09.06.2017 - 20:54 Uhr
RegensburgSport

Jahn-Geschäftsführer Christian Keller überrascht von Herrlichs Abgang "Ich habe keine Ahnung, wer neuer Jahn-Trainer wird"

Heiko Herrlich, der doppelte Aufstiegscoach des SSV Jahn Regensburg, wird neuer Trainer beim Bundesligisten Bayer Leverkusen. Dieser überraschende Abgang hinterlässt in der Oberpfalz Tristesse pur.

Geschäftsführer Michael Schade (links) und Sportdirektor Rudi Völler (rechts) freuen sich über den Coup, Heiko Herrlich zurück nach Leverkusen gelockt zu haben. Dort begann einst die Profikarriere des Erfolgscoaches vom Jahn Regensburg. Bild: dpa
von Fabian Leeb Kontakt Profil

Keine zwei Wochen ist es her, da feierten die Fans die SSV Jahn ihren "Vater des Erfolgs" auf dem Regensburger Haidplatz. Tags zuvor war der SSV Jahn sensationell in die 2. Bundesliga aufgestiegen und hatte den TSV 1860 München vollends ins Chaos gestürzt.

Nach Party ist Geschäftsführer Christian Keller gar nicht mehr zumute, als er am Freitagnachmittag vor etwa einem Dutzend Medienvertretern in einer Loge der Continental-Arena sitzt. Er muss erklären, wie es dazu kam, dass der frischgebackene Zweitliga-Aufsteiger plötzlich ohne Trainer da steht. "Heiko hat mich am Donnerstag um 15 Uhr angerufen, dass er mit Leverkusen redet. Um 22 Uhr sagte er mir schließlich, dass er diese Chance unbedingt nutzen will", sagte Keller, der "von dieser Entwicklung total überrascht" wurde. "Ich habe ihm dann meinen Segen gegeben." Keller konnte Herrlichs Beweggründe, Cheftrainer bei einem Klub zu sein, der zu den Stammgästen in der Champions-League gehört, absolut nachvollziehen. "Zudem sind dort die Rahmenbedingungen nicht mit Regensburger Verhältnissen vergleichbar - von der Infrastruktur wie von den Finanzen her."

Auch "Co" geht mit

Und für die Oberpfälzer könnte es noch dicker kommen, denn Herrlich wird wohl seinen Assistenten Nico Schneck mit zur Werkself nehmen. Eine Ablösesumme kassiert der SSV für Herrlich nicht, denn der Aufstiegsheld hatte sein auch für die zweite Liga gültiges Arbeitspapier noch nicht unterschrieben. "Anfang Januar hatte sich Heikos Vertrag verlängert, allerdings galt der nur für die 3. Liga. Als sich unser möglicher Aufstieg abzeichnete, habe ich mit Heiko vereinbart, dass wir nach der Serie reden. Jetzt kam dann Leverkusen dazwischen." Herrlich habe zwar mündlich zugesagt, doch die Tinte unter dem Zweitliga-Vertrag fehlte.

Somit beschränkt sich das Leverkusener Entgegenkommen auf ein Testspiel zur offiziellen Saisoneröffnung etwa eine Woche vor Saisonstart in der Continental-Arena. Und junge, talentierte Kicker aus dem Bayer-Nachwuchs sollen bevorzugt in die Oberpfalz verliehen werden, um dort Spielpraxis in der zweiten Liga zu sammeln. "Das müssen wir abwarten, aber wir haben schon noch drei, vier offene Baustellen im Kader. Aber jetzt muss alles hintenan stehen, bis ein neuer Chefcoach gefunden ist."

Dank an Herrlich

Menschlich müsse der neue Mann passen und die Jahn-Philosophie, die Herrlich "perfekt umgesetzt hat", fortführen. "Wir werden uns schnell zusammensetzen, aber Stand jetzt, habe ich keine Ahnung, wer neuer Jahn-Trainer wird. Diese Thematik hatte ich bis Donnerstagabend um 22 Uhr überhaupt nicht auf dem Schirm." Die Spieler, die per Rund-E-Mail im Urlaub informiert wurden, seien von der Entwicklung ähnlich "verwundert, enttäuscht und überrascht" gewesen. Trotzdem hätten sie sich bereits von ihrem Aufstiegstrainer verabschiedet.

"Die Stimmung in den sozialen Medien ist jetzt ja nicht gerade 'pro Herrlich'. Aber ich appelliere an alle Jahn-Fans, bei aller Enttäuschung, das Positive zu sehen. Ohne Heiko wären wir nicht da, wo wir jetzt stehen", bat Keller um Verständnis.

Wir werden uns jetzt zusammensetzen, aber Stand jetzt, habe ich keine Ahnung, wer neuer Jahn-Trainer wird.Christian Keller

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