29.08.2014 - 00:00 Uhr
RegensburgSport

Mit Heimsieg gegen Energie ist ein großer Jahn-Sprung möglich Cottbus erwartet Tanz auf Rasierklinge

„Es wird ein Tanz auf der Rasierklinge“, sagt Energie-Trainer Stefan Krämer über das Auswärtsspiel am Samstag, 14 Uhr, in Regensburg. Worauf immer er damit auch anspielen möchte: auf die tänzerischen Fähigkeiten von Aias Aosman, die Schussschärfe von Fabian Trettenbach – jedenfalls will Jahn-Trainer Alex Schmidt unbedingt die Mini-Serie – zweimal nicht verloren – gegen Cottbus fortsetzen.

Nach der Mini-Serie deutlich entspannter: Jahn-Coach Alex Schmidt. Bilder: Herda/Archiv
von Jürgen Herda Kontakt Profil

Herr Schmidt, die erste kleine Serie ist eingefahren, zweimal nicht verloren, vier Punkte mehr auf dem Konto ein Sprung vom 19. auf den 16. Platz – wie entspannend ist das?

Schmidt: Vom Kopf her waren die Spieler auch vorher schon gut drauf. Nach dem Spiel natürlich um so besser. Ich hab‘s nachher zu den Jungs gesagt: Wenn wir gegen Rostock gewonnen hätten, wären wir bis auf vier Punkte am Tabellenführer dran, das ist schon verrückt. Da sieht man auch, wie eng die Liga ist. Wir brauchen einfach Erfolgserlebnisse, damit wir in ein ruhigeres Fahrwasser kommen.

Sie sagten nach dem Spiel, „70 Minuten haben wir gut gespielt“, danach haben wir zu viel zugelassen. In der ersten Hälfte hatten beide Mannschaften nicht die großen Chancen. Ist das eine kleine Programmänderung, nach dem Motto safety first, was man nach 15 Gegentoren auch gut verstehen könnte?

Schmidt: Ja, ich finde, dass wir in der ersten Halbzeit ganz gut gespielt haben. Wir haben den Gegner frühzeitig unter Druck gesetzt, nicht zur Entfaltung kommen lassen – bis mal auf einen Freistoß. Ich habe also schon in Stuttgart reagiert, und die Viererkette umgestellt.

Hat Sie die neueste Variante der Innenverteidigung mehr überzeugt – hat Sie Bestandsschutz?

Schmidt: Mit der Kombination Matthias Dürmeyer und Thomas Kurz in der Innenverteidigung war ich sehr, sehr zufrieden. Mich freut‘s, dass sich Matthias so gut entwickelt, weil‘s ein Regensburger Junge ist, und es auch wieder für unsere Ausbildung spricht. Thomas Kurz wird jede Woche besser. Und die Gegentore liegen ja nicht am Spielsystem, ja?! Das waren drei geschenkte Tore gegen Rostock und ein stinknormaler Eckball. Man muss halt am Mann bleiben, das ist in der Kreisliga so und ist in der Bundesliga so. Ich kann nicht mehr, als es dem Spieler zeigen und es trainieren.
Was haben Sie in der Pause zur Mannschaft gesagt: Das reicht maximal für einen Punkt, ihr müsst mehr investieren?

Schmidt: Nach der Halbzeit haben wir wieder gut angefangen, sind in Führung gegangen. Dann bekommen wir nach einer Ecke aus dem Nichts den Ausgleich. Was micht aber freut, ist, dass wir dann gut antworten, das 2:1 machen. Es war auch ein sensationelles Spiel von Fabian Trettenbach und Stani Herzel, die beide brutal gut nach vorne gespielt haben.

Nicht ganz so schön: Das Gegentor fast im Gegenzug – das geht zu schnell, zu einfach und leider greift auch Loboué wieder vorbei – umgekehrt hat er in der Schlussphase die drei Punkte mit einigen wirklich starken Paraden gerettet?

Schmidt: Bei der Ecke war die Zuordnung eigentlich da, aber der Mann, der dem Torschützen zugeteilt war, wurde extrem weggeblockt, mit zwei Händen weggeschoben. Es war nicht schlecht gemacht von Stuttgart. Ich dachte zuerst auch, da sieht der Loboué schlecht aus. Im Video sieht man aber, es ging brutal schnell. In der Schlussphase hat man aber auch mal gesehen, dass Lobouè gut gehalten hat.

Das Siegtor erzielte Andi Güntner – gegen Rostock fast schon erfolgreich. Hat der seine Bestimmung verfehlt und es ereilt ihm ein ähnliches Schicksal wie Gino Windmüller?

Schmidt: Wir brauchen vorne einfach auch Gardemaß in der Mannschaft. In jedem Spiel hat der Gegner drei bis fünf sehr große Spieler, und du musst auf solche Sachen natürlich auch achten. Und bei Gino ist es so, dass er in der Viererkette immer wieder mal einen Lapsus hat. Vorne fühlt er sich wohl, hat einen super Kopfball, einen guten Schuss, eine gute Technik, vielleicht ist das der Schlüssel.
Nichts für schwache Nerven war die Schlussphase: Warum hat es die Mannschaft am Ende wieder nicht geschafft, den Druck spielerisch aufzulösen?

Schmidt: Die Schlussphase hatte es dann wieder in sich, wobei Stuttgart alles auf eine Karte gesetzt hat. Ich habe es mir noch mal angeschaut auf Video, wir hatten da sieben, acht Mann von denen im Strafraum. Das einzige, was wir da halt besser machen müssen, ist, dass wir den Gegner weghalten vom Strafraum, nicht so viele Standards verursachen, sondern einfach aggressiv anlaufen, damit die gar nicht so nah rankommen. So war‘s dann natürlich noch einmal brenzlig, wenn du scharenweise Stuttgarter im Strafraum hast – da fällt dann einem ein Ball vor die Füße oder der zweite Ball kommt, das kann man nie ganz verhindern.
Am Samstag kommt Zweitliga-Absteiger Energie Cottbus – wie wenig die Tabelle noch aussagt zeigt, dass der Tabellenfünfte auch nur vier Punkte mehr auf dem Konto hat. Wie stark schätzen sie den Fast-Bezwinger des HSV ein?

Schmidt: Ja gut, Cottbus spielt sehr kompakt gegen den Ball, nur vier Gegentore sprechen für sich. Vorne haben sie ein bisschen Probleme, dass sie ein Tor machen. Aber das ist schon eine sehr disziplinierte Mannschaft, sehr ballorientiert, mit erfahrenen Spieleren – Möhrle, Zeitz, Szarka von Hoffenheim, Perdedaj von der Jugend von Hertha BSC. Wichtig ist, dass wir nicht in Rückstand gelangen, sonst wird‘s schwer. Ich erwarte kein so schönes Spiel für die Zuschauer. Es wird taktisch geprägt sein. Aber ich erhoffe mir von meinen Jungs, dass sie wieder die Offensivpower umsetzen können, auch wenn‘s vom Papier und von der Gegneranalyse her schwer wird, weil das ein anderes Kaliber ist.
In den bisherigen Vergleichen gab es zwei Unentschieden und zwei Niederlagen – mit welcher Mannschaft wollen Sie dafür sorgen, dass gegen den Spitzenreiter-Bezwinger am Samstag der erste Sieg fällig wird?

Schmidt: Ich wäre ein schlechter Trainer, wenn ich das dem Gegner vorab verraten würde. Mit steht der gleiche Kader zur Verfügung wie in Stuttgart. Bei Patrick Lienhard ist es noch ein bisschen fraglich, ob er spielen kann. Wir werden sehen. Wir wollen uns weiterentwickeln, mir wäre wichtig, wenn hinten die Null steht.

Bis wann kann man mit der Rückkehr von Basti Nachreiner und Azur Velagic rechnen?

Schmidt: Bei Nachreiner hoffe ich gegen Dresden. Bei Velagic wird es Minimum noch zwei Wochen dauern, dass an einen Einsatz zu denken ist.
Im Sturm wird Romas Dressler noch immer geschont, also maximal ein Kurzeinsatz?

Schmidt: Gegen Rostock ist Romas Dressler über sich hinausgewachsen. Man hat‘s in Stuttgart leider deutlich gesehen. Er hat Nachteile mit zwei Wochen Vorbereitung gegenüber den anderen Spielern, die sechs Wochen Vorbereitung hatten und die Spiele dazu.

Im Forum wird über eine Verstärkung für die Abwehr spekuliert – gibt‘s da noch Aussicht auf Vollzugsmeldungen?

Schmidt: Wenn wir einen guten Mann bekommen können, müssen wir ihn holen. Bei so leichten Toren wie den vier von Ziemer am vergangenen Samstag muss man sich was überlegen. Da bin ich als Trainer dann auch machtlos. Aber es ist kein Wunschkonzert. Wenn wir was machen, muss es finanziell möglich sein und es muss jemand sein, der absolut Stammspieler wird. Der Zeitpunkt ist schwierig, es ist spät. Was mich hoffnungsvoll stimmt ist die Entwicklung von Matthias Dürmeyer.

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