19.11.2017 - 14:41 Uhr
RegensburgSport

Jetzt mit PK: Zwei Abseitstore für St. Pauli bringen Regensburg in die Defensive Jahn zittert sich zum ersten Remis

Zwei völlig unterschiedliche Hälften beim unterm Strich leistungsgerechten 2:2 am Millerntor: Halbzeit 1 geht klar an Jahn Regensburg, das einen indisponierten FC St. Pauli 40 Minuten problemlos beherrscht und verdient 2:0 führt – zwei Abseitstore der Hamburger kurz vor der Pause stellen das Spiel auf den Kopf. Umgekehrt geht Hälfte 2 zu 98 Prozent an die Gastgeber, die den ersten Heimsieg seit Wochen eintüten müssen. Machen sie nicht, somit steht am Schluss das erste Remis von Jahn Regensburg überhaupt.

Marco Grüttner bejubelt die Führung nach Ecke. Bild: Sascha Janne
von Jürgen Herda Kontakt Profil

40 Minuten hat der SSV Jahn in Hamburg alles im Griff, führt verdient durch ein Kopfballtor nach Geipl-Ecke von Marco Grüttner (21.) und Sargis Adamyan (24.) mit 2:0. Nach Doppelwechsel bei St.Pauli wachen die Piraten auf, gleichen innerhalb von fünf Minuten durch Lasse Sobiech (40.) und Sami Allagui (45.) aus – allerdings einmal knapp und beim zweiten Mal glasklar im Abseits.

Beierlorzer: „Wenn wir mit einem 2:0 in die Pause gehen ...“

„Ich war von Beginn an“, lobt Jahn-Trainer Achim Beierlorzer am Tag vor seinem 50. Geburtstag sein Team, „damit, wie wir hier aufgetreten sind, äußerst zufrieden.“ Bis zur 35 Minute habe man St. Pauli völlig im Griff gehabt. „Da haben wir auch schon die Zuschauer so ein bisschen in die Stimmung gebracht, dass sie mehr forderten.“ Seine Mannschaft habe zwei tolle Tore geschossen, man hätte in der einen oder anderen Umschaltsituation nachlegen können. „Dass das eine Tor abgepfiffen wird, wo unser Stürmer einfach nur steht, ist auch nicht immer üblich .“ Bitter dann die Gegentore: „Eines klar abseits, eines ebenfalls abseits.“

„Es wäre schon interessant gewesen, wie dieses Spiel ausgeht“, rätselt Beierlorzer, „wenn wir mit einem 2:0 in die Pause gehen.“ Dann sei klar gewesen, „dass St. Pauli seine ganze Klasse, die es zweifellos hat, in die Waagschale werfen wird – da haben wir ein bisschen Glück gehabt“. Zum Schluss mit der riesigen Chance von Bene Saller, der allein im Fünfer überrascht gewesen sei, dass er den Ball bekommt, habe man selber noch einmal die Chance zum Lucky Punch gehabt: „Wenn er da ein bisschen mehr die Ruhe gehabt hätte ... aber bei seiner Laufleistung war das ein wenig schwierig.“ Am Schluss stehe ein gerechtes Unentschieden.

Janßen: „Am Boden, tot, wieder aufgestanden“

„Inhaltlich kann ich völlig beipflichten“, stimmt St.-Pauli-Coach Olaf Janßen der Analyse zu, „zu Beginn sind wir neben uns gestanden, haben keine Lösungen gefunden.“ Im Zentrum habe man immer ein, zwei Stationen zu viel gebraucht, der Gegner sei dann schon immer da gewesen. „Wenn man dann noch zwei Tore kriegt, führt das nicht gerade zu mehr Sicherheit.“ Es sei ein Spiel gewesen, in dem die Mannschaft schon am Boden, tot gewesen und wieder aufgestanden sei: „Das hat die Mannschaft sensationell gemacht.“

Wenn man das Spiel allerdings vor der Pause innerhalb von fünf Minuten drehe, müsse man in der zweiten Halbzeit den Sack auch zu machen. „Da muss man das Momentum nützen“, bedauert Janßen. Das Murmeltier habe wieder gegrüßt. „Dann haben wir es auch nicht verdient am Ende des Tages so ein herausragendes Spiel zu einem zu machen, das man dann wirklich auch dreht.“ Deshalb sei das 2:2 auch gerecht.

Eckenmonster SSV legt vor

Keine Überraschungen bei Achim Beierlorzers Jahn-Aufstellung: Vor Philipp Pentke sollen Alexander Nandzik, Benedikt Saller, Sebastian Nachreiner und Marvin Knoll feindliches Kapern verhindern. Andreas Geipl und Marc Lais nach vorne Sargis Adamyan, Sebastian Stolze, Marco Grüttner und Jonas Nietfeld in Szene setzen. St. Paulis Trainer Olaf Janßen bringt nach dem unglücklichen 0:1 bei Union Berlin Cenk Sahin nach dessen vierwöchiger Verletzungspause anstelle von Litka.

Zander blockt Grüttners Flanke zum ersten Eckball ins Aus – Variante auf kurzem Pfosten, Hackentrick, Marc Lais fällt beim Pressball neben den Pfosten, kein Elfer (3.). Was der Jahn gut macht: Er erstickt das Paulaner Aufbauspiel im Keim. Was zu wünschen übrig lässt: Nach vielen Ballgewinnen kommen die Pässe in die Spitze nicht genau genug – und bei häufiger Verwirrung im Hamburger Strafraum fehlt die Übersicht. Bei der zweiten Knoll-Ecke köpft Zander die Kugel aus dem Fünfer (13.).

Eckenmonster-Jahn verbessert seine Quote: Grüttner köpft bei der vierten Ecke zentral aus zehn Metern frei zum 0:1 (21.). St. Pauli jetzt völlig von der Rolle, der SSV presst weiter, Saller kommt mit viel Platz über rechts, flach auf Nietfeld, der lässt passieren für Adamyan – der Nationalspieler behält die Übersicht und schiebt überlegt ein, 0:2 (24.).

Wende vor der Pause

Nur mühsam kann sich der Gastgeber befreien, Chancen Mangelware, wenn überhaupt bei hohen Flanken – St.-Pauli-Coach Olaf Janßen setzt alles auf eine Karte, bringt noch vor der Pause zwei Offensivkräfte – Aziz Bouhaddouz und Johannes Flum für den angeschlagenen Kapitän Bernd Nehrig und Waldemar Sobota (35.). Es kündigt sich an: Avevor trifft per Kopf – aber Abseits (38.).

Flanke auf Sobiech, der im Strafraum knapp im Abseits steht, Nandzik lässt sich vernaschen, und der neue Kapitän knallt die Kugel in den linken Winkel, 1:2 (40.). Dann Allagui zum Ersten, vorbei an Pentke, spitzer Winkel, schlechter Pass (42.). Allagui zum Zweiten, aus zwei Metern im Abseits köpft er aus fünf Metern den 2:2-Ausgleich (45.).

St. Pauli dreht auf

Jahn-Coach Beierlorzer sorgt für das Comeback von Jann George, Stolze muss dafür weichen. St. Pauli jetzt natürlich mit Rückenwind: Flanke Zander, Knoll klärt per Kopf (45.). Buchtmann zieht halblinks aus 16 Metern ab, das Kügelchen streift um Zentimeter am rechten Pfosten vorbei (53.). Geipl rutscht mit der Kugel gerade noch so zur Ecke, Allagui hätte nur noch den Fuß an Buballas Flanke legen müssen (54.).

Die Situation ist eigentlich geklärt, dann verliert ein Regensburger in der Rückwärtsbewegung den Ball, Allagui läuft allein auf Pentke zu, der Keeper bekommt in letzter Sekunde den Fuß dran (63.). Klasse Regensburger Kombination, Nandzik auf Adamyan, der ist am kurzen Pfosten und legt sich die Kugel einen Hauch zu weit vor (66.) – das wird nicht der Grund sein, warum Beierlorzer ihn jetzt für Marcel Hofrath vom Feld nimmt. Nach langer Pause jetzt die 7. Regensburger Ecke, ganz schwach (70.).

Jahn zittert sich zum ersten Remis

Und die achte Ecke kommt sogleich: Wieder ohne Wirkung (73.). Dafür die Hamburger jetzt mit den ganz großen Chancen: Saller klärt gerade noch vor Allagui und Buchtmann, Nandzik irrt im Strafraum rum, Pentke pariert Buchtmanns Schuss prächtig (74.). Bouhaddouz geht allein auf Pentke und hebt das Ding über die Latte (75.). Den Hamburger Freistoß fälscht Einmann-Mauer Geipl zur Ecke ab, Verwirrung im Strafraum, Sobieck haut den zweiten Ball drüber (82.).

Und die nächste Hamburger Ecke, die Kugel fliegt durch Freund und Feind ins Aus (83.). Gefährliche Freistoßposition, nachdem Geipl Allagui auf den Boden setzt: Buchtmann in den Himmel. Es wäre des Jahn-Glückes zu viel gewesen, aber eigentlich musst du das machen: Saller bekommt einen abgefälschten Ball am Fünfer vor die Flinte und zieht freistehend daneben (90.). Das Zittern geht weiter bis zur 93. Minute, dann ist Feierabend – unterm Strich ausgleichende Gerechtigkeit. Der SSV Jahn verbessert sich mit nun 16 Punkten auf Rang 13, St. Pauli fällt mit 20 Punkten auf Rang 7 zurück.

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