, wo er von Beginn an gespielt habe.

„Er ist dann durch Verletzungen etwas zurückgeworfen worden“, erklärt Herrlich die Pausen. „Hat hart an sich gearbeitet, für die Situation war er gewappnet, deshalb können wir das gut kompensieren.“

Auch der BR mal wieder im Bilde

Die angeschlagenen Spieler seien mit großer Wahrscheinlichkeit fit: Marc Lais und auch Wastl Nachreiner mit verheilter Fleischwunde. Steht Markus Palionis wieder als eiserne Abwehrreserve zur Verfügung? „Unser Plan war eigentlich so, dass wir ihn über die zweite Mannschaft aufbauen wollten“ – 45 Minuten, 60 Minuten, um ihn bestmöglich vorzubereiten. Er habe nur ein Spiel absolviert in der U23 vor fünf Wochen. „Durch die letzten Verletzungen war das so nicht mehr möglich.“

Das Spiel wird im BR-Livestream übertragen – immerhin ein Fortschritt, nachdem der Bayerische Rundfunk vergangene Woche sogar noch auf Blickpunkt Sport und die Minimalzusammenfassung verzichtete. Wie anders klang das doch während des zweiten Relegationsspiels gegen Wolfsburg, als vollmundig versprochen wurde, den einzigen bayerischen Drittliga-Vertreter großzügig zu würdigen.
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