04.05.2017 - 19:28 Uhr
RegensburgSport

Jahn Regensburg will letzte Ausfahrt aus Liga 3 in Thüringens Hauptstadt erwischen Rot-Weiß Erfurt gegen Remissucht und Abstiegsangst

Gegen vermeintliche Favoriten liefert der SSV Jahn oft kleine Meisterstücke ab – wie jeweils zu Zehnt beim Tabellenführer Duisburg oder in Magdeburg. Auch den Komplex gegen die Kellerkinder scheint Regensburg überwunden zu haben – wenn auch mit mühseligen Siegen gegen Mainz und Bremen. Bleiben Mannschaften, die die Oberpfälzer einfach nicht mögen – wie Zwickau (0:4/1:2), Kiel (1:2/0:3) – oder eben am Freitag, 19 Uhr, Erfurt (0:1/?).

Rot-Weiß Erfurt nahm beim trostlosen Eisnebelkick im Dezember die Punkte aus Regensburg mit. Bild: Herda
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Rückblende. Die Stimmung nach der Heimpleite im Dezember gegen Rot-Weiß Erfurt war im Keller: „Wir haben in den letzten sieben Spielen vier Punkte geholt“, warnte Jahn-Mahner Heiko Herrlich, „das ist wie ein Absteiger.“ Und wie in Wehen, wo Regensburg mit einem Doppel-Elfer womöglich Platz 3 verschoss, vergab an dem trostlosen Eisnebelnachmittag auch noch Andi Geipl das Remis vom Punkt – auch der Aufstiegsheld ist nach verbüßter Sperre nicht unfehlbar als Vollstrecker.

Ein Duell vor sechs Jahren

Dennoch, die Verhältnisse, sie sind nicht so wie kurz vor der Winterpause – nicht Rot-Weiß aus Regensburg, sondern die Farb-Kollegen aus der Thüringer Hauptstadt bangen um den Klassenerhalt. Der SSV muss da anknüpfen, wo er auswärts zuletzt aufgehört hat – mit spielbestimmenden Aktionen und etwas mehr Killerinstinkt vorm Tor. Dann lässt sich auch das Trauma gegen die, die dem Jahn in jüngster Zeit nicht so liegen, besiegen. In der Gesamtbilanz hat Regensburg die Nase mit 5 Siegen bei 4 Niederlagen und 4 Unentschieden noch vorne.

Zeitmaschine oder die Duplizität der Ereignisse: Vor sechs Jahren, am 30. April 2011, standen sich Erfurt und Regensburg schon mal am 36. Spieltag gegenüber – Erfurt auf dem Relegationsplatz 3, der Jahn im Mittelfeld. Rotweiß stand vor dem Sprung in Liga 2. Das Ergebnis: Der kurz zuvor eingewechselte Andrés Formento trifft in der 87. Minute zum 0:1 für die Gäste. Der erste Sargnagel für die Aufstiegshoffnungen. Zum Schluss landet Erfurt auf Rang 5.

André Laurito: „Großen Kampf abliefern“


Damals mit dabei: Regensburgs Publikumsliebling André Laurito, der ein Jahr später den Aufstieg mit Regensburg schaffte. Heute kämpft der Abwehrrecke mit Erfurt um den Klassenerhalt: „Wir werden einen großen Kampf abliefern und hoffentlich gewinnen.“ Für die Thüringer (16./41 Punkte) überlebensnotwendig: Die Konkurrenz – Paderborn (17./39) gegen Zwickau und Bremen II (18./38) gegen Halle – steht den Erfurtern auf den Füßen.

„Mein Gefühl sagt mir, dass in dieser Saison 44 Zähler nicht reichen“, gruselt‘s RWE-Trainer Stefan Krämer ob dieser Konstellation. Ein „Weiter so“ mit Unentschieden – 1:1 gegen Bremen, 0:0 in Wehen, 1:1 gegen Kiel, 0:0 gegen Münster und 1:1 in Chemnitz – könnte zu wenig sein. Wie man einen Dreier holt, wusste Erfurt beim Hinspiel in Regensburg noch. Damals reichte Carsten Kammlotts Sonntagsschuss zum 1:0-Sieg. Trotzdem, Krämer, der damals auf die Tribüne musste, hat Respekt vor den Oberpfälzern: „Das ist eine gute Truppe mit offensiv sehr guten Jungs.“

Heiko Herrlich: Kieler Packung verdaut

Wie hat der der SSV die Kieler Packung verdaut? „Nach dem Spiel saß keiner in der Kabine und hat Juhu geschrien“, beschreibt Jahn-Trainer Heiko Herrlich die Stimmungslage, „natürlich war die Enttäuschung da.“ Und er wiederholt auch nach der Video-Analyse die positiven Aspekte: „Wir hatten viel mehr Ballbesitz, wir hatten ein Eckenverhältnis von 12:4, wir hatten unsere Chancen.“ Der Schuss von Erik Thommy, die Großchance von Marc Lais direkt vor der Halbzeit – aber die habe man verpasst. Umgekehrt vermeidbare Gegentreffer: „Ein geblockter Distanzschuss, der einfach abzulaufen gewesen wäre von Philipp, da hat er einen Moment gezögert.“

Am Freitag werde das freilich ein ganz anderes Spiel: „Erfurt muss Punkte sammeln, die sind nur drei Punkte vom Abstieg entfernt – die werden natürlich auch versuchen, endlich mal wieder ein Spiel zu gewinnen.“ Herrlich erwartet ein Kampfspiel: „Wir dürfen uns ihr Spiel nicht aufdrücken lassen, wir müssen schon versuchen, Fußball zu spielen, unsere Angriffe vorzutragen und nach Möglichkeit unsere Chancen zu nutzen.“

Rückkehrer vom Sperrbezirk

Mit dabei natürlich die Rückkehrer vom Sperrbezirk: Kolja Pusch und Andi Geipl. Und auch Marcel Hofrath ist nach seiner Muskelverhärtung wieder einsatzfähig. Kurzer Schreck für Erik Thommy: Die Augsburger Leihgabe musste pausieren, konnte aber am Donnerstag wieder trainieren. Kurze Woche, kurze Trainingseinheiten, oder wie Jahn-Coach Heiko Herrlich das ndennt: „Kurz aber intensiv.“

Natürlich versuche man in Erfurt die Hinspielniederlage auszuwetzen: „Und dann was mitzunehmen, drei Punkte am besten – schwer gegen die zu gewinnen, sie haben seit fünf Spielen nicht mehr verloren, allerdings auch seit acht Spielen nicht mehr gewonnen.“ Die Stärken der Thüringer? „In der individuellen Klasse“, schwärmt Herrlich, „zu einem Kammlott muss man nicht viel sagen, Sebastian Tyrala war Jugendspieler bei Borussia Dortmund, er wäre ohne Verletzung von der Qualität Bundesligaspieler, oder Okan Aydin – die muss man aus dem Spiel nehmen.“

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