Ingolstadt gewinnt Wasserschlacht im Jahn-Stadion
Nach Machados Aus die Sintflut

Zum Erwürgen: Trainer Smuda würde gerne selbst Hand anlegen.
Sport
Regensburg
19.04.2013
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Zum Erwürgen: Trainer Smuda würde gerne selbst Hand anlegen.
 
Die Ingolstädter Fans zünden Pyrotechnik.

Der Jahn setzte in der ersten Halbzeit ein paar ganz gefällige Akzente, doch dem FC Ingolstadt reichten zwei geglückte Aktionen, um bei Dauerregen seine 500 Fans unter den 5322 Zuschauern mit einem glücklichen, aber nicht unverdienten 2:1-Auswärtssieg zu entzücken.

Ein schöner Frühlingsabend sieht anders aus. Eine dunkelgraue Wolkenfront hängt bereits vor dem Spiel über dem Stadion an der Prüfeningerstraße, dessen Tribüne bis kurz vor Anpfiff gerade mal zu einem Drittel gefüllt ist. Das Polizeiaufgebot wirkt angesichts der mageren Kulisse gespenstisch.

Immerhin, der Fanblock beim Turm steht seinen Mann, wenn auch ohne Fahnen und Einpeitscher. Den nächstgrößten Block stellen dann auch schon die dicht gedrängten Ingolstädter, die mit ihren Bengalos erst mal eine schwarze Rauchfahne in den Himmel senden – als ob der nicht trist genug wäre.

Schwungvoller Beginn, marode Abwehr

Das dezimierte Jahn-Team – Trainer Franciszek Smuda muss Regisseur Oli Hein neben Wilson Kamavuaka, Markus Smarzoch und Tim Erfen in die Viererkette einreihen, Julian Wießmeier soll dafür den Kreativpart übernehmen – beginnt schwungvoll, Oli Hein grätscht in Ball und Mann, dass eine Fontäne spritzt. Der agile Julian de Guzmán bereitet die erste Chance vor, spielt Carlinhos an, der mit feinem Hackentrick knapp verfehlt (6.). Aber wehe, es geht in die andere Richtung – ohne Abwehr kann man kein Spiel gewinnen: Es reicht meist, den Ball einfach in den Jahn-Strafraum zu dreschen, um eine Massenpanik auszulösen.

Und in puncto Strafraumbeherrschung ist Timo Ochs leider keine Macht – so hervorragend er auf der Linie reagiert. Als hätte nicht jeder vor Caiuby Francisco da Silva, dem Pseudo-Dante, gewarnt, der bereits neun Tore auf dem Konto hat, lässt der Ingolstädter Stürmer mühelos die Regensburger Verteidiger hinter sich, läuft allein auf Ochs zu, der zunächst abwehren kann, doch den Abpraller verlängert Kamavuaka direkt auf Kormaz Ümit, der zum 0:1 einköpft (7.).

FC 04 in Verlegenheit

Der Jahn ist bemüht, das Spiel gleich wieder in den Griff zu bekommen – und löst das erneut spielerisch: Machado spurtet über rechts, sein Pass kommt platziert in die Mitte, wo Guzmán einschussbereit mitläuft – ein Ingolstädter bekommt noch eine Schuhspitze dazwischen. Die erste Ecke bringt nichts ein (8). Auch Wießmeier und Guzmán interagieren gefällig (11.), ein Freistoß von Oli Hein erreicht den freistehenden Tim Erfen etwa acht Meter vorm Tor, doch mehr als eine Kopfballrückgabe kommt nicht dabei heraus (12.).

Im direkten Gegenzug allerdings verschätzt sich Erfen, Ingolstadt kann die gefährliche Situation im Strafraum nicht verarbeiten (13.). Mit langen Bällen auf den schnellen Machado lassen sich die Oberbayern ein ums andere Mal in Verlegenheit bringen – wie in der 22. Minute, als er auf und davon ist, aber allein vor Ramazan Özcan nur den Kopf des Torwarts anschießt – zum Glück schiebt Francky Sembolo im Nachsetzen überlegt aus 11 Metern zum 1:1 ein.

Machado vorn raus, der Ball hinten rein

Während das Publikum noch auf die Genesung eines Ingolstädter Spielers wartet, tut sich plötzlich was auf der Regensburger Auswechselbank: Ausgerechnet der unfreiwillige Vorbereiter des Ausgleichs, Machado, muss vom Platz – Denis Danso-Weidlich muss mit einem Kaltstart den verletzten Brasilianer ersetzen (26.).

Nur drei Minuten später demonstriert die Jahn-Defensive ihre Anfälligkeit. Der semmelblonde Jessen spielt links seine Schnelligkeit aus, schlägt ungehindert eine flache Bananenflanke, die den Fünfer ungestört kreuzt, Heller kommt, von Smarzoch unbehelligt, von weit außen rechts und platziert die Kugel ins linke untere Eck (29.) – 1:2, zu einfach, wie hier Tore fallen.

„Scheiß Absteiger“ – „Zugabe“

Das unterhaltsamste an der Zweiten Halbzeit sind noch die Fan-Gesänge – und die sind schon unterste Schublade. Zumindest gilt das für die Pänneler-Poesie, die die „Schanzer“ zu bieten haben: „Scheiß Absteiger“ gehört noch zu den stärksten Slogans der Ingolstädter – was die Regensburger ironisch mit „Zugabe“ kontern.

Nicht, dass die Jahn-Mannen es nicht versuchen würden: Besonders der quirlige Guzmán ist stets bemüht, das Mittelfeld schnell zu überbrücken – doch wo ist der freie Mann, wo die Lücke? Mehr Platz bietet sich da den Gästen, den diese freilich selten wie Danny da Costa antrittsschnell über rechts nutzen – nach einem Doppelpass drischt der Abwehrhüne den Ball aus spitzem Winkel drüber (55.).

„Ohne Audi, wärt ihr gar nicht hier“

Die beste Gelegenheit, dem Anhang hinter Özcans Tor das Mütchen zu kühlen, hat Oli Hein, der mit einer feinen Einzelaktion den Strafraum quert, und den Torwart aus zwölf Metern zu einer Glanztat zwingt – mit drei Fingern lenkt der den Ball an und von dort über die Latte. Nach einem klaren Foul an Francky Sembolo, der fleißig rackert , lässt der unsichere Norbert Grudzinski (Hamburg) weiterspielen.

Auch ein sehenswerter Schuss Guzmáns aus der zweiten Reihe streicht knapp links oben vorbei (77.). Koke, der sich müht, aber den Ball zu oft von hinten holen muss, vergeigt die letzte Chance aus zehn Metern knapp (82.). Und wenn schon die Mannschaft dem Anhang keine Genugtuung verschafft, dann muss diese das eben selbst in die Hand nehmen: „Ohne Audi wärt ihr gar nicht hier, ohne Audi wärt ihr gar nicht hier“, skandieren Regensburgs junge Turmwächter – und so richtig sauer sind die pitschnassen Zuschauer nicht, als der Schiedsrichter trotz quälendem Zeitspiels von Keeper Ozcan und einer Ingolstädter Auswechslung in der 92. Minute pünktlich abpfeift.

Rang 17 Relegationsplatz?

Wieder einmal wurde der SSV gewogen und für etwas zu leicht befunden – damit dürfte das weitere Schicksal des VfR Aalen für den Tabellenletzten keine große Rolle mehr spielen – im Falle des möglichen Lizenzentzugs, käme der Tabellen-17. in den Genuss des Relegationsspiels. Selbst nach einer erwarteten Niederlage bei Hertha BSC Berlin behauptet der SV Sandhausen diesen Platz mit einem Vier-Punkte-Vorsprung.

Der Jahn muss jetzt in zwei Auswärtsspielen – bei Union Berlin und dem besagten VfR Aalen seine Restchance wahren, dann empfangen die Regensburger Aufstiegskandidaten Kaiserslautern zum vermutlich letzten Zweitliga-Heimspiel, ehe sie in Dresden ihr letztes Gastspiel der Saison bestreiten.