21.05.2017 - 20:37 Uhr
RegensburgSport

Jahn Regensburg auf Löwenjagd in der Wüsten-Relegation Bollywood gegen Achterbahn

Jetzt ist es tatsächlich so gekommen: Der Jahn muss in der Relegation gegen die Wüstenlöwen ran. Was für ein Duell: Bollywood gegen Achterbahn-Dult, Mr. Special aus Portugal gegen Mr. Tugendreich aus Mannheim, Scheich gegen Netto, Petar Radenković gegen Hans Jakob, 1860 gegen 1889, Blau-Weiß gegen Rot-Weiß, Brauerei zum Löwen gegen Bischofshof, Erich Riedl gegen Turnvater Jahn. Am Freitag, 18 Uhr, muss der SSV Jahn einmal mehr, eine Fußballrevolution anzetteln.

In Heidenheim ließen es die Löwen-Fans am letzten Spieltag krachen: Regensburg steht eine heiße Relegation bevor. Bild: dpa
von Jürgen Herda Kontakt Profil

„Ich bin nicht gekommen für den Abstiegskampf in der Zweiten Liga“, hatte Trainer Vitor Pereira bei Dienstantritt verkündet. Am Tag vor der entscheidenden 1:2-Niederlage in Heidenheim – wo sich die Löwen ausgerechnet von Schnatterer wegbeißen ließen – hört sich das schon anders an: „Ich bin verantwortlich dafür, dass wir hier unser Leben für den Verein geben. Wer genauso fühlt, ist willkommen im Boot.“

Ismaiks Traum lebt auch in Liga 3 weiter


„Es nicht zu schaffen, wäre ein Desaster epischen Ausmaßes“, ergänzt Geschäftsführer Ian Ayre, der eigens aus Liverpool angeheuert worden war. Aber auch: „Ich habe einen Vertrag egal für welche Liga.“ Und dann wäre da noch der Scheich, der Schritt für Schritt die Macht im Verein übernommen, alles ausgetauscht hat, was nicht bei 3 in der Löwengrube war. „Ich werde meinen Traum, die Löwen wieder zu einer großen Nummer zu machen, niemals aufgeben“, verspricht Investor Hasan Ismaik auf seiner Facebook-Seite. „Selbst wenn wir absteigen sollten, wovon ich nicht ausgehe, würde ich an eurer Seite bleiben. Ich lasse 1860 nie mehr los.“

Ganz anders natürlich die Situation in Regensburg, wo ernsthaft keiner geglaubt hatte, dass der SSV Jahn nach dem mühsamen sofortigen Wiederaufstieg aus der Regionalliga auf Anhieb die Relegation zur Zweiten Liga erreichen könnte – und dann noch gegen einen solchen Gegner: „Ich persönlich hatte keinen Favoriten“, sagt Sportchef Christian Keller, der zusammen mit Trainer Heiko Herrlich die Auferstehung aus Ruinen bewerkstelligte, „sondern freue mich einfach, dass wir die beiden Spiele bestreiten dürfen. Für die Fans ist dieses bayerische Derby aber natürlich eine Riesensache.“

Enges Zweitliga-Duell 2012

Klar, auf den ersten Blick wäre vielleicht Arminia Bielefeld der angenehmere Gegner gewesen – eher in der Kragenweite der Regensburger: In der DFB Pokal-Hauptrunde 2010/11 hatte der SSV die Arminen schon mal am Rande einer Niederlage, scheiterte wie gegen Hertha BSC vergangenes Jahr erst im Elfmeterschießen. Gegen die Löwen sieht die Bilanz nicht ganz so rosig aus. Im letzten Zweitliga-Duell 2012/13 waren die Partien allerdings eng: In München verlor der SSV Jahn denkbar unglücklich mit 0:1 – Abdenour Amachaibou verschoss in der 86. Minute einen Strafstoß und hatte einen Knacks für die ganze Saison weg. Im Rückspiel reichte ein 1:1 nicht mehr für den Klassenerhalt.

Wenn man so weit kommt, wie der Aufsteiger aus der Oberpfalz – und von so weit her, dann möchte man natürlich auch noch den letzten Schritt vollenden. Noch dazu mit einem Perfektionisten auf der Bank, der selbst schon für die Nationalmannschaft Tore schoss und mit Borussia Dortmund die Championsleague gewann. Und dennoch ist der Christ im Trainingsanzug ein Mensch, der weit über den Horizont eines Fußballplatzes hinaus blickt.

Herrlicher Kombinationsfußball

Wer wie Heiko Herrlich in jungen Jahren einen Gehirntumor überlebt, der weiß, dass die Welt nach einer sportlichen Niederlage nicht untergeht. Herrlich fand in Regensburg die richtige Mischung aus Gelassenheit und Strenge, wenn die jungen Spieler abzuheben drohten – anders als Vorgänger Christian Brand gelang es dem Mannheimer, ein Kollektiv zu formen, das mit Teamgeist und Begeisterung herrlichen Kombinationsfußball spielen kann.

Im Grunde wäre der erneute Aufstieg der übernächste Schritt, der vorm nächsten getan würde. Denn ein Defizit muss der 45-Jährige bei der Torfabrik der Dritten Liga noch abstellen: die vogelwilde Abwehr. Jedenfalls hat Herrlich schon jetzt alle Erwartungen übererfüllt – und nach der Qualifikation für den DFB-Pokal und zwei Spielen on top auch finanziell geliefert.

Allianz-Arena auch in Liga 3

Ganz anders bei den Löwen, wo der Investor von der Championsleague träumt und der Trainer wie schon bei Fenerbahce Istanbul und Olympiakos Piräus am liebsten Tikitaka-spielen lässt – beide Illusionen zerplatzten trotz des drittteuersten Budgets der Zweiten Liga an der rauen Zweitliga-Realität. Die Löwen konnten zwar immer wieder ästhetisch überzeugen, allein, die Ergebnisse blieben unterirdisch. Der Abstieg, den der Portugiese wohl nicht mitvollziehen wird, hätte aber für die Giesinger gravierende Folgen.

Das Stadion an der Grünwalder Straße, von der Stadt 2013 drittligatauglich aufgerüstet, wird wohl auch künftig höchstens dann zum Zug kommen, wenn der FC Bayern II den Aufstieg schafft. Der Mietvertrag in der Allianz-Arena wäre auch im Falle eines Abstiegs gültig. Sollten die Löwen in der Relegation scheitern, würden Daniel Bierofkas erfolgreiche U21-Junglöwen in die Bayernliga zurückgestuft.

Freier Verkauf ab Dienstag

Im freien Verkauf können pro Person sechs Karten gekauft werden. Dies ist im Jahn Fanshop (Di. & Mi. 10-18 Uhr und Freitag 10-14 Uhr), über den Onlineshop (nur für Bestandskunden, Karten nur per print@home oder Abholung an der Continental Arena bis Donnerstagabend), alle externen Vorverkaufsstellen und die Ticket-Hotline (Dienstag & Mittwoch 10-18 Uhr) möglich.

Karten für den Gästeblock können ausschließlich über den jeweiligen Relegationsgegner bezogen werden. Wichtiger Hinweis: Achtung, Chicken, klar erkennbare Gästefans erhalten keinen Zutritt zu den Blöcken im Heimbereich der Conti Arena!

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