12.05.2017 - 19:34 Uhr
RegensburgSport

Jahn Regensburg kann gegen die Sachsen DFB-Pokal-Quali festzurren Wie gefährlich ist Chemnitz im Krisenmodus?

Beim Chemnitzer FC geht‘s drunter und drüber: Zahlungen des Hauptsponsors ungewiss, die Lizenz gefährdet, Leistungsträger vor dem Absprung – tritt am Samstag, 13.30 Uhr, in Regensburg ein wilder Haufen in Selbstauflösung an oder ein gefährlich angeschlagener Boxer? Jahn-Coach Heiko Herrlich sieht‘s wie immer gelassen – das Ziel sei: „Die erwarteten 12.000 Zuschauer glücklich machen, leidenschaftlich spielen, zeigen, dass wir ein Team sind – und die Qualifikation für den DFB-Pokal festzurren.“ Über mehr möchte der christliche Sohn Mannheims auch heute nicht sprechen.

Marco Grüttner schreit nach seinem Hattrick in Chemnitz seine Genugtuung heraus. Bild: Sascha Janne
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Am Mittwoch nahm Ex-Aue-Sportchef Steffen Ziffert (52) die Arbeit beim Drittligisten Chemnitzer FC auf – mitten in der existenzbedrohenden Krise. Dem Verein droht nach BILD-Informationen der finanzielle Kollaps. Ob Hauptsponsor „Eins Energie“ seine Zahlungen fortsetze, sei völlig offen. 4,6 Millionen Euro muss der Verein beim DFB bis 2. Juni als Einnahmen oder Einsparung nachweisen. Und dann auch das noch: Bürge Erwin Trageser (65) tritt aus dem Aufsichtsrat zurück. Der Groß-Sponsor investierte in 16 Jahren siebenstellige Beträge.

Pentke: „Fatal, was in Chemnitz passiert“

Beim SSV Jahn stehen mit Marc Lais, Marcel Hofrath, Philipp Pentke, Kolja Pusch, Markus Ziereis und Alex Nandzik ein halbes Dutzend ehemaliger CFC-Profis im Kader. Vor allem Kapitän Pentke hat noch einen starken Draht zu seinem Ex-Verein: „Es ist schon fatal und traurig, was da in Chemnitz passiert. Ein paar Leute machen den Verein kaputt, das haben die vielen Menschen, die am CFC hängen, nicht verdient.“

Dazu wird etlichen Leistungsträgern beim selbst erklärten sächsischen Aufstiegsaspiranten Wechselabsichten unterstellt: Philip Türpitz, Anton Fink und Fabian Stenzel werden bereits mit anderen Vereinen in Verbindung gebracht. Kann sich die Mannschaft von Trainer Sven Köhler da überhaupt auf das Spiel gegen Jahn Regensburg konzentrieren?

„Alle in BLAU nach Regensburg“

Der Verein versucht zumindest, den Fans Mut zu machen: „Unter dem Motto ,Alle in BLAU nach Regensburg‘ werden mehrere Hundert Himmelblaue erstmalig die neue Continental Arena bevölkern“, heißt es auf der Homepage. „Natürlich ist nach den letzten Auftritten die Sehnsucht nach einem Auswärtssieg riesig.“

Die letzten Ergebnisse – 0:3 gegen Münster, 1:1 gegen Erfurt, 0:2 in Kiel – sprechen genauso wenig für die Blauen wie die jüngste Bilanz gegen Regensburg: Im Hinspiel unterlag Chemnitz dem Jahn mit 0:3 – Dank eines nicht ganz lupenreinen Hattricks von Goalgetter Marco Grüttner. Insgesamt konnten die Oberpfälzer vier der sieben Aufeinandertreffen gewinnen, dreimal siegte Chemnitz, ein Unentschieden gab es noch nie.

Herrlich: CFC kann immer zurückkommen

„Eine Mannschaft, die sich im zweiten Drittel der Vorrunde bei den vorderen Plätzen eingenistet,“ beurteilt Jahn-Trainer Heiko Herrlich den Chemnitzer FC, „und zuletzt durch zwei Niederlagen hintereinander gegen Duisburg und Osnabrück ein bisschen einen Einbruch erlebt hat:“ Die Mannschaft habe aber immer wieder gezeigt, dass sie zurückkommen könne – „mit einem brandgefährlichen Stürmer, Anton Fink“.

Um gegen die Himmelblauen erfolgreich zu agieren, müsse man den ganzen Spielaufbau der Sachsen konterkarieren – Flanken verhindern, schnell absichern nach Ballverlust, schnell ins Gegenpressing kommen. „Aber wir sollten uns vor allem auf unsere Stärken konzentrieren und versuchen, unser Spiel durchzubringen“, fordert Herrlich.

Kämpft mit offenem Visier

Vorfreude empfindet Herrlich über ein weiteres Spiel mit über 10.000 Zuschauern: „Wir freuen uns, dass sie wiederkommen – unabhängig vom Ergebnis.“ Leider sei es dem Gastgeber dreimal nicht gelungen, die vielen Fans gegen Duisburg, Osnabrück und Kiel mit einem Sieg zu belohnen. „Es zeigt, dass die Zuschauer es hier schon anerkennen, dass hier eine Mannschaft auf dem Platz steht, die füreinander alles gibt und fightet und kämpft mit offenem Visier.“ Diesmal wolle man den Bock umstoßen.

Wer soll den aber stoßen? Robin Urban ist seit Wochenbeginn wieder im Training – ob er bereits reif für die Dritte Liga sei, sei noch unklar. Jann George musste am Donnerstag das Training abbrechen – der Stürmer klage noch immer über Probleme, sehe seinen Einsatz am Samstag kritisch. Auf alle Fälle nicht dabei ist der Gelb-gesperrte Bastian Nachreiner. „Für ihn spielt Markus Palionis“ – nach sechs Kurzeinsätzen der erste Profi-Marathon.

Innenverteidigung: Linksfuß, Rechtsfuß

Dem harmonierenden Doppel-6-Pärchen Andi Geipl und Marc Lais wird wohl Ali Odabas zum Opfer fallen: „Ich werde Marvin Knoll wieder einen zurückschieben“, weil Herrlich einen Linksfuß auf der linken und einen Rechtsfuß auf der rechten Innenverteidigerposition bevorzuge. „Außerdem haben wir dadurch mehr Größe und mehr Kopfballstärke, wo wir in den letzten Wochen unsere Achillesferse hatten – wie bei Fortuna Köln.“

„Früher habe ich immer von einer Steffen-Freund-Mentalität gesprochen“, übersetzt der Coach seine Überlegungen, „Martin Kree war ein Spieler, der nicht immer Stammspieler war bei Borussia Dortmund, aber auf den Punkt immer seine Leistung gebracht hat.“ Im Championsleague-Finale 1997 sei er in der Anfangsformation gegen Juventus Turin gestanden. „Er hat seine Sache super gemacht und ist heute Championsleague-Sieger.“

11 Uhr: Ein Profi zapft an

Beim SSV Jahn sei es ähnlich: „Die Verletztenliste muss ich Ihnen ja nicht noch einmal aufzählen, damit könnte man ja eine ganze Drittliga-Saison durchspielen.“ Wie sich die Dinge bis Samstag auch entwickeln mögen – Trainer Herrlich nimmt‘s, wie‘s kommt, weil jeder, der bisher ins kalte Wasser geworfen worden sei, die Herausforderung angenommen habe. „Wenn Jann ausfällt, ist Uwe Hesse da.“

Wer das absehbare Verkehrschaos vor dem Spiel vermeiden möchte, kann mit etwas Durst zur Entzerrung beitragen: Um 11 Uhr übt sich ein Überraschungsprofi, der nicht im Kader steht, beim Bieranstich auf dem Vorplatz der Continental Arena – die ersten 40 Halben sind für die Jahnfans gratis. Zudem werden drei Kandidaten ausgewählt, die in der Halbzeitpause an einem Gewinnspiel teilnehmen können, bei dem es ein wenig Treffsicherheit braucht. Der Preis? Ein großes Geheimnis des Spieltagspartners Bischofshof.

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