Jahn Regensburg will Erfurt und die Kellerkinder auf Distanz halten
Eiskaltes Souterrain-Duell

Heiko Herrlich freut sich auf das coole Flutlichtspiel. Bild: Göpel
Sport
Regensburg
01.12.2016
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RWE-Trainer Stefan Krämer fordert zum Kampf um jeden Zentimeter. (Foto: dpa)
 
Bayer Leverkusens Ex-Coach Sascha Lewandowski (rechts) gibt Kolja Pusch beim Euro-League-Match gegen FC Metalist Kharkiv am 22 November 2012 letzte Anweisungen. (Foto: dpa)
Regensburg: Continental-Arena |

Klirrende Kälte und gleißendes Flutlicht: Am Freitag, 18.30 Uhr kann der SSV Jahn (12./21 Punkte) vorlegen und bis bis zum Tabellensechsten Kiel aufschließen – oder bei einer Niederlage gegen Rot-Weiß Erfurt (16./19) im worst case auch den letzten Punktepuffer zu den Abstiegsrängen verlieren. „Nicht mit Angst, sondern mit Lust“ möchte sich Jahn-Coach Heiko Herrlich ins Souterrain-Duell stürzen.

Die Bilanz gegen den zweifachen DDR-Meister ist ausgeglichen – mit leichten Vorteilen für denn SSV Jahn wie auch in der aktuellen Tabelle. Gegen Erfurt gelangen den Regensburgern 5 Siege, 4 Remis und 3-mal ging man als Verlierer vom Platz. Das Polster zu den Abstiegsrängen ist für beide Teams nicht üppig – ob 1 oder 3 Punkte, der Sieger im Keller-Duell zwischen Zwickau und Paderborn rückt dem Verlierer vom Freitag, 18.30 Uhr, mächtig auf die Pelle.

RWE-Trainer Stefan Krämer: „Um jeden Zentimeter kämpfen“

„Unverdient“, resümiert RWE-Trainer Stefan Krämer die 1:2-Niederlage gegen Chemnitz, „wir haben einen guten Auftritt hingelegt.“ Aus dem Frust neue Energien gewinnen: „Die Darbietung macht Hoffnung, dass wir wieder zu Punkten kommen.“ Das funktioniere gegen die Oberpfälzer aber nur, wenn seine Mannschaft gegen einen im Umschaltspiel starken Gegner um jeden Zentimeter kämpfe.

Dafür sei Erfurt gut gerüstet. Bis auf den früheren Regensburger Publikumsliebling André Laurito und Jens Möckel seien alle Mann an Bord – auch Liridon Vocaj kehre nach seiner Sperre zurück. „Er hat sich zu einem nahezu unersetzlichen Leistungsträger entwickelt“, lobt Krämer. Seine Spielweise passe eben zu der Art, wie der Trainer spielen lassen möchte – vor allem mutig: „Die Mannschaft soll riskieren, auch weit vorm Tor zu verteidigen. Das hat uns bisher die meisten Punkte gebracht.“

Heiko Herrlich: „Alex Nandzik kehrt zurück“

Beim SSV muss nur Marcel Hofrath nach seinem Muskelfaserriss aus Kiel pausieren. „Dafür spielt Alex Nandzik“, sagt Jahn-Trainer Heiko Herrlich. „Er hat eine gute Trainingsleistung gebracht“, begründet er die Rückkehr des Stammspielers, der die Kaderpause gut aufgenommen habe. „Er hatte ja auch wesentlichen Anteil, dass wir den Aufstieg geschafft haben, und bei den ganzen Punktgewinnen zu Saisonanfang war er auch auf dem Platz gestanden.“ Ein vorzeitiges Comeback des lange Zeit verletzten Ali Odabas ist dagegen ausgeschlossen. Er mache zwar sensationelle Fortschritte. „Trotzdem gehen wir da auf Nummer sicher und werden ihn vor der Winterpause nicht mehr einsetzen.“

Die Gier-Vorgabe von Turnvater Herrlich habe das Team diese Woche erfüllt: „Es war sehr lebhaft im Training, sehr aggressiv – teilweise ist der eine oder andere übers Ziel hinausgeschossen.“ Jeder kämpfe gerade um seinen Platz. „Das ist auch positiv, es darf nur keine weitere Verletzung dazu kommen.“ Auch die vergangenen Tage hätten sich wieder einige Spieler aufgedrängt, die unbedingt in die Mannschaft wollen. „Es kann gut sein, dass wir noch ein, zwei Wechsel machen.“ So sei man gut aufgestellt für das Spiel gegen den ewigen Drittligatabellenführer.

Nicht ins Messer laufen

„Obwohl sie in der aktuellen Tabelle hinter uns stehen, nur 13 Tore – davon nur zwei aus dem Spiel heraus – geschossen haben, den Rest aus Standards, glaube ich, dass sie trotzdem hier herfahren, um was mitzunehmen.“ Erfurt habe zu Saisonbeginn in Frankfurt und Zwickau gewonnen und anders als der Jahn in Lotte, Kiel und Mainz gepunktet. „Es ist eine Mannschaft, die eher aus der Defensive, aus der Kompaktheit kommt, und da müssen wir einfach die Geduld haben, nicht ins Messer zu laufen, und eine gute Restverteidigung haben.“

Die Thüringer hätten auch eine Reihe außergewöhnlicher Spieler in ihren Reihen: „Sebastian Tyrala habe ich als U19-Spieler gehabt bei Borussia Dortmund.“ Er sei von Bert van Marwijk aus der B-Jugend zu den Profis hochgezogen worden. „Er galt als das Talent beim BVB.“ Verletzungen hätten ihn zurückgeworfen. „Ein spielstarker 6er, der gut verteidigt werden muss.“ Auch Mario Erb kenne er von der Borussen-U19. „Dann haben sie mit Carsten Kammlott einen Stürmer, der schon sechs Tore geschossen hat.“

Hoffen auf starke Flutlichtkulisse

Für den Gastgeber spreche die Heimstärke und die Flutlichtatmosphäre – mit hoffentlich starker Kulisse. Dennoch: „Jeder kann jeden schlagen“, in dieser ausgeglichenen Liga. „In Kiel hat die Mannschaft keine schlechte Leistung gezeigt, wir haben dem Druck lange standgehalten, das gut verteidigt, hatten zwei, drei Möglichkeiten, in Führung zu gehen – dann hätten wir den Spiel vielleicht eine andere Richtung geben können.“ Herrlich unterscheide zwischen Ergebnis und Leistung, die gestimmt habe. „Wenn wir an die 100 Prozent gehen, sehe ich gute Chancen, dass wir das Spiel gewinnen.“

Vor allem, wenn Kolja Pusch den ambitionierten Worten seines Beraters Marko Rujevic gegenüber Liga-Drei.de exklusiv Taten folgen lässt: „Wir haben ganz bewusst nur einen Ein-Jahres-Vertrag gewählt“, sagt der Mann, der bereits Aias Aosman an Dynamo Dresden vermittelte. „Kolja würde sehr, sehr gerne den Schritt in Liga zwei wagen. Wir sind auch mit zwei, drei Klubs aus der 2. Bundesliga in Kontakt, die ihn seit Saisonbeginn immer mal wieder scouten und im Auge behalten.“

Pusch drängt in Liga 2

Der 23-jährige Mittelfeldspieler hat vor seiner von Heiko Herrlich verordneten Künstlerpause zwei Tore erzielt und vier Treffer vorbereitet. „Kolja legt in dieser Saison eine gewisse Konstanz an den Tag, die er im letzten Jahr noch nicht hatte“, konstatiert Rujevic etwas im Widerspruch zur Maßnahme Herrlichs. Mindestens bis zum Saisonende sei aber Regensburg sein Arbeitgeber. Hier fühle er sich grundsätzlich sehr wohl. „Er genießt da auch ein gewisses Standing. Deshalb ist unser erster Ansprechpartner für die neue Saison Jahn Regensburg.“

Christian Keller kann sich natürlich vorstellen, mit dem Leistungsträger zu verlängern. Überhaupt sieht man den Ambitionen des ehemaligen Leverkuseners gelassen entgegen. „Der Verein profitiert davon, wenn sich Spieler weiterentwickeln“, findet auch Heiko Herrlich. „Wenn sie das bei uns machen, ist das natürlich noch besser.“
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