16.12.2017 - 13:06 Uhr
RegensburgSport

Jetzt mit PK: Regensburg dreht noch vor der Pause das Match gegen Bielefeld SSV Jahn feiert beste Zweitliga-Hinrunde

7137 Zuschauer feiern in der Conti-Arena einen glänzenden Saisonabschluss für den Aufsteiger: Der SSV Jahn siegt nach einer bärenstarken ersten und einer etwas glücklichen zweiten Halbzeit mit 3:2 gegen Arminia Bielefeld und überwintert auf einem einstelligen Tabellenplatz. Revanche geglückt und erster Sieg gegen die Ostwestfalen überhaupt.

Marvin Knoll (rechts) und Kollegen feiern die beste Zweitliga-Hinrunde des SSV Jahn ever. Bild: Sascha Janne
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Leidenschaftliches Match in der Conti-Arena: Der SSV Jahn zunächst im Pech, verliert erst Mittelfeld-Fighter Marc Lais (5.), später auch noch Jonas Nietfeld (32.) – und muss schließlich das schnelle 0:1 durch Voglsammer nach Pentke-Aussetzer (12.) verarbeiten. Aber dann spielt Regensburg mächtig auf, dreht das Spiel mit Powerplay: Erst Gimber von der Strafstoßkante zum 1:1 (14.), dann Sahnepass Adamyan auf Grüttner, der via Innenpfosten das 2:1 köpft (25.).

Erst zum Schluss geht dem Jahn die Puste aus

Überfallartige Angriffe, aufopferungsvoller Kampf, tiefer Boden, zwei Verletzte: Die erste Hälfte hat Kraft gekostet. Und dazu stellt Bielefeld jetzt auch noch auf die Bochum-Taktik um: Mit Härte machen die Arminen Boden gut, zerstören so zumindest das schöne Kombinationsspiel der Regensburger. Im Gegenzug schafft Bielefeld allerdings auch nur selten klare Chancen: Einmal reißt Pentke die Fäuste hoch, als Voglsammer auf kurzer Distanz abzieht (80.). Einmal hat der SSV Glück, dass die Fahne hochgeht, nachdem Klos auf gleicher Höhe einnetzt (81.).

Aber das tüchtige Stück Glück haben sich die Oberpfälzer auch verdient: Nach einem weiteren genialen Pass des überragenden Sargis Adamyan – der heute erstmals Erik Thommy vergessen lässt – springt die Kugel nach Ortegas Parade Salger an die Brust und von dort ins Tor, 3:1 (78.). Mit dem Schlusspfiff schickt dann noch mal Klos Kerschbaumer in die Gasse, der das Ergebnis auf 3:2 korrigiert (92.). Gratulation für die geschlossene Mannschaftsleistung der Regensburger, aus der Sebastian Nachreiner mit großer Übersicht, Marvin Knoll als Abwehrchef, Marco Grüttner und Alex Nandzik als Kampfschweine und Sargis Adamyan als feiner Techniker herausragen.

Jeff Seibene droht mit Straftraining

Jahn Regensburg gegen Bielefeld, eine Partie mit Neigung zum Remis: Oft war der SSV nah dran, wie beim Elfmeterschießen im DFB-Pokal (5:6, 2010) – aber letztlich konnten die Oberpfälzer die Arminen noch nie besiegen. Besonders bitter das Hinrunden-Auftaktspiel, in dem die Gäste lange führten, auch nach dem Ausgleich die besseren Chancen hatten – und dann die letzte Spielaktion: Marvin Knoll will zu Keeper Philipp Pentke zurückköpfen, Andraz Sporar spritzt dazwischen, 2:1 (90.), Aus. Dieses Mal kein Happy End für Bielefeld.

„Hochverdienter Sieg“, gratuliert Arminen-Coach Jeff Seibene, „wir waren absolut nicht präsent, haben das, was wir uns vorgenommen haben, absolut nicht umgesetzt – die richtige Mentalität vermissen lassen und ich bin sehr, sehr enttäuscht.“ Gerade beim letzten Spiel vor der Winterpause so einen Auftritt hinzulegen, sei das unerklärlich: „Die Jungs können froh sein, dass jetzt Pause ist, sonst würden sie einiges erleben.“ Vergessen will er den Auftritt aber nicht: „Das werden wir nachholen, das gebe ich Ihnen schriftlich.“

Beierlorzer: „Alles richtig gemacht“

„Ich bin natürlich hochzufrieden, dass wir 3:2 gewonnen haben“, sagt Jahn-Trainer Achim Beierlorzer das Selbstverständliche. „Wir haben uns genau das vorgenommen, mit absoluter Mentalität nochmal in diesem letzten Spiel 2017 alles zu investieren – und das kann ich der Mannschaft attestieren.“ Die Mannschaft habe eine tolle Moral bewiesen, eine überragende Laufbereitschaft bis in die letzten Minuten: „Wir wussten, wie schwer Bielefeld zu bespielen ist, weil sie einfach eine extreme Wucht haben und gleichzeitig aber sehr gute Fußballer – sie können auf den zweiten Ball spielen, aber auch kombinieren.“

Seine Elf habe alles genau richtig gemacht: „Diese Mannschaft nicht ins Spiel kommen lassen, die weiten Bälle zu verhindern.“ Das große Ziel, 40 Punkte, sei wieder ein Stück näher gerückt. Bitter natürlich die Verletzungen: „Wir haben das angerissene Band von Marc Lais getapet, er hat sich gut gefühlt in den Trainingseinheiten – aber wenn dann genau das Gleiche nochmal passiert, dass er umknickt, dass es ist natürlich klar, dass es vorbei ist.“ Man habe dann mit vier Innenverteidiger gespielt – das habe dem SSV aber durchaus in die Karten gespielt. Überrascht hat auch Bene Gimber: „Sogar mit Spielwitz“, lobt Beierlorzer seine neue 6.

Keine Überraschung in der Startelf

So ergibt sich die Bilanz gegen den DSC: 8 Spiele, 5 Unentschieden, 3 Niederlagen, 8:11 Tore. Geleitet wird die heutige Partie von Hauptschiedsrichter Lasse Koslowski aus Berlin, ihm assistieren Henry Müller und Robert Wessel. Der SSV Jahn ohne Überraschung in der Startelf: Vor Philipp Pentke agieren Alexander Nandzik, Sebastian Nachreiner, Marvin Knoll und Benedikt Saller in der Viererkette. Davor teilen sich Bene Gimber und Marc Lais die doppelte 6. Jann George und Sargis Adamyan sollen Lücken reißen für Marco Grüttner (Kapitän) und Jonas Nietfeld.

Auf Seiten der Gäste stehen mit Andreas Voglsammer (7 Treffer), Konstantin Kerschbaumer (4) und Fabian Klos (3) die drei gefährlichsten Torjäger der Arminia  in der Startelf.

Rasanter Auftakt

Diese Bilder kennt man in der Conti-Arena: Der Jahn versucht gleich mit viel Alarm klar zu machen, in welche Richtung das Match verlaufen soll: Saller und George rasen über rechts, ein Armine klärt zum Einwurf, der Linienrichter hat noch ein Jahn-Bein am Ball gesehen. Wieder George über seine rechte Seite, der Pass bleibt bei DSC-Verteidiger Stephan Salger hängen (3.).

Die erste Riesenchance aber auf Seiten der Gäste: Die hochstehende Regensburger Viererkette überspielt, Prietl legt in die Mitte, Klos knallt aus fünf Metern drüber (3.). Bitterer Moment für Regensburg schon in dieser frühen Phase: Marc Lais krümmt sich schmerzverzerrt am Boden – war der Einsatz des angeschlagenen Mittelfeldfighters doch zu riskant? Asger Sörensen kommt schon nach fünf Minuten in die Partie.

Pentkes Aussetzer, Gimbers Premiere

Was macht Pentke? Schon dreimal muss er den spielenden Libero geben, einmal schlägt den Ball unkontrolliert ins Aus, beim zweiten Mal ordentlich, beim dritten Mal aber legt er die Bielefelder Führung auf: Ein Armine krallt sich die Kugel vor Nandzik, dann geht’s schnell in die Mitte, Volgsammer kann sich freigespielt aus zehn Metern die Ecke aussuchen, 0:1. (12.).

Verunsicherung bei Rot-Weiß? Einen wichtigen Spieler verloren, sich den Rückstand praktisch selbst eingeschenkt, wie reagieren die Regensburger jetzt? Genau richtig: Überfallartige Angriffe, Grüttner legt am 16er quer zu Benedikt Gimber, der versucht’s einmal, findet beim zweiten Mal die Lücke, Aufsetzer, erstes Saisontor zum wichtigen 1:1 (14.).

Adamyan mit Pracht-Assist

Der SSV die bissigere, die zielstrebigere Mannschaft: Sörensen schickt Nietfeld knapp ins Abseits (19.). Gimber nach seinem Treffer kaum mehr zu bremsen, Adamyan mit Querpass, 15 Meter vor der Kiste verspringt dem Verteidiger das Leder, Ortega ohne Probleme (24.). Sensationeller Assist von Sargis Adamyan, Flanke von links, Grüttner hängt sich mit der Stirn rein, Ortega verschätzt sich, schaut der Kugel nach, wie sie vom Innenpfosten ins Tor springt, Spiel gedreht, 2:1 (25.).

Salger mit Nerven: Der Abwehrspieler klärt einen halben Meter neben den Pfosten. Hier kehrt keine Ruhe ein: Jetzt hat sich auch noch Nietfeld verletzt, Albion Vrenezi kommt zu einem seltenen Einsatz in der ersten Hälfte (31.). Auch Bielefeld wechselt, aber eher aus qualitativen Gründen: Teixeira, im Hinspiel mit Rot vom Platz geschlichen, macht gegen Adamyan und Nandzik keine gute Figur, jetzt darf sich Brian Behrendt am linken Duo abarbeiten (36.). Phasenweise ein Powerplay der Regensburger, dass einem Angst und Bange werden muss um die Gäste: Letzte Ecke vor dem Wechsel, dreimal bekommt Arminia die Kugel nicht weg, mit dem Halbzeitpfiff drischt ein Schwarzer das Ding aus dem Fünfer (46.).

Die Knoll-Minuten

Es dauert 90 Sekunden, bis der SSV über George und Gimber Vrenezi freispielt, dessen Abschluss vom 16er Ortega problemlos aufnehmen kann. Im Gegenzug läuft Klos knapp ins Abseits (47.). Bielefeld wird stärker, weiter Ball auf Klos, Knoll bekommt gerade noch den Schlappen dazwischen (49.). Und wieder Knoll, diesmal stoppt er Voglsammer beim Konteransatz mit technischem Foul, Glück, dass er nicht Gelb sieht – zwei Minuten später ist es dann doch so weit: Gelb, weil er Klos an den Hacken trifft. Aufregung, weil die 10 jetzt auch noch dem Freistoß von draußen zuschauen muss: „Schieber, Schieber …“.

So, Leandro Putaro mit dem Schubser nach der Spielaktion gegen Nandzik, Gelb auch für ihn (55.). Wieder ein Klassepass von Adamyan weit nach rechts, George mit dem Antritt, der Pass etwas zu ungenau (56.). Und noch ein Adamyan, klasse für Vrenezi durchgesteckt, in letzter Sekunde geklärt (60.). Doppelwechsel bei den Arminen: Christoph Hemlein für Putaro und Patrick Weihrauch für Schütz. Langsam wird’s etwas brenzlig für Knoll: Das nächste Foul nach Luftkampf und die Gäste erinnern jetzt bei jeder Szene an die gelbe Vorbelastung.

Tüchtiges Glück für Regensburg

Freistoß Kerschbaumer von rechts, Kopfball doch deutlich drüber (63.). Endlich mal wieder ein schneller Konter über Grüttner auf Nandzik, der versucht’s allein, Ortega erst im Nachgreifen (67.). Wenn was geht für den Jahn, dann ist meist Adamayn beteilig: Sensationeller Pass an den kurzen Pfosten, Ortega pariert die Hereingabe, der Ball klatscht von Salger ins Tor, 3:1 (78.). Im Gegenzug, Freistoß aus dem Halbfeld, Voglsammer aus kurzer Distanz, Pentke reißt die Fäuste hoch. Schon läuft der Konter, Adamyan etwas spät auf Nandzik, nur Einwurf.

Glück für den SSV: Nandzik schaut Klos zu, weil er auf Abseits spielt, der zieht ab, Ball zappelt im Netz, Fahne oben – eher gleiche Höhe (80.). Offenes Scheunentor, George auf Grüttner, gerade noch von Behrendt zur Ecke getackelt: Die kommt auf Grüttner, der den Kopf nicht richtig hinbekommt (83.). Beierlorzer schenkt Uwe Hesse ein paar Minuten und erlöst den überragenden Adamyan, der alles gegeben hat (86.). Und der hat gleich die dicke Chance, wird in den Konter geschickt, versucht durchzustecken, da fehlen Zentimeter (88.).

Kleiner Dämpfer mit dem Schlusspfiff: Der Jahn lässt Kerschbaumer passieren und das 3:2 zu – das ärgert Jahn-Coach Beierlorzer, auch wenn der Dreier im Sack ist. Vorläufig – vor den Sonntagsspielen – steigt der SSV mit 25 Punkten auf einen sensationellen 6. Platz hoch – die beste Zweitliga-Hinrunde ever.

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