31.05.2013 - 00:00 Uhr
RegensburgSport

Kommentar: Präsident Ulrich Weber beurlaubt Franz Gerber Jahn Regensburg: Der Franz hat seine Schuldigkeit getan

Schlimmer geht’s nimmer. Nach wochenlangem Hickhack, das immer so begann, dass Jahn-Vorstandsvorsitzender Ulrich Weber, die gegenteilige Meinung als der zuständige Sportchef vertrat, gibt der Verein nun die sofortige Beurlaubung Franz Gerbers bekannt. Dabei tritt der designierte Nachfolger – Weber: „Einen besseren gibt es nicht“ – Prof. Dr. rer. soc. Christian Keller sein Amt erst am 15. August an, so dass in der entscheidenden Trainer- und Spielerrekrutierungsphase dieser Stuhl erst einmal vakant ist.

Kaufmännischer Geschäftsführer Johannes Baumeister (links), Prof. Dr. Christian Keller und Vorstands- und Aufsichtsratsvorsitzender Ulrich Weber (rechts).
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Man mag von Franz Gerber halten, was man will. Fakt ist: Als Gerber im Februar 2010 den Posten übernahm, stand der Jahn auf dem 16. Tabellenplatz der 3. Liga. Ein Jahr später belegte der SSV Rang 8, vergangene Saison den dritten Platz – und stieg mit einem der geringsten Etats der Liga in der Relegation gegen den Karlsruher SC auf. Um auch in der Zweiten Bundesliga mit einem, im Vergleich noch niedrigeren Budget zu überleben, hätte alles optimal laufen müssen.

Zuletzt nur noch ein blaues Wunder

Das Gegenteil war der Fall, die neuverpflichteten Spieler schlugen nicht ein wie ein Blitz, wichtige Leistungsträger verletzten sich, der Jahn scheiterte an mehreren Fronten. Kurzum: Gerber schaffte dreimal das Wunder, mit minimalen Mitteln das Maximum zu erreichen – beim Abenteuer Zweite Liga gelang es nicht. Aber selbst ein Jürgen Klopp musste mit Mainz schon mal zurück in Liga 2. Dennoch, der Ausflug ins fußballerische Unterhaus war zwar nicht immer die reine Freude, aber er war auch kein Beinbruch. Anders als beim Abstieg 2003/4 steht der Jahn nicht vor einem Scherbenhaufen, sondern geht mit soliden Finanzen und einem Stamm junger, um Zweitliga-Erfahrung angereicherter Spieler in die Dritte Liga – und kann perspektivisch für die Ära im neuen Stadion einen weiteren Anlauf nehmen.

Der Professor aus Heidelberg

Jetzt also mit einem 34-jährigen Fachhochschul-Professor aus Heidelberg! Nichts gegen den Mann – was soll man auch gegen ein unbeschriebenes Blatt vorbringen? Ja sicher, Keller hat die A-Trainer-Lizenz, bei einigen Bundesligisten reingeschnuppert, den akademischen Zirkus durchlaufen und die Sportfachliteratur um Werke wie „Steuerung von Fußballunternehmen. Finanziellen und sportlichen Erfolg langfristig gestalten“ bereichert. Aber hat er auch die Kontakte, um wie Gerber Spieler aus dem Hut zu zaubern, die bisher in den Reserven der Bundesligisten versauerten und beim Jahn für wenig Geld durchstarteten?

Wir wollen es hoffen, wie wir die letzten 40 Jahre immer hofften, dass der Jahn auf einen grünen Zweig kommt! Die undurchsichtige Art und Weise, wie die Jahn-Gremien die letzten Wochen agierten, gibt freilich diesem kümmerlichen Pflänzchen wenig Nahrung – warum in aller Welt nutzt man die unbestrittene Kompetenz Gerbers bei Spielerverpflichtungen nicht wenigstens für einen geordneten Übergang, während dem man hätte sehen können, wie sich die junge professorale Hoffnung im real existierenden Fußballgeschäft, fernab der leisen FH-Korridore entwickelt?

Drei Trainernamen auf dem Heidelberger Bierfilzl

Einem, der zu seiner Amtseinführung von sich sagte, er verstehe nicht viel von Fußball, hätte so viel zurückhaltende Weitsicht gut zu Gesicht gestanden. Jetzt muss er zusammen mit Keller zeigen, was das neue Führungsteam drauf hat. Erste Bewährungsprobe: Die Verpflichtung eines Trainers, der mehr zu bieten hat, als zerknirschte Einsicht nach der Insolvenz der SpVgg Weiden – immerhin steht Günther Güttler nicht auf dem drei Namen starken Bierfilzl des Heidelbergers.

Man wolle in der Dritten Liga mit dem Gestalten nicht aufhören, ergänzt Präsident Weber, und noch stärker auf die Jugend setzen. Keine schlechte Idee, nur war das denn unter Gerber anders? Das Durchschnittsalter der Jahn-Fohlen hatte sich wohl nur noch durch die Ablösung des Sportchefs selbst senken lassen. Drei Jahre läuft nun der Vertrag von Christian Keller, der bereits 2010 zusammen mit dem kaufmännischen Leiter Johannes Baumeister als Teil der Beraterfirma actori beim SSV Jahn beschäftigt war. Die erste Investition dürfte der Jahn dann schon mal in die Auflösung des bis 2015 gültigen Vertrages von Franz Gerber tätigen.

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